Medizin: Nobelpreisträger wird Forscher in Berlin

Alfred Domke

Medizin-Nobelpreisträger wird Gastforscher in Berlin

01.03.2014

Medizin-Nobelpreisträger Thomas Südhof kommt ab Herbst 2014 für drei Jahre als Gastforscher an die Berliner Charité. Der renommierte Hirnforscher von der US-amerikanischen Elite-Universität Stanford wird künftig gemeinsam mit Berliner Neurobiologen forschen.

Medizin-Nobelpreisträger forscht künftig in Berlin
Der Medizin-Nobelpreisträger von 2013, Thomas Südhof (58), kommt ab Herbst 2014 für zunächst drei Jahre als Gastwissenschaftler („Visiting Fellow“) nach Berlin. Dies gaben am Donnerstag das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) und die Stiftung Charité bekannt. Der Professor für Zellphysiologievon der Stanford Universität in Kalifornien unterstützt künftig eine Arbeitsgruppe am Campus der Charité und wird zwischen Berlin und Stanford pendeln, um auch seine dortigen Aktivitäten zu koordinieren. Der renommierte Hirnforscher hatte die letzten gut 30 Jahre mit einer kurzen Unterbrechung in den USA geforscht.

150.000 Euro pro Jahr
Ab Herbst wird der Nobelpreisträger in Berlin eng mit dem Charité-Hirnforscher Christian Rosenmund zusammenarbeiten. Die beiden Wissenschaftler kennen sich bereits seit 17 Jahren und haben sich oft ausgetauscht, vor allem auch während Rosenmund in den USA forschte. Für sein Engagement erhält der gebürtige Göttinger Südhof 150.000 Euro pro Jahr. Beide Seiten halten sich eine Verlängerung des Aufenthalts in der Hauptstadt um weitere drei Jahre oder gar einen dauerhaften Verbleib des Spitzenforschers offen.

Genetische Grundlagen von Autismus erforschen
Professor Christian Rosenmund erklärte, woran geforscht werden soll: „Wir wollen in unserer Arbeit herausfinden, wie die Kontaktstellen der Gehirnzellen, die Synapsen, funktionieren. Für Südhof ist das hier eine interessante Landschaft von Forschern, die alle mit Synapsen arbeiten.“ Verbunden werden soll "diese Aufgabenstellung mit dem Thema Autismus und der Frage, welche genetischen Grundlagen diese Entwicklungsstörung hat".

Großer Gewinn für die deutsche Gesundheitsforschung
Südhof hatte den Medizin-Nobelpreis im Dezember 2013 zusammen mit zwei US-amerikanischen Kollegen erhalten. Die Wissenschaftler erforschten den menschlichen Vesikelverkehr, also den Transport innerhalb von Zellen. Störungen in diesem System können zu Diabetes oder neurologischen Erkrankungen führen. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka äußerte sich positiv über die Berufung des Nobelpreisträgers: „Professor Südhof ist ein großer Gewinn für die Gesundheitsforschung in Deutschland.“ Und der BIG-Vorstandsvorsitzende Professor Ernst Rietschel meinte: „Das macht uns am BIG Mut, dass es für solche Personen attraktiv ist, nach Berlin zu kommen.“ Thomas Christian Südhof (* 22. Dezember 1955 in Göttingen) ist zwar deutschstämmig aber hat die US-Staatsangehörigkeit. Er arbeitete bislang als Biochemiker und erforscht Synapsen, den zentralen Schaltstellen des menschlichen Nervensystems. (ad)

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