Mit Lavendelöl gegen Hautpilz

Fabian Peters

Neue Behandlung von Hautpilz

Mit Lavendelöl gegen Hautpilz

15.02.2011

Lavendelöl hilft bei der Behandlung von Hautpilz. Portugiesische Wissenschaftler der Universität in Coimbra haben herausgefunden, dass die aus Lavendel gewonnenen ätherischen Öle auch gegen notorische, schwer zu behandelnde Hautpilzerkrankungen wirken.

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Lavendelöl tötet bereits in geringen Konzentrationen verschiedene Hefe- und Fadenpilze ab, welche beim Menschen als Ursache für eine Vielzahl von Haut- und Nagelpilzerkrankungen gelten. Die portugiesischen Forscher hatten im Rahmen ihrer Studie die antimikrobielle Wirkung des Lavendelöls bei der der Bekämpfung von Pilzinfektionen untersucht. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten Lígia Salgueiro und Kollegen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Medical Microbiology“.

Hautpilz trifft meist Menschen mit geschwächtem Immunsystem
Pilzerkrankungen seien in den vergangenen Jahren deutlich vermehrt aufgetreten, „besonders bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem“, erklärte Lígia Salgueiro, eine der Studienleiterinnen. „Unglücklicherweise steigen auch die Resistenzen gegen Medikamente, die diese Pilze bekämpfen“, unterstrich die Expertin den aktuellen Forschungsanlass. Ihre Untersuchungen haben ergeben, „dass ätherische Öle (bei der Behandlung von Pilzerkrankungen) eine günstige und effiziente Alternative mit minimalen Nebeneffekten sein können“, betonte Lígia Salgueiro. Auch Hautpilzerkrankungen, die bisher besonders schwierig zu bekämpfen waren, ließen sich mit Hilfe des Lavendelöls erfolgreich therapieren, so die Hoffnung der portugiesischen Wissenschaftler.

Ätherische Öle zur Behandlung von Hautpilz
Im Rahmen ihrer Studie hatten die Forscher der Universität von Coimbra die Wirkung des Lavendelöls auf Hefepilze der Gattung Candida sowie Schimmel- und Fadenpilze getestet. Die Wissenschaftler destillierten die ätherischen Öle aus luftgetrocknetem grünen Lavendel (Lavandula viridis), der in Portugal weit verbreitet ist. Dabei identifizierten die Forscher 51 verschiedene Bestandteile, wobei insbesondere 1,8-Cineol, alpha-Pinen, Linalool und Kampfer (Campher) für die weiteren Untersuchungen interessant waren. Anschließend analysierten die Wissenschaftler, in welcher Konzentration die gewonnenen ätherischen Öle zur Hemmung oder Abtötung der oben genannten Pilze geeignet waren. Dabei wurde sowohl das Lavendelöl insgesamt als auch die Wirkung der einzelnen Bestandteile getestet, erläuterten Lígia Salgueiro und Kollegen.

Lavendelöl: Potentes Mittel gegen Hautpilz
Die Wirkung des Lavendelöls sei bei den Schimmelpilzen der Gattung Cryptococcus neoformans und diversen Hefepilze der Gattung Candida am deutlichsten gewesen, betonten die portugiesischen Forscher. Bei der Bekämpfung des sogenannten Gießkannenschimmels (Aspergillus) waren die ätherischen Öle hingegen weniger effektiv, so Lígia Salgueiro bei der Veröffentlichung ihrer Studienergebnisse. Bei der Untersuchung der Wirkung der einzelnen Bestandteile des Lavendelöls, haben sich alpha-Pinen als besonders gut zur Pilzbekämpfung geeignet herausgestellt, erklärten die portugiesischen Forscher weiter. Insgesamt habe sich Lavendelöl als potentes Mittel gegen viele Pilze erwiesen. Allerdings ist nach Aussage der Forscher bei ätherischen Ölen natürlichen Ursprungs häufig nicht ein bestimmter Bestandteil alleine sondern die Kombination der Stoffe für die Wirkung verantwortlich. Außerdem sei im Rahmen ihrer Untersuchung die hemmende und die tödliche Wirkung des Lavendelöls häufig bei der gleichen Konzentration aufgetreten, was die Vermutung nahe lege, dass die ätherischen Öle die Zellwände und die Hüllen der kleinen Organellen im Zellinneren zerstören, erklärten die portugiesischen Wissenschaftler. Um ihre Forschungsergebnisse in die Praxis zu übertragen und den klinischen Einsatz des Lavendelöls zu ermöglichen, sollen nun weitere Studien folgen, schreiben die Wissenschaftler im Rahmen ihrer Veröffentlichung.

Hautpilzerkrankungen: Schwer zu behandeln und relativ weit verbreitet
Hautpilzerkrankungen (Dermatomykosen) sind relativ weit verbreitete und können die verschiedensten Formen annehmen. Zu den häufigsten Hautpilzkrankheiten zählt der sogenannte Fußpilz, welcher sich vor allem bei Feuchtigkeit am Boden (zum Beispiel in Schwimmbädern oder öffentlichen Duschen) überträgt und in seiner Entstehung durch ein feuchtes Umfeld begünstigt wird. Auch verschwitzte Schuhe bieten hier eine gute Möglichkeit für den Fußpilz sich auszubreiten. Weitere relativ verbreitete Formen der Dermatomykose sind vaginale Pilzinfektionen, Hautpilzerkrankungen in Hautfalten der Leistenregion oder Pilzerkrankungen auf der Kopfhaut. Teilweise treten auch Hautpilzerkrankungen auf, die sich großflächig über den ganzen Körper erstrecken. Die Erkrankungen an sich werden dabei meist durch andere Pilze verursacht, die sich auf der Haut oder den Schleimhäuten der Betroffenen verbreiten. So wird zum Beispiel Fußpilz meist durch Fadenpilze hervorgerufen, die sich vom Keratin der oberen Hautschicht oder der Nägel ernähren. Pilzinfektionen der Schleimhäute gehen indes häufig auf Hefepilze der Gattung Candida zurück. Sobald die Pilze in den Blutkreislauf gelangen, können sie innere Organe befallen und sind mit herkömmlichen medizinischen Mitteln nur noch schwer zu behandeln. Für die Betroffenen kann eine entsprechende Infektion lebensbedrohliche Folgen haben, wobei nach Aussage der Experten vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel chronisch Kranke oder Personen, die eine Transplantation hinter sich haben, besonders gefährdet sind.

Symptome einer Hautpilzerkrankung
Die Symptome einer Hautpilzerkrankung sind im wesentlichen geprägt durch (stark) juckende, leicht gerötete und schuppende Hautareale bei nässender Bläschenbildung. Experten raten, trotz des erheblichen Juckreizes nicht zu kratzen, da sonst die Übertragungsgefahr steige (Pilzsporen gelangen über die Finger auf andere Körperbereiche) und kleine Wunden und Hautrisse entstehen, die es dem Pilz ermöglichen, auch tiefer gelegene Hautschichten zu befallen, wodurch die Heilungschancen erheblich reduziert würden. Wer entsprechende Symptome bei sich entdeckt, sollte einen Hautarzt konsultieren, um eine adäquate Behandlung zu gewährleisten. Doch können sich Pilzinfektionen generell als äußerst hartnäckig erweisen, so dass auch der Hautarzt – trotz konsequenter und gründlicher Behandlung mit nachweislich wirksamen Antimykotika – teilweise nur eingeschränkte Erfolge erzielen kann. Hier bietet der neue Ansatz der Pilzbekämpfung mit ätherischen Ölen sicher eine gute Ergänzung zu den herkömmlichen Behandlungsmethoden, die darüber hinaus auf rein natürlichen Substanzen beruht. (fp)

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Bild: knipseline /pixelio.de