Manipulationen durch PKV-Vertreter

Sebastian

Manipulationsversuche einer Online-Umfrage durch PKV-Vertreter

21.03.2012

Laut ARD Recherchen sollen Vertreter der Privaten Krankenversicherung versucht haben, eine Online-Umfrage des Fernsehmagazins „Panorama“ zum Thema „PKV“ zu manipulieren. So hätten rund 75 Prozent der Teilnehmer auf die Frage hin, ob die PKV erhalten bleiben solle, mit „Ja“ geantwortet. Dieses erstaunliche Ergebnis und zahlreiche Negativ-Kommentare haben schließlich die Redaktion dazu veranlasst, genauer zu recherchieren. Dabei fiel den Machern eine Rundmail in die Hände, die laut der ARD durch den Bereichsleiter Versicherungen des Unternehmens „Jung, DMS & Cie“ versandt worden war. Die Firma ist einer der größten Versicherungsmaklerpools in Deutschland. In der massenhaft versendeten Mail wurden Deutschlandweit Versicherungsmakler (rund 10.000) dazu aufgefordert, an der Abstimmung teilzunehmen. Anlass der Abstimmung ist ein Thema der Panorama-Sendung: “Private Krankenversicherung: Abkassiert und allein gelassen”. In der Sendung wurde u.a. berichtet, dass ältere Privatversicherte oftmals ihre Beiträge nicht mehr zahlen können, weil diese immer höher werden.

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Gegen den Vorwurf der Manipulation wehrt sich das Unternehmen. Man habe lediglich “im Sinne einer repräsentativen Umfrage (…) gerne dazu beigetragen, dass eine möglichst große Anzahl” an der Umfrage teilnimmt, wie es hieß.

Einen ähnlichen Aufruf startete auch der Versicherungskonzern „Signal Iduna“. In einer „Eilmeldung“ wurden die Empfänger des „Krankenversicherungs-Newsletters“ dazu aufgerufen sich „zu positionieren“ und ebenfalls an der Umfrage teilzunehmen. Schließlich ginge es darum, „jetzt deutlich zu zeigen, dass die PKV ein wesentlicher Baustein des deutschen Gesundheitssystems ist und dass es keine Mehrheiten für die Abschaffung gibt. Nicht einmal in einer Panorama-Umfrage.“

Die Redaktion „Panorama“ zeigte sich auf dem eigenen Blog empört. So schrieben die Redakteure: „So sieht es also aus, das Verständnis von Öffentlichkeit, unabhängiger Berichterstattung und freier Meinungsbildung in einer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft, das man bei der Signal Iduna hat: „Noch nicht einmal“ in einer nicht repräsentativen Online-Umfrage eines Politikmagazins soll, ja darf eine erkennbare Mehrheit gegen die PKV zustande kommen. Stattdessen werden alle Makler und Mitarbeiter dazu aufgefordert, sich manipulativ zu beteiligen – und sogar noch unter Einbindung ihrer Kunden gegen den vermeintlichen „Negativjournalismus“ vorzugehen, – was sie dann ja offenbar auch in stattlicher Anzahl taten.“

Auf Nachfrage verteidigte ein Sprecher des Versicherungskonzerns Signal Iduna das Vorgehen. So sagte ein Pressesprecher: „Unsere Mitarbeiter sind ja auch Bürger und immer interessiert an der öffentlichen Diskussion über die PKV“.

Debeka sieht in Berichterstattung „Anti-PKV-Propaganda“
Unterdessen hat die Debeka die „Negativberichterstattung“ über die PKV zurückgewiesen. So betonte Uwe Laue, Vorstandsvorsitzende der Debeka: "Die Beiträge sinken im Alter tendenziell". Bei der Debeka würden 90jährige nicht mehr zahlen müssen, als 65jährige. Laut des Unternehmens würden etwa 40 Prozent der Beiträge in jungen Versicherungsjahren in die Altersrückstellung fließen. Entsprechende Berichte seien daher „Propaganda“. Der Anbieter hat rund 2,2 Millionen Mitglieder mit einer PKV Vollversicherung. (sb)

Bild: Gerd Altmann/ Gerold Meiners / pixelio.de