PKV Beitragserhöhungen von bis zu acht Prozent?

Heilpraxisnet

Müssen sich Versicherte in der Privaten Krankenversicherung auf Beitragserhöhungen einstellen? Durch die weltweite Wirtschaftskrise ist die Zinsentwicklung auf den Märkten massiv eingebrochen. Zehn von den insgesamt 46 privaten Krankenversicherungen haben anscheinend Probleme damit, die Altersrückstellung voll abzusichern. Eine flächendeckende Beitragssteigerung bei der PKV von bis zu acht Prozent könnte zukünftig die Folge sein.

In aller Munde sind die im Zuge der Gesundheitsreform geplanten Beitragssteigerungen und Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen. In diesem Kontext will das Bundesgesundheitsministerium die Zugangsvoraussetzungen für gesetzlich Versicherte in die private Krankenversicherung (PKV) erleichtern. Die Privaten Versicherungsanbieter locken dabei mit einer angeblich finanziellen stabilen Lage. Doch nach Ansicht von Gesundheitsökonomen sind Beitragserhöhungen auch bei der PKV nicht mehr ausgeschlossen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Private Krankenversicherung in Deutschland schwer ins Wanken gebracht. Beitragserhöhungen von bis zu acht Prozent sind nach Ansicht von Experten nicht mehr ausgeschlossen. Zehn von 46 privaten Krankenversicherungen haben laut Medienmeldungen Probleme damit, den versprochenen Zinssatz für die Altersrückstellung einzuhalten.

Die schlechte Zinsentwicklung hat Folgen auf die Altersrückstellung innerhalb der PKV
Auch die Private Krankenversicherung ist dem demografischen Wandel unserer Gesellschaft unterworfen. Die Menschen werden immer älter und im zunehmenden Alter nimmt auch die gesundheitliche Versorgung einen immer höheren Stellenwert für die Menschen ein. Damit steigen unweigerlich die Ausgaben im Gesundheitssystem, für die PKV und die GKV gleichermaßen. Die privaten Krankenversicherungen brüsteten sich allerdings immer damit, sie würden im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen über ein wirtschaftlich orientiertes System verfügen, dass die Versorgung der Versicherten garantiere und hohe Beitragssteigerungen ausschließe. Doch genau dieses System macht der PKV derzeit stark zu schaffen. Durch die Wirtschaftskrise ist die Zinsentwicklung starken Schwankungen unterworfen. Momentan sind die Zinsen auf einen Tiefpunkt angelangt. Hierdurch werden die Bilanzen der PKV massiv in Mitleidenschaft gezogen. Das macht sich vor allem bei der Altersrückstellung bemerkbar. Durch die eingebrochenen Zinsen sind die Versicherer dazu gezwungen einen Anteil der regulären Beiträge zur Altersabsicherung ihrer Kunden zu verwenden. Dadurch soll der Krankenversicherungsschutz für ältere Versicherte in jedem Fall erhalten und bezahlbar bleiben.

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Auf der anderen Seite müssen die Rückstellungen zu einem festgelegten Satz verzinst werden. Die Höchstgrenze des Zinssatzes wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Damit soll verhindert werden, dass die Unternehmen mit spekulativen Zinskalkulationen unredliche PKV Lockangebote unterbreiten können. Der derzeitige Höchstrechnungszins liegt seit längerer Zeit bei 3,5 Prozent. Doch durch die extrem niedrige Zinsentwicklung bekommen die Versicherer derzeit durch sogenannte Staatsanleihen nur noch rund 2,5 Prozent. Und genau hier entsteht die finanzielle Diskrepanz, denn die PKV garantiert ihren Mitgliedern eine Verzinsung der Rückstellungen von 3,5 Prozent. Laut Angaben der wirtschaftspolitischen Zeitung „Financial Times Deutschland” haben momentan rund zehn PKV-Anbieter Probleme, den versprochenen Zinssatz einzuhalten. Der einzige Ausweg der sinnreich erscheint, wäre eine Zinssenkung auf maximal drei Prozent. Doch durch die geringeren Kalkulationsmöglichkeiten wären die Versicherungen dazu gezwungen, ihren Berechnungsgrundlagen zu überarbeiten. Die Altersrückstellungen reichen dann allerdings nicht mehr aus, so dass alle Anbieter von privaten Krankenversicherungen dazu übergehen müssten, die Beiträge zu erhöhen, um die Altersabsicherung zu gewährleisten.

Private Krankenversicherungen wehren sich gegen eine flächendeckende Beitragserhöhung
Das stößt bei den meisten konkurrierenden PKV-Anbietern auf eine starke Abwehr. Denn eigentlich will man gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung mit möglichst niedrigen Beiträgen und vorgeblich besseren Leistungen punkten. Würde der Zinssatz gesenkt werden, wären alle Unternehmen gleichermaßen betroffen, unabhängig davon, wie die eigene finanzielle Situation aussieht. Die Folgen für die private Krankenversicherung in Deutschland wären unabsehbar, denn alle müssten nach und nach ihre Beiträge erhöhen. Obwohl die schwarz-gelbe Bundesregierung der PKV zahlreiche Vergünstigungen im kommenden Jahr in Aussicht stellt, müsste die PKV ihre Beiträge flächendeckend erhöhen. Die angeschlagenen PKV-Anbieter wollen jedoch ihrerseits mit allen Mitteln verhindern, dass nur sie allein die Mitgliedsbeiträge erhöhen müssen. Für sie würde das ein massiver Einschnitt im Wettbewerb bedeuten. Deshalb soll wenn überhaupt, bei allen Anbietern der Beitragssatz erhöht werden.

Beitragssteigerungen im Jahr 2012?
Für das kommende Jahr werden allerdings noch keine Beitragserhöhungen erwartet, da die Kalkulationen und Beitragssätze bereits verabschiedet wurden. Falls es zu einer Erhöhung kommen sollte, wären die PKV-Mitglieder erst im Jahr 2012 betroffen. Doch damit die Einstiegstarife niedrig gehalten werden können, wäre es möglich, dass vor allem ältere Versicherte betroffen sind. Denn diese können sich beispielsweise durch einen Tarifwechsel kaum wehren und müssten die Erhöhungen quasi zum Vorteil der Jüngeren akzeptieren.

In den letzten zehn Jahren sind die Beiträge kontinuierlich gestiegen
Laut einer Auswertung von Morgen & Morgen im Mai diesen Jahres sind die Beiträge der Privaten Krankenkassen-Versicherungen in den letzten zehn Jahren bereits angestiegen. So sind beispielsweise die 6 unterschiedlichen Tarife des Deutschen Rings in den letzten 10 Jahren durchschnittlich um 3,4 Prozent angestiegen. Bei der Pax-Familienfürsorge sind die Versicherungsprämien der letzten zehn Jahre im Durchschnitt um 6,7 Prozent angestiegen und die der Mannheimer um 6,9 Prozent (inkl. aller Tarife). Das zeigt, dass Beitragssteigerungen der PKV keineswegs ausgeschlossen sind.

PKV hofft auf einen starken Wechsel von der GKV in die PKV
Der PKV-Verband ist derzeit bemüht darum, die Situation nicht zum Aufkochen zu bringen. Man verweist darauf, dass die Zinsentwicklung in den letzten Jahren stabil war und die Zinsen im letzten Jahr bei 4,2 Prozent lagen. Zudem werden durch die zahlreichen geplanten „Geschenke“ der Bundesregierung neue Mitglieder aus der GKV erwartet. Denn ab 2011 sollen die Zugangsvoraussetzungen für die PKV für überdurchschnittlich gut verdienende Angestellte enorm erleichtert werden, was zu einer Wanderbewegung zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung zur PKV führen wird. Das schwächt massiv die GKV und fördert die PKV.

Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhung nur wenig effektiv
Kunden die von einer Beitragserhöhung betroffen sind, können im Zuge dessen auf ihr Sonderkündigungsrecht pochen. Doch ein solcher Wechsel ist mit zahlreichen Hürden verbunden. Denn bei einem Wechsel zu einem anderen Anbieter können die angesparten Altersrückstellungen nicht mitgenommen werden. Zudem fordern zahlreiche Anbieter eine erneute gesundheitliche Überprüfung, so dass es gut möglich ist, dass die Beiträge nicht günstiger bei einem Wechsel ausfallen. Ehemals gesetzlich Versicherte können zudem den Weg zurück in die GKV nicht antreten, denn wer einmal gewechselt hat, der kommt nur schwer wieder in die gesetzliche Krankenversicherung. Das ist nur allzu verständlich, da sich die gesetzliche Krankenversicherung als eine Solidargemeinschaft versteht, die unabhängig vom gesundheitlichen Befinden und Einkommen alle Menschen krankenversichert. Unter diesen Vorzeichen sollten es sich betroffene Angestellte genau überlegen, im nächsten Jahr in die PKV zu wechseln. Auch deshalb, weil die PKV besondere Leistungen wie die Familienmitversicherung oder Mutter-Kind-Kuren nicht kennt. Denn bei der PKV müssen auch Kinder gesondert krankenversichert werden. Unter Umständen sind dann die Beiträge höher, als zuvor in der Gesetzlichen Krankenkasse. (sb, 24.10.2010)