Lupine das neue Soja?

Fabian Peters

Lupineneiweiß gut als vegetarischer Fleischersatz geeignet

18.03.2014

Immer mehr Menschen versuchen bewusst ihren Konsum an Fleisch und anderen tierischen Produkten zu reduzieren. Insbesondere die vegane Ernährung hat auch aufgrund der hiermit zu verzeichnenden Diät-Erfolge in den vergangenen Monaten stark an Popularität gewonnen. Soja ist dabei bis heute für Vegetarier und Veganer der am häufigsten verwendete Fleischersatz. Allerdings erfreut sich das pflanzliche Protein der Blauen Lupine hier einer stark gewachsenen Beliebtheit.


Lupinen sind Pflanzen aus der Gattung der Hülsenfrüchtler, deren Samen hochwertige Proteine enthalten, die unter anderem zu Fleischersatzprodukten verarbeitet werden können. Allerdings enthalten einige Sorten toxische Bitterstoffe und sollten daher nicht verzehrt werden. Die Samen der Blauen Süßlupine () eignen sich indes besonders gut zur Herstellung von verschiedenen Fleischersatzprodukten und veganen Lebensmitteln. Mittlerweile werden vegane Schnitzel, Burger, aber auch Nudeln ohne tierisches Eiweiß, veganer Quark und laktosefreies Lupinen-Eis sowie zahlreiche andere Produkte auf Lupineneiweiß-Basis angeboten.

Veganes Speiseeis und andere vegane Lebensmittel
Die Firma ProLupin aus Grimmen, die seit rund einem halben Jahr verschiedene Lupinen-Produkte anbietet, erläutert, dass durch ein vom Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung patentiertes Verfahren aus den Samen der Lupinen ein Lupinenprotein-Isolat, Lupinenfasern, Lupinenöl und Lupinenschalen gewonnen werden. Diese Produkte könnten zu unterschiedlichen Zwecken in Lebensmitteln verarbeitet werden. Als Beispiel nennt ProLupin das laktosefreie Speiseeis „Lupinesse“, das einerseits für Menschen mit Laktoseintoleranz in Frage kommt, anderseits auch für eine veganische Ernährung geeignet ist. „Jedes unserer Produkte verbessert auf verschiedene Weise spezifische Produkteigenschaften in Lebensmitteln“, berichtet das Unternehmen weiter.

Berichte über schwerwiegende allergische Reaktionen
„Die Samen der gezüchteten Süßlupine haben günstige ernährungsphysiologische Eigenschaften. Sie sind kalorienarm und mineralstoffreich, reich an Eiweiß und Ballaststoffen sowie arm an verdaulichen Kohlenhydraten“, berichtet auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Zudem sei der Gehalt an Harnsäure bildenden Purinen bei Lupinen sehr gering, und sie sind cholesterinfrei, so die Mitteilung des BfR weiter. Das Institut verweist jedoch auch darauf, dass bestimmte Eiweiße in Lupinen allergische Reaktionen auslösen können. „Berichte über schwerwiegende allergische Reaktionen durch Lupinenprodukte“ seien für das BfR Anlass gewesen, „die Häufigkeit der Verwendung von Lupinenprodukten in Lebensmitteln und das Auftreten von Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Lupinen zu beschreiben.“

Häufigkeit an Allergien könnte zunehmen
Den Angaben des BfR zufolge waren bereits einige Fälle zu verzeichnen, „in denen Verbraucher nach dem Essen von Pizza oder Lebkuchen, deren Teigmischungen Lupinenmehl als Zutat enthielten, mit Hautreaktionen, Atemproblemen, Krämpfen oder sogar einer lebensbedrohlichen allergischen Überempfindlichkeit (anaphylaktischer Schock) reagierten.“ Angesichts ihres allergenen Potenzials falle die Lupine unter die EU-Kennzeichnungspflicht für Allergene. Sollten Lupinenprodukte wegen ihrer geschmacklichen oder frischhaltenden Eigenschaften vermehrt eingesetzt werden, könnte damit auch die Häufigkeit von Allergien gegen Lupineneiweiß zunehmen, befürchtet das BfR. „In Frankreich stehen Lupinenprodukte an vierter Stelle in der Reihenfolge von Lebensmitteln, die zu anaphylaktischen Reaktionen geführt haben“, so die Mitteilung des BfR weiter.

Kreuzallergie-Risiko beachten
Als mögliche Symptome einer Lupinen-Allergie nennt das Bundesinstitut für Risikobewertung orale Allergie-Syndrome, Entzündungen der Nasenschleimhaut, eine Bindehautentzündung (Rhinokonjunktivitis), Ödeme, Nesselfieber (Urtikaria), Atemnot, Bauchschmerzen, Übelkeit und einen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Zudem seien Kreuzreaktionen mit Allergenen aus Sojabohnen, Erdnüssen, grünen Bohnen und Erbsen bekannt. Untersuchungen belegen laut Angaben des BfR zum Beispiel ein relativ hohes Kreuzallergierisiko von 30 bis 60 Prozent bei Personen mit Erdnussallergie. Wer nach dem Verzehr von Fleischersatzprodukten auf Lupinen-Basis oder anderen Lupinen-Lebensmitteln mit auffälligen Symptomen zu kämpfen hat, sollte daher auf einen weiteren Verzehr verzichten und im Zweifelsfall einen Allergologen aufsuchen. (fp)

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