Modediagnosen: Depression ist nicht gleich Burnout

Alfred Domke

Stress, Burnout und Depression: Modediagnosen: Depression nicht mit Burnout verwechseln

06.07.2013

Burnout! Bei diesem Ergebnis landen viele stressgeplagte Menschen, die in Zeitschriften oder im Internet Psychotests zum Thema Überlastung machen. Bei manchen Patienten, die ihren Therapeuten erzählen, sie leiden an an einem Burnout, könne aber auch eine Depression zugrunde liegen.

Burnout hört sich besser an als Depression
Ob die Diagnose Burnout bei vielen stressgeplagten Menschen auch wirklich immer richtig ist, bezweifeln Experten. Vor einer Vermischung der Erscheinungsformen Stress, Depressionen und Burnout warnt der Psychiater und Psychotherapeut Hans Joachim Thimm. Patienten würden ihren Therapeuten eher sagen, sie hätten Burnout, als eine Depression. „Das hört sich besser an, führt aber dazu, dass Patienten nicht immer richtig behandelt werden", so Thimm am Rande der Tagung „Modediagnosen in der Psychiatrie" am Freitag im sauerländischen Hemer. Die Tagung beschäftigte sich mit verschiedenen Themen, unter anderem auch mit der Suchtgefahr durch Onlinespiele und Cybersex.

Burnout kann sich zur Depression entwickeln
Bei Burnout, Stress und Depression handelt es sich unterschiedliche Erscheinungsformen. Laut Thimm könne sich Burnout jedoch durchaus zu einer Depression weiterentwickeln. Bei Depression komme es zu absoluter Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung oder Anteilnahmslosigkeit. „Da können Sie nicht einmal einen Scherz in der Gegenwart der Betroffenen wagen", so der Leitende Oberarzt der Allgemeinen Psychiatrie der Dortmunder Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Thimm. So eine Diagnose wollten manche Patienten nicht wahrhaben.

Nicht immer eindeutig diagnostizierbar
Laut Schätzungen der Krankenkassen gibt ein Viertel bis ein Drittel der Deutschen an, unter dem Gefühl, ausgebrannt zu sein, zu leiden. Ob in jedem Fall tatsächlich ein Burnout dahintersteckt, ist nicht immer eindeutig diagnostizierbar, denn die Symptome sind sehr diffus. Gregor Peikert , Psychotherapeut vom Universitätsklinikum Jena, erklärte im letzten Jahr, dass der Begriff „Burnout“ aus dem Bereich der Arbeitspsychologie stamme und darunter die Folgen einer übermäßigen Belastung durch den Job zu verstehen seien.

Auch ein Problem des Betriebs
Thimm meinte: „Burnout ist häufig eine Folge einer Gratifikationskrise im Job. Es geht nicht allein um Geld. Es geht um Anerkennung und um einen sicheren Arbeitsplatz. Verausgabung und Belohnung müssen sich die Waage halten.“ Er teilt die Betroffenen in drei Gruppen: Bei der einen bestehe ein übersteigertes Anspruchsniveau und eine hohe Neigung, sich zu verausgaben. Andere wiederum entscheiden für sich, ein unfaires Arbeitsverhältnis zumindest zeitweise zu akzeptieren. Und die Menschen der dritten Gruppe sind vom Job abhängig und arbeiten lieber zu unfairen Bedingungen als gar nicht. Allen gemein ist, dass sie von innere Unruhe, Reizbarkeit, Nervosität, Aggressivität und innerer Gespanntheit geplagt sind, sowie müde, matt und abgeschlagen seien. „Burnout ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern immer auch ein Problem des Betriebs."

„Ich bin leer“
Im Sinne der Diagnosekriterien der Weltgesundheitsorganisation könne das Syndrom nicht einmal als Hauptdiagnose verschlüsselt werden. Die Zusatzdiagnose „Problem mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung" müsse eingetragen werden, um Depression zu kennzeichnen. Dagegen unterliegen diejenigen, die Stresssymptome zeigen, zu hohen Reizen. Der Körper reagiere darauf. Dabei wird der Mensch geplagt von innerer Unruhe, von Leere und Versagensangst. „Ich bin leer“, sei ein typischer Satz der Betroffenen.

Unterschiedliche Stressfaktoren
Stress kann durch ganz unterschiedliche Faktoren erzeugt werden, unter anderem durch Hitze, Lärm, Konflikte oder Isolation. Darauf reagiere der Körper mit dem dauerhaften Ausstoß von Hormonen, die nicht mehr vollständig abgebaut werden könnten. Mögliche Folgen sind, dass sich unter anderem Herz-Kreislauf-Probleme, Stoffwechselkrankheiten, Sexualstörungen oder Magengeschwüre entwickeln könnten. (ad)

Bild: Jorma Bork / pixelio.de