Rauchen während der Schwangerschaft erhöht das Schizophrenie-Risiko bei Neugeborenen

Schwangere Frauen sollten keinesfalls rauchen, so schützen sie ihre ungebohrenen Kinder vor schwerwiegenden Erkrankungen von Körper und Geist. (Bild: wong yu liang/fotolia.com)
Alexander Stindt
Erhöhtes Schizophrenie-Risiko bei Kindern durch pränatale Nikotin-Exposition
Es ist schon längere Zeit bekannt sein, dass Mütter, die in der Schwangerschaft rauchen, die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes schädigen. Forscher fanden jetzt heraus, dass Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft rauchten, eine höhere Wahrscheinlichkeit aufwiesen, im späteren Leben psychische Störungen zu entwickeln. So haben betroffene Kinder ein um bis zu 38 Prozent erhöhtes Risiko für die Entstehung von Schizophrenie.

Rauchen während der Schwangerschaft schadet dem Baby. Wissenschaftler von der Columbia University Mailman School of Public Health, dem Columbia University Medical Center (CUMC) und dem New York State Psychiatric Institute stellten jetzt bei einer Untersuchung in Zusammenarbeit mit finnischen Forschern fest, dass eine höherer mütterlicher Nikotinspiegel im Blut mit einer um bis zu 38 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit von Schizophrenie bei den Nachkommen verbunden war. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The American Journal of Psychiatry“.

Schwangere Frauen sollten keinesfalls rauchen, so schützen sie ihre ungeborenen Kinder vor schwerwiegenden Erkrankungen von Körper und Geist. (Bild: wong yu liang/fotolia.com)
Schwangere Frauen sollten keinesfalls rauchen, so schützen sie ihre ungeborenen Kinder vor schwerwiegenden Erkrankungen von Körper und Geist. (Bild: wong yu liang/fotolia.com)

Forscher finden Cotinin-Biomarker in Kindern von rauchenden Müttern
Mit Hilfe von Daten aus einer großen nationalen finnischen Geburtskohorte von schwangeren Frauen, analysierte das Forscherteam fast 1.000 Fälle von Schizophrenie. Außerdem konnte bei Kontrollen der finnischen Kindern festgestellt werden, dass diese erhöhte Konzentrationen des Biomarkers Cotinin aufwiesen. Alle der untersuchen Kinder waren zwischen 1983 und dem Jahr 1998 geboren worden, erläutern die Experten. Cotinin ist ein Abbauprodukt des Nikotins und findet sich auch bei Passivrauchern in Blut und Urin als N-Glucuronid-Konjugat. Die Ergebnisse der neuen Studie berücksichtigten auch Faktoren, wie beispielsweise die psychiatrische Vorgeschichte der Eltern, das Alter der Mutter und den sozioökonomischen Status, erläutern die Mediziner.

Rauchen in der Schwangerschaft erhöht Risiko für langfristige Veränderungen der Wahrnehmung
Dies ist die erste Biomarker-basierte Studie, die einen Zusammenhang zwischen der fetalen Nikotin-Exposition und Schizophrenie zeigt, erläutert der Autor Professor Alan Brown von der Columbia University Mailman School of Public Health. Nikotin passiere die Plazenta im fetalen Blutkreislauf und ziele speziell auf die fetale Entwicklung des Gehirns. Dieser Vorgang kann zu langfristigen Veränderungen in der Wahrnehmung führen und trägt möglicherweise auch zu anderen Störungen der Entwicklung bei, fügt der Professor hinzu. Langfristige Veränderungen der Kognition und Entwicklung von Nerven Anomalien können dann die Folge sein.

Schizophrenie ist sicherlich nicht das einzige Problem, welches durch Rauchen in der Schwangerschaft ausgelöst werden kann. Rauchen in der Schwangerschaft kann auch zu einem niedrigerem Geburtsgewicht und verschiedenen Aufmerksamkeitsschwierigkeiten beitragen, sagen die Wissenschaftler. Außerdem hatten Professor Brown und seine Kollegen bereits in einer früheren Studie herausgefunden, dass eine Verbindung zwischen Rauchen während der Schwangerschaft und einem erhöhten Risiko für eine bipolare Störung besteht.

Durch weitere Forschung sollen auslösende biologische Faktoren ermittelt werden
Die aktuellen Ergebnisse zeigen deutlich die potentiell schwächenden Folgen von Rauchen in der Schwangerschaft, sagen die Experten. Diese Auswirkungen des Rauchens auf unsere Kinder seien allerdings alle weitgehend vermeidbar, erläutert Professor Brown. Zukünftige Studien zum mütterlichen Rauchen und anderen genetischen und epigenetischen Faktoren sollten seiner Ansicht nach eine Identifizierung der verantwortlichen biologischen Mechanismen ermöglichen. Außerdem sei es auch von Interesse, die mütterliche Nikotin-Exposition im Bezug auf andere psychiatrische Störungen wie beispielsweise Autismus zu betrachten, fügt der Autor hinzu. (as)

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