Oft Lymphödem nach Krebstherapie

Heilpraxisnet

Die Krankheit nach dem Krebs: Lymphödem durch Krebstherapie

17.12.2014

Im Anschluss an einen operativen Eingriff droht ein Lymphödem, bei dem sich Flüssigkeit in Armen und Beinen ansammelt. Ohne Behandlung drohen dauerhafte Schädigungen. Typische Symptome für ein solches Ödem sind Schwellungen der Arme und Dicke Beine im Anschluss an eine Krebsoperation. „Das ist eine krankhafte Veränderung, bei der sich Lymphflüssigkeit im Gewebe und in den Gewebezwischenräumen anstaut, weil der Lymphabfluss gestört ist", sagt Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Dabei tritt das sekundäre Lymphödem in der Regel im Zusammenhang mit Krebserkrankungen- und Therapien auf. Chirurgische Eingriffe an Lymphknoten, Strahlentherapien oder Metastasen können Abflusswege der Lymphe stören. Betroffen sind vor allem die Gliedmaßen, nach Brustkrebsoperationen etwa die Arme, oder im Anschluss an eine Prostatakrebsoperation die Beine.

Brustkrebspatientinnen sind häufig betroffen
Ca. ein Drittel aller Brustkrebspatientinnen sind vom sekundären Lymphödem betroffen. Zwar sei die Zahl der Betroffenen insgesamt gesunken, weil die operativen Eingriffe heutzutage schonender durchgeführt werden. Dabei treten die ersten Symptome für gewöhnlich erst Wochen oder Monate nach dem Eingriff auf. "Das kann auch nach 15 oder 20 Jahren noch passieren", erklärt Oliver Rick, Sprecher der Arbeitsgruppe Onkologische Rehabilitation der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

Problematisch sind die sekundären Ödeme deshalb, weil sie sich nicht von selber zurückbilden, sondern stetig verschlimmern: Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe produzieren sogenanntes Proteoglykan. Dieses ist in der Lage große Mengen Flüssigkeit zu speichern. Bei einem gestörten Lymphabfluss kommt es jedoch zu Problemen: "Das Proteoglykan lagert sich als schwammartige Masse ab", so Manuel E. Cornely, Chefarzt der CG Lympha Praxisklinik für Operative Lymphologie in Köln. Außerdem werde immer mehr Proteoglykan gebildet.

Behandlung zwingend notwendig
Ohne Behandlung kann es zu dauerhaften Gewebeveränderungen kommen und der betroffene Körperteil schwillt dauerhaft an. Zudem kommt es zu einer Verhärtung der Schwellung: "Das ist dann ein Stadium, das mit den verfügbaren Therapien schwer oder gar nicht mehr zu beseitigen ist", so Rick. In der Folge können Arme und Beine an Beweglichkeit verlieren und versteifen, die Betroffenen werden evtl. berufsunfähig oder sind auf Pflege angewiesen. Dazu kommen noch psychische Probleme infolge der körperlichen Beeinträchtigungen. Deshalb sollten Betroffene bei den ersten Anzeichen unbedingt zeitnah einen Arzt aufsuchen, der sie untersucht.

Als Behandlungsmethoden kommt eigentlich nur die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) in Frage. "Das ist ein umfassendes Therapieprogramm aus mehreren Komponenten", sagt Rick. Die Therapie arbeitet zweigleisig, einerseits mit einer Lymphdrainage und andererseits mit Kompressionsstrümpfen und Bandagen. Damit sollen Gewebeveränderungen verhindert werden.

Dabei muss anfangs zunächst über die Lymphdrainage die Flüssigkeit abgeleitet werden, im Anschluss sollen dann Bandagen und Stützstrümpfe eine erneute Bildung eines Ödems verhindern. Eine enge Zusammenarbeit von Ärzten, Therapeuten und der Kompressionsbekleidungshersteller ist dabei sehr wichtig. "Ein gut funktionierendes Netzwerk ist Voraussetzung, dass die Behandlung auch ambulant gut laufen kann", sagt Rick. Andernfalls müsse die Behandlung stationär ausgeführt werden.

Dauerhafte Therapie meist unumgänglich
Für gewöhnlich erfordert ein Lymphödem eine lebenslange Behandlung. "Das bedeutet ein lebenslanges Tragen der Kompressionsbestrumpfung, manchmal ergänzt durch eine Erhaltungslymphdrainage", sagt Rick. "Wenn man die Therapievorgaben nicht beachtet, kann man schnell an den Punkt kommen, ab dem die Schädigungen irreversibel sind."

Haben sich erst dauerhafte Veränderungen der Lymphgefäße ergeben, helfen Operationen in der Regel nicht mehr. Dann kommt eine Absaugung des Proteoglykan-Gewebes in Betracht. "Wir können dem Kreislauf der vermehrten Flüssigkeitsansammlung entgegenwirken und damit die notwendigen Lymphdrainagen und Kompressionsbehandlungen deutlich reduzieren", erklärt Cornely. Die Kosten für eine solche Behandlung müssen die Patienten allerdings selbst tragen. Und: "Die wissenschaftliche Datenlage zur Wirksamkeit operativer Verfahren ist bisher dünn", sagt Weg-Remers.

Ergänzend dazu gibt es auch noch naturheilkundliche Behandlungsmethoden. Auch diese erfolgen in zwei Schritten. Dabei wird zunächst versucht, den Lymphfluss anzuregen und abzuleiten. Hierbei werden z.B. Blutegel benutzt. Ihr Einsatz hat sich vor allem im postoperativen Bereich bewährt. Auch der Einsatz Hoch konzentrierter Enzyme ist möglich. Neben der weiteren phytotherapeutischen Behandlung mit blutreinigenden und Lymph ableitenden Pflanzen kommt auch hier die Lymphdrainage zum Einsatz. Weitere Behandlungsmöglichkeiten im manuellen Bereich bieten die Osteopathie, die Fußreflexzonentherapie und Kompressionsbehandlungen.

In einem zweiten Schritt soll durch eine tiefgreifende Therapie die natürliche Regulationsfähigkeit des Körpers wieder hergestellt werden, indem ursächliche Störungen erkannt und behandelt werden. Die naturheilkundliche Diagnose nutzt hierfür konstitutionsorientierte Verfahren wie die Irisdiagnose. Zudem macht sie sich mithilfe der Dunkelfeldmikroskopie ein Bild der (mikrobiellen) Milieubelastung oder spüren Blockaden durch energetische Messungen (z.B. EAV, Bioresonanz, Vegatestung), die sich negativ auf verschiedenste Funktionsabläufe im Körper auswirken können, obwohl aus herkömmlicher Sicht keine direkte kausale Verbindung besteht. Danach folgt dann die individuelle Therapie, die je nach Arbeitsweise des Therapeuten medikamentös, manuell, klassisch ausleitend, physikalisch, ernährungs- und ordnungstherapeutisch oder aber feinstofflich-energetisch ausgerichtet sein kann. (jp)

Bild: Bredehorn.J / pixelio.de