Rauchen von sehr potentem Cannabis schädigt das Gehirn

Sebastian
Cannabis macht Kommunikation zwischen Gehirnhälften weniger effizient
Das Rauchen von hoch potentem Cannabis Sorten kann dazu führen, dass die Kommunikation zwischen unseren beiden Gehirnhälften geschädigt wird. Untersuchungen des Gehirns konnten feststellen, dass in der weißen Substanz, die Signale zwischen den Gehirnhälften überträgt, feine Veränderungen vorliegen, wenn Menschen regelmäßig stark potentes Cannabis rauchen. Wissenschaftler vom „King’s College London“ führten in Zusammenarbeit mit Forschern von der „Sapienza University“ in Rom eine Studie zu diesem Thema durch und veröffentlichten ihre Arbeit im medizinischen Fachjournal Psychological Medicine“.
Vielen Forscher ist schon seit einiger Zeit bekannt, dass der langfristige Konsum von Cannabis, das Risiko verstärkt, Psychosen zu entwickeln. Veränderungen in der Struktur und Funktion unseres Gehirns könnten für diese größere Anfälligkeit verantwortlich sein, fügten die Wissenschaftler hinzu. Die neue Studie untersucht als erste die Wirkung der Cannabis-Stärke auf die Gehirnstruktur. Eine Untersuchung zu diesem Thema sei besonders wichtig, weil einige Sorten Cannabis heutzutage viel mehr Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) aufweisen. Vor etwa einen Jahrzehnt hätten diese Sorten einen noch weit geringeren THC Gehalt enthalten, erklärten die Forscher vom „King’s College London“. Heutzutage enthalten normale Sorten Cannabis etwa zwei bis vier Prozent THC, die stärkeren Sorten können sogar zehn bis 14 Prozent THC enthalten. Solche Sorten mit hohen THC Gehalt sind im Moment, die am häufigsten verwendete Form von Cannabis in Großbritannien, vermuten die Mediziner.

Hoch potentes Cannabis wirkt schädlich. Bild: olyas8 - fotolia
Hoch potentes Cannabis wirkt schädlich. Bild: olyas8 – fotolia

Hoch potente Cannabis Sorten wie „Skunk“ schädigen das Corpus callosum
Dr. Paola Dazzan, leitender Forscher der Studie, sagte in einer Stellungnahme, dass die häufige Verwendung von hochwirksamem Cannabis unser Gehirn erheblich beeinträchtige. Der Stoff verändere die Struktur der weißen Substanz Fasern im Gehirn, diese beeinflussen, ob ein Mensch Psychosen entwickelt oder nicht. So scheint es, als ob die Nutzung von starken Cannabis Sorten, wie beispielsweise „Skunk“, Schäden am Corpus callosum verursacht. Aus diesem Grund wird die Kommunikation der Hemisphären des Gehirns weniger effizient.

Studie mit knapp hundert Probanden soll Klarheit bringen
In der Studie untersuchten die Forscher mit einer speziellen Technik der Magnetresonanztomographie die weiße Substanz im Gehirn von 56 Patienten. Diese hatten zuvor ersten Anzeichen einer Psychose gezeigt. Zum Vergleich wurden noch 43 gesunde Menschen aus der lokalen Umgebung mit in die Untersuchung einbezogen. Besonders genau untersuchten die Forscher die größte Struktur aus weißer Substanz im Gehirn, das Corpus callosum. Dieses ist für die Kommunikation zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte zuständig. Die weiße Substanz besteht aus einem großen Bündel von Nervenzellfortsätzen, die verschiedenen Regionen des Gehirns miteinander verbinden und somit eine Kommunikation untereinander ermöglichen. Das Corpus callosum sei besonders reich an Cannabinoid-Rezeptoren, auf die sich das THC auswirke, sagten die Forscher der Studie.

Öffentlichkeit muss vor Folgen von potenten THC gewarnt werden
Die Studie fand heraus, dass häufige Verwendung von hochwirksamem Cannabis, mit einem deutlich höheren Durchschnitts-Diffusionsvermögen (MD) verknüpft ist. Dieses gilt als ein klarer Marker für die Schädigung der weißen Substanz Struktur im Gehirn. Dr. Tiago Reis Marques vom „Kings College London“ erklärte dazu, die Schäden in der weißen Substanz bei den Dauernutzern von hochwirksamem Cannabis seien signifikant größer als bei Nutzern, die nur gelegentlich oder Cannabis mit niedriger Potenz konsumieren. Es sei dringend notwendig „medizinische Fachkräfte, die Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger über die mit dem Konsum von Cannabis verbundenen Risiken zu informieren“, fügte der Forscher hinzu. Bei der Beurteilung der Verwendung von Cannabis sei es „äußerst wichtig, Informationen wie beispielsweise welche Art und wie oft welches Cannabis konsumiert wurde, zu sammeln“. Solche Angaben könnten helfen einzustufen, „wie hoch das Risiko sei, psychische Probleme durch den Konsum von Cannabis zu entwickeln“. Außerdem müsse „das Bewusstsein der Allgemeinheit aufgeklärt werden, welche schwere Folgen hoch potentes Cannabis auslöse und wie der Konsum das Gehirn schädigen könne“, erklärten Forscher gegenüber dem Fachjournal.(as)