Oftmals Infektionen nach der OP durch arzneimittelresistente Bakterien

Alexander Stindt

Resistente Bakterienstämme können zu tödlichen Infektionen führen

Nach einer Operation kann es zu großen gesundheitlichen Schwierigkeiten kommen, wenn Infektionen an der Stelle der Wunde entstehen. Die Zeit der Genesung dauert deutlich länger und manchmal kann solch eine Infektion sogar zum Tod der Patienten führen. Forscher fanden heraus, dass immer mehr Infektionen nach Operationen auf arzneimittelresistente Bakterien zurückzuführen sind.

Die Wissenschaftler der Universitäten von Birmingham, Edinburgh und Warwick stellten bei ihrer gemeinsamen Untersuchung fest, dass gegen Medikamente resistente Bakterienstämme zu immer mehr Infektionen nach chirurgischen Eingriffen führen. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Lancet Infectious Diseases“.

Bei Operationen kann es zu tödlichen Infektionen kommen, welche nicht durch Antibiotika behandelt werden können, weil die vorhandenen Bakterien bereits resistent gegen Medikamente sind. (Bild: AntonioDiaz/fotolia.com)

In Ländern mit niedrigem Einkommen gibt es mehr resistente Bakterien

Die Mediziner fanden bei ihrer Studie heraus, dass Patienten in Ländern mit einem niedrigeren Einkommen nach einer Operation mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Infektion entwickeln, verglichen mit Patienten in wohlhabenderen Ländern. Dies scheint auf sogenannte arzneimittelresistente Bakterien zurückzuführen sein, welche in Ländern mit einem niedrigeren Einkommen öfter vorkommen. In Ländern mit einem niedrigeren Einkommen gibt es häufig einen erhöhten Einsatz von Antibiotika, welcher dazu führt, dass dort auch mehr Menschen resistenten Bakterien infiziert werden, sagen die Forscher.

Infektionen an Operationswunden können tödlich enden

Die Ergebnisse verdeutlichen einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Antibiotika und auftretenden Infektionen und unterstreichen die Notwendigkeit, chirurgische Infektionen in Ländern mit niedrigem Einkommen zu bekämpfen. Eine Infektion an der Stelle einer Operationswunde ist eine gefährliche Komplikation, welche die Genesungszeiten für Patienten verlängert und tödlich enden kann. Bisher war das Ausmaß dieses Problems in Ländern mit niedrigem Einkommen allerdings noch unbekannt, erläutern die Autoren.

Für die Studie wurden die Daten von mehr als 12.000 Patienten analysiert

Um diesem Problem zu begegnen, untersuchten die Forscher Krankenhausakten aus 66 Ländern mit niedrigem, mittlerem und hohem Einkommen. Diese Akten enthielten die Daten von mehr als 12.000 Patienten, welche sich einer Operation am Verdauungssystem unterzogen hatten.

Ergebnisse zeigten ein 60 Prozent erhöhtes Risiko

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass Patienten in Ländern mit einem niedrigen Einkommen in den Wochen nach einer Operation eine 60 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Infektion aufwiesen, verglichen mit Menschen aus Ländern mit hohem oder mittlerem Einkommen. Wenn Patienten eine Wundinfektion entwickelten, hatten sie ein erhöhtes Risiko zu versterben, auch wenn die Infektion nicht immer unbedingt die Todesursache darstellte. Infizierte Patienten mussten außerdem auch dreimal länger im Krankenhaus bleiben, sagen die Mediziner.

Übermäßiger Einsatz von Antibiotika führt zu großen Problemen

Arzneimittelresistente Bakterien reagieren nicht auf Antibiotika, so dass Infektionen sehr schwer zu behandeln sind. Ihre voranschreitende Verbreitung ist auf einen übermäßigen Einsatz von Antibiotika zurückzuführen und stellt eine dringende globale Herausforderung für die Gesundheitsversorgung dar, erklären die Experten. „Länder mit einem niedrigen Index für die menschliche Entwicklung tragen eine überproportional hohe Belastung für chirurgische Infektionen, verglichen mit Ländern mit einem mittleren oder hohen Index der menschlichen Entwicklung“, erklärt Professor Dion Morton von der Universität Birmingham in einer Pressemitteilung.

Weitere Forschung ist nötig

Angesichts der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Maßnahmen zur Infektionsprävention an Operationsstellen, sind weitere Studien erforderlich, um Maßnahmen zur Verringerung dieser vermeidbaren Komplikation zu bewerten. „Unsere Studie zeigt, dass Länder mit niedrigem Einkommen eine übermäßig hohe Belastung durch Infektionen in Verbindung mit Operationen haben“, erläutert Dr. Ewen Harrison von der Universität Edinburgh. Der Experte fügt hinzu: „Wir haben auch einen möglichen Zusammenhang zwischen diesen Infektionen und der Antibiotikaresistenz identifiziert. Diese ist ein wichtiges Gesundheitsproblem weltweit, und die Verbindung sollte weiter untersucht werden.“ (as)