Neue Studien: Verursacht Mobiltelefon-Strahlung doch tödliche Gehirntumore?

Alexander Stindt

Wie wirken sich Mobiltelefone auf Gehirntumore aus?

Es gibt schon seit längerer Zeit immer wieder Diskussionen darüber, ob Mobiltelefone das Risiko für Gehirntumore verstärken. Nun wurdne Beweise dafür vorgelegt, dass sich die Rate eines malignen Tumortyps in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt hat. Diese Feststellung verstärkt die Diskussionen über das Gesundheitsrisiko, welches von Mobiltelefonen ausgehen könnte.


Die Wissenschaftler der Physicians’ Health Initiative for Radiation and Environment (PHIRE) stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass sich die Rate eines malignen Tumortyps in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt hat. Dies wirft die Frage auf, ob die Nutzung von Mobiltelefonen zu Gehirntumoren führen kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Journal of Public Health and Environment“.

Führt die Nutzung von Handys zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Gehirntumoren? (Bild: pathdoc/fotolia.com)

Studie löst Kontroversen aus

Wohltätigkeitsorganisationen und Wissenschaftler haben die Regierungen dazu aufgefordert, Warnungen über die Gefahren der Strahlung von Mobiltelefonen zu beachten, nachdem die aktuelle Analyse einen wahrhaft alarmierenden Trend bei Krebserkrankungen aufgedeckt hat. Die Studie löste auch Kontroversen unter Wissenschaftlern aus. Einige Experten waren der Meinung, dass die Gehirntumore durch andere Faktoren verursacht worden sein könnten.

Starker Anstieg bei Fällen von Glioblastoma Multiforme

Das Forschungsteam begann, den Anstieg eines aggressiven und oft tödlichen Gehirntumors, der als Glioblastom (Glioblastoma Multiforme) bekannt ist, genauer zu untersuchen. Dafür analysierten die Experten bei ihrer Studie innerhalb von 21 Jahren insgesamt 79.241 maligne Gehirntumore. So konnten sie feststellen, dass Fälle dieses Gehirntumors in England stark zugenommen haben. Im Jahr 1995 gab es noch etwa 1.250 Erkrankungen pro Jahr, mittlerweile sind es knapp 3.000 Fälle pro Jahr, sagen die Mediziner.

Rate von Tumoren im Temporallappen nimmt stark zu

Die Studie ist die erste neuere Forschungsarbeit dieser Art, welche die Inzidenz von verschiedenen Arten bösartiger Tumoren im Detail analysiert. Die Mediziner erklärten zu den Ergebnissen der Studie, dass der starke Anstieg der Erkrankungen an diesen Gehirntumoren bisher durch den allgemeinen Rückgang der Inzidenz anderer Hirntumor-Typen überdeckt worden sei. Die zunehmende Rate von Tumoren im sogenannten Temporallappen (vorderen Schläfenlappen) lässt den Verdacht aufkommen, dass die Verwendung von Mobiltelefonen und schnurlosen Telefonen Gliome fördern könnte, erläutern die Experten.

Verschiedene Studien ergaben widersprüchliche Ergebnisse

Die festgestellten Ergebnisse zeigen, dass die Mechanismen, die hinter diesen Krebs-Trends stehen, genauer untersucht werden müssen, anstatt den Kausalzusammenhang bei nachweisbaren Faktoren zu verschleiern, erklären die Forscher. Im Jahr 2015 kam ein wissenschaftlicher Ausschuss zu dem Schluss, dass die epidemiologischen Studien zur Exposition hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung bei Mobiltelefonen insgesamt kein erhöhtes Risiko für Hirntumore oder andere Formen von Krebs der Kopf- und Halsregion beweisen. Allerdings gab es im vergangenen Jahr auch eine Studie, welche ergeben hat, dass die Nutzung von Mobiltelefonen und schnurlosen Telefonen das Risiko für Gehirntumore verdreifacht, obwohl dies es im Widerspruch zu anderen ähnlichen Untersuchungen stand. Laut Cancer Research UK ist es unwahrscheinlich, dass Mobiltelefone das Risiko von Hirntumoren erhöhen, aber es gebe nicht genug Informationen, um solch ein Risiko vollständig auszuschließen.

Weitere Untersuchungen sind nötig

Die Organisation warnt zudem davor, dass Mobiltelefone eine relativ neue Erfindung seien und es noch viele Jahre dauern könne, bis ausreichend Daten gesammelt und ausgewertet wurden, um belastbarere Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Zunahme der Fälle von Hirntumoren weist auf etwas hin, was es wert sein könnte weiter untersucht zu werden, sagen die Experten. Verschiedene Studien in anderen Teilen der Welt haben ähnliche Zunahmen bei Fällen von Gehirntumoren festgestellt, erläutern die Mediziner.

Diese Faktoren könnten ebenfalls den Anstieg bewirken

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die aktuelle Untersuchung keine neuen Daten über mögliche Ursachen für den Anstieg der Krebsfälle analysiert hat. Auch listet die neue Studie weitere kausale Faktoren neben der Mobiltelefonnutzung auf, welche den Trend von zunehmenden Gehirntumoren erklären könnten, einschließlich Röntgenstrahlung, CT-Scans und den Folgen von Atombombentests in der Atmosphäre, fügen die Autoren hinzu. (as)