Innere Unruhe

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Innere Unruhe & Nervosität

Wer kennt sie nicht, die innere Unruhe, die uns nach einem schwerwiegenden Streit, während einer tiefgreifenden Veränderung oder vor einer wichtigen Prüfung zeitweise begleitet? Doch erst, wenn die innere Unruhe andauernd bestehen bleibt, kann sie zu weiteren psychischen und körperlichen Symptomen führen, die v.a. durch eine Dysbalance des vegetativen Nervensystems verursacht werden. Frauen scheinen für innere Unruhe besonders anfällig zu sein und mancher Vertreter der Naturheilkunde kann die Veranlagung für „schwache Nerven“ in den Augen lesen.

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Innere Unruhe als Symptom

Innere Unruhe wird von den Betroffenen recht unterschiedlich empfunden und ist in der Regel von weiteren Symptomen begleitet. So wird die Unruhe im Inneren häufig zusammen mit Empfindungen von Nervosität, Herzrasen sowie ständigem Gehetzt- und Getriebensein beschrieben. Innere Unruhe scheint dem Gefühl von Angst so nahe zu kommen, dass die beiden Zustände teilweise schwer voneinander abzugrenzen sind. Auf geistiger Ebene geht innere Unruhe mit Konzentrationsstörungen einher, mit „ständig kreisenden Gedanken“ sowie der Unfähigkeit „abzuschalten“. Abends setzen Unruhe und Nervosität sich vielfach als Schlafstörungen fort, die ihrerseits zu Müdigkeit und Erschöpfung am nächsten Tag führen. Körperliche Beschwerden können Rückenschmerzen, übermäßiges Schwitzen, Appetitlosigkeit, Magenschmerzen und weitere Verdauungsstörungen sein, bei Männern kann es zu Erektionsproblemen kommen.

Die Schilddrüse könnte eine Ursache sein, weshalb diese ärztlich untersucht werden sollte. (Bild: Henri/fotolia)
Die Schilddrüse könnte eine Ursache der Inneren Unruhe sein, weshalb diese ärztlich untersucht werden sollte. (Bild: Henrie/fotolia)

Ursachen

Ein inneres Unruhegefühl betrifft Menschen beiderlei Geschlechts, am häufigsten sind jedoch Frauen betroffen. Dies wird zum einen auf hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren zurückgeführt, die ursächlich sein können, zum anderen aber auch auf die andauernd doppelte Belastung mit Familie und Beruf. Ständige Spannungen in der Partnerschaft oder Mobbing am Arbeitsplatz sind ebenfalls typische Situationen, die einen Menschen in Dauerstress versetzen können.

Obgleich einige Erkrankungen bzw. Funktionsstörungen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Nikotinsucht und akuter Herzinfarkt) bekannt sind, die innere Unruhe mit sich bringen, ist es doch in den meisten Fällen die Kombination ungünstiger äußerer Umstände mit einem Mangel an inneren Bewältigungsmechanismen, die unser vegetatives Nervensystem aus dem Gleichgewicht bringt.

Störungen im Nervensystem

Das vegetative Nervensystem kann als Schnittstelle zwischen Physis und Psyche verstanden werden. Über seine Strukturen wird seelisches Erleben körperlich erfahrbar gemacht, indem glatte Muskulatur, Herzmuskel und Drüsen in eine bestimmte Richtung gesteuert werden. Dazu stehen dem vegetativen Nervensystem zwei gegensätzlich funktionierende Steuerungsmechanismen in Form von Nervenleitungssystemen zur Verfügung, die sich in ihrer Wirkung gegenseitig ergänzen. Während der Parasympathikus vor allem bei inneren Körperfunktionen wie Drüsensekretion, Ruhemodus und Verdauungsarbeit dominiert, wird der Sympathikus durch äußere Ereignisse, Arbeit und Stress angeregt. Weil beide Anteile nie gleichzeitig erregt werden können, ist eine ausgeglichene Zusammenarbeit notwendig, um gesunde Körperfunktionen zu gewährleisten.

Weil durch ständiges Empfinden von Druck, Gehetzt- und Getriebensein die Erregung des Sympathikus überwiegt, erklären sich auch die beschriebenen Körpersymptome, die aufgrund einer (sympathisch veranlassten) Zunahme der Herzschlagsrate, der Verminderung von Magen- und Darmbewegungen und Sekretion der Verdauungssäften und einer verhinderten männlichen Erektion zustande kommen.

Naturheilkunde: Innere Unruhe und Konstitution

In der Augendiagnostik, einem klassischen Bereich der Naturheilkunde, geht man davon aus, dass ca. 20% der blauäugigen Menschen die Veranlagung zu einer nervalen Schwäche besitzen, welche u.a. an einer sehr feinen Faserung des Irisstromas zu erkennen ist. Menschen mit dieser sog. neurogenen Konstitution sollen der Erfahrung nach in höherem Maße anfällig sein für nervöse Symptome wie innere Unruhe. Verstärkt wird die Neigung zur Überforderung danach durch einen korallroten Ring (Asthenikerring), der sich um die Pupille säumt und mit Lupe oder Irismikroskop zu erkennen ist. Schließlich ist bereits mit bloßem Auge die Großpupille sichtbar, die eine Dominanz des Sympathikus verrät. Menschen dieser Konstitution wird empfohlen, ihre Kräfte sorgsam einzuteilen und beispielsweise mit Mineralstoffen nach Schüßler zu unterstützen, wobei sich Kalium phosphoricum, Calcium phosphoricum und Magnesium phosphoricum zur Nervenstärkung bewährt haben. Bachblütenessenzen, z.B. aus weißer Kastanie, Kirschpflaume oder Ulme können helfen, geistige Klarheit, innere Ruhe, neuen Mut und Antrieb zu entwickeln. Es ist weiterhin ratsam, sich kleine Ruheoasen und Entspannungsmöglichkeiten im Alltag zu schaffen, Freunde zu treffen, zu meditieren, Yoga oder Autogenes Training zu üben.

Zur Bewältigung von familiären Schwierigkeiten und ungünstiger Verhaltensmuster eignen sich die systemische Familien- und Paarberatung, während innere Konflikte wunderbar mit selbstorganisatorischer Hypnose aufzudecken und aufzulösen sind. Gleichzeitig können dabei Wege und Möglichkeiten zu einem schonenderen Umgang mit sich und anderen angebahnt werden.

Es ist es vor allem die Osteopathie, die sich auf manueller Ebene mit dem vegetativen Nervensystem auseinandersetzt. Der Hauptnerv des parasympathischen Systems ist der Vagus- Nerv. Zu seiner Aktivierung arbeitet man in der Osteopathie vor allem mit Techniken der kraniosakralen Osteopathie am Kopf. So sollen nach den Theorien der Osteopathie Verbidnungen zwischen der Muskeulatur am Hinterkopf und diesem Nerven bestehen. Entspannt sich die Muskulatur, wird der Vagus- Nerv und somit das parasympathische System nach dem Modell der Osteopathie aktiviert und Betroffene kommen wieder in einen Zustand der Entspannung. In der kraniosakralen Osteopathie wird auch ein Rhythmus gespürt, der der Primär Respiratorische Rhythmus (PRM) genannt wird. Auch er soll den Körperrhythmus wieder harmonisieren und ins Gleichgewicht bringen.

In strukturellen osteopathischen Ansätzen wird auch nach Rippen- oder Brustwirbelsäulenblockaden geschaut. Unter den Rippenköpfchen sitzen die Umschaltungen für die sympathischen Nervenleitungen und sie hofft man durch eine Wechselwirkung mit dem entspannten Gewebe zu einer geregelten Funktion bewegen zu können.

Ähnlich geht man im Rolfing vor. Das Rolfing ist eine tiefe Bindegewebsarbeit, die neben der Statik und den Spannungsmustern im Körper auch die emotionale Ebene betrachtet und sich deswegen auch bei einer funktionellen Symptomatik mit innerer Unruhe als therapeutischer Ansatz anbietet. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktikerin)