Mineralwasser schlechter als Leitungswasser

Fabian Peters

Qualität von Leitungswasser besser als bei stillem Mineralwasser

30.06.2012

Leitungswasser wird anscheinend oft unbegründet als minderwertig angesehen. Die Stiftung Warentest hat die Qualität von stillem Mineralwasser untersucht und dabei festgestellt, dass diese meist nicht höher liegt als bei Leitungswasser. Ein Großteil der untersuchten stillen Mineralwasser wies laut Aussage der Tester einen zu niedrigen Mineralstoffgehalt auf. Viele Flaschen enthielten außerdem Keimbelastungen, die für immungeschwächte Personen und Kleinkindern zum Problem werden können.

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Leitungswasser ist den Ergebnissen der Stiftung Warentest zufolge im Schnitt qualitativ deutlich hochwertiger als stilles Mineralwasser. Insbesondere der geringe Mineralstoff-Gehalt des stillen Mineralwassers bot den Testern Anlass zur Kritik. Dieser reiche nicht aus, um den Mineralstoffverlust beim Sport auszugleichen. Lediglich eines der getesteten stillen Mineralwasser verfüge über einen Mineralstoffgehalt, der einen erwähnenswerten Beitrag zur Versorgung der Knochen mit Kalzium und der Muskeln mit Magnesium leisten könne. „Einige stille Mineralwässer enthalten so wenig Mineralstoffe, dass es besser und vor allem billiger ist, Leitungswasser zu trinken“, so das Fazit der Stiftung Warentest.

Viele stille Mineralwasser als Durstlöscher nach dem Sport ungeeignet
Die Stiftung Warentest hat 29 stille Mineralwasser, 14 von Herstellermarken und 15 Eigenmarken von Discountern, einer intensiven Prüfung unterzogen. Die Preispanne der getesteten Produkte lag zwischen 13 Cent und mehr als 50 Cent je Liter. Unabhängig vom Preis seien bei den stillen Mineralwässern erhebliche Defizit in Bezug auf den Mineralstoffgehalt festzustellen gewesen, berichtet die Stiftung Warentest. Vor allem der geringe Natrium-Gehalt viel bei fast allen Produkten auf. 24 der 29 untersuchten stillen Mineralwasser enthielten nur sehr wenig Natrium, wobei einige Hersteller dieses Manko jedoch als zusätzliches Verkaufsargument nutzen und mit dem Aufdruck „natriumarm“ Kunden locken, die Schwierigkeiten mit ihrem Blutdruck haben. Denn bei Bluthochdruck müssen Betroffen besonders auf ihre Natrium-Aufnahme achten. Da beim Schwitzen jedoch viel Natrium ausgeschieden wird, sollte ein angemessener Durstlöscher für Sportler in jedem Fall ausreichende Mengen dieses wichtigen Mineralstoffs enthalten.

Keine rechtlichen Vorgaben zum Mineralstoffgehalt im Mineralwasser
Der niedrige Mineralstoffgehalt des stillen Mineralwassers steht dessen wachsender Beliebtheit offenbar nicht entgegen. Die Verkaufszahlen sind laut Stiftung Warentest im Jahr 2011 um 14 Prozent gestiegen und stille Mineralwasser entwickeln sich immer mehr zum Trendgetränk. Die Bezeichnung „Mineralwasser“ ist dabei jedoch keinesfalls ein Hinweis auf die Inhaltsstoffe. Denn seit die EU festgelegt hat, dass Mineralwasser keinen hohen Mineralstoffgehalt aufweisen muss, kommen immer mehr Produkte auf den Markt, die nur noch verschwindend geringe Mengen der Mineralstoffe enthalten. Zuvor war dies in Deutschland durch entsprechende rechtliche Vorgaben zum Mindestgehalt der Mineralstoffe im Mineralwasser unterbunden.

Keimbelastung des Mineralwassers
Neben dem Niedrigen Mineralstoffgehalt des stillen Mineralwasser boten jedoch auch andere Punkte den Testern Anlass zur Kritik. So enthielt mehr als ein Drittel der getesteten stillen Mineralwasser enthielt Keimbelastungen, die bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr und bei Babys zu gesundheitlich Beschwerden führen könnten. Zwar seien keine geltenden Grenzwert überschritten worden, doch im Zweifelsfall sollte das Wasser lieber abgekocht werden, um jegliche Gesundheitsrisiken zu vermeiden, berichtet die Stiftung Warentest.

Die Experten haben das stille Mineralwasser außerdem auf Rückstände der Plastikflaschen untersucht, in denen es verkauft wird. Allerdings ist die entsprechende Belastung mit Acetaldehyd laut Angaben der Stiftung Warentest im Vergleich zu früheren Untersuchungen rückläufig. Lediglich sechs der untersuchten stillen Mineralwasser enthielten demnach noch Rückstände Acetaldehyd. (fp)