Protein Ursache des Gedächtnisschwundes im Alter

Fabian Peters

Forscher identifizieren Protein, das den altersbedingten Gedächtnisverlust bedingt

30.08.2013

US-Wissenschaftler der Columbia University in New York haben herausgefunden, auf welche Weise der natürliche Gedächtnisschwund im Alter verursacht wird. Eine maßgebliche Rolle spielt dabei ein Mangel an „RbAp48, einem Histon-bindenden Protein, das die Histonacetylierung modifiziert“, berichtet das Forscherteam um den Nobelpreisträger Eric Kandel im Fachmagazin „Science Translational Medicine“.

Nachdem die Forscher bei der Untersuchung des Gehirns von acht verstorbenen Patienten eine auffällige altersbedingte Abnahme des Proteins RbAp48 im Bereich des Hippocampus festgestellt hatten, überprüften sie in Versuchen mit Mäusen, ob dies möglicherweise der Auslöser des Gedächtnisschwundes im Alter sein könnte. Dabei ging es nicht um die krankhaften Beeinträchtigungen des Erinnerungsvermögens, wie sie bei einer Alzheimer-Erkrankung zu beobachten sind, sondern um die natürlicherweise nachlassende Gedächtniskraft im Alter. Während Alzheimer in Verbindung mit der Ablagerung sogenannter Plaques im Gehirn in Zusammenhang gebracht wird, basiert der gewöhnliche altersbedingte Gedächtnisschwund laut Aussage der Forscher auf einer Unterversorgung im Bereich des Hippocampus mit dem Protein RbAp48.

Mangel an RbAp48 Ursache des Gedächtnisschwundes
Die Untersuchung der menschlichen Gehirne legte laut Aussage der Forscher den Schluss nahe, dass ein Zusammenhang zwischen der Gedächtnisschwäche im Alter und dem altersbedingten Rückgang von RbAp48 im Hippocampus beziehungsweise dessen Untersektion dem Gyrus dentatus bestehen könnte. „Um zu testen, ob der RbAp48-Rückgang verantwortlich sein könnte für den altersbedingten Gedächtnisverlust, nutzten wir Mäuse und fanden heraus, dass im Einklang mit den Menschen, RbAp48 weniger reichlich im Gyrus dentatus bei alten Mäusen als bei jungen Mäuse zu finden war“, schreiben die Forscher im Fachjournal „ Science Translational Medicine“. Im nächsten Untersuchungsschritt seien genetisch veränderte Mäuse erzeugt worden, in deren Gehirn die RbAp48-Proteine gehemmt wurden. „Die Hemmung von RbAp48 in jungen Mäusen verursacht Hippocampus-abhängige Gedächtnisdefizite ähnlich denen, die mit dem Altern verbunden sind“, berichten Kandel und Kollegen.

Altersbedingter Gedächtnisverlust behebbar?
Anders als bei Alzheimer, sei der altersbedingte Gedächtnisverlust aufgrund eines RbAp48-Mangels jedoch durch entsprechende Zuführung von RbAp48 beziehungsweise eine verbesserte Resorption grundsätzlich behebbar, erklären die Forscher. Die Versuche an den Mäusen hätten dies bestätigt. So sei das Erinnerungsvermögen der gealterten Mäuse deutlich besser geworden, nachdem die RbAp48-Ausschüttung künstlich angehoben wurde. Dies habe den „altersbedingten Hippocampus-basierten Gedächtnisverlust und die Veränderungen in der Histonacetylierung“ gelindert, schreiben Kandel und Kollegen. „Zusammen zeigen diese Ergebnisse, dass der Gyrus dentatus als Region im Hippocampus altersbedingten Veränderungen unterliegt und wir konnten molekulare Mechanismen des kognitiven Alterns identifizieren, die als gültige Ziele für eine therapeutische Intervention dienen könnten“, so das Fazit der US-Wissenschaftler.

Altersvergesslichkeit unterliegt anderen Gesetzmäßigkeiten als Alzheimer
Die aktuelle Untersuchung liefere stichhaltige Beweise dafür, dass die Altersvergesslichkeit anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegt als Alzheimer, erläuterte Kandel. Besonders ermutigend sei der Erfolg bei der Behebung des Gedächtnisverlustes der älteren Mäusen durch einen Erhöhung der RbAp48-Ausschüttung. Hier sehen die Forscher erhebliches therapeutisches Potenzial für die Zukunft. Zwar bleibe bislang unklar, ob noch weitere Faktoren den altersbedingten Gedächtnisverlust beeinflussen doch sei davon auszugehen, dass der Mangel an RbAp48 eine entscheidende Rolle spielt, erläuterte Eric Kandel. (fp)

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