Richtiger Herzschmerz: Diese Brustschmerzen dringend ernst nehmen

Fabian Peters
Plötzliche einsetzende Brustschmerzen ein ernstes Warnsignal
Bei unvermittelt auftretenden Brustschmerzen haben die meisten Betroffenen verständlicherweise Angst und die Beschwerden sollten in jedem Fall ernst genommen werden, betont Professor Dr. Holger Thiele, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie – HELIOS Stiftungsprofessur am Herzzentrum Leipzig. Denn es können durchaus schwere Erkrankungen Auslöser der Beschwerden sein, die umgehend einer ärztlichen Versorgung bedürfen.

Häufig sind plötzlich einsetzende Brustschmerzen ein erster Hinweis auf schwere Herzerkrankungen wie einen akuten Herzinfarkt oder Einrisse in der Hauptschlagader (Aortendissektion), berichtet der Experte. Auch können sie Folge einer Lungenembolie sein. „Um lebensbedrohliche Komplikationen zu verhindern, bedarf es in diesen Fällen einer unverzüglichen Diagnose und einer sofortigen Einleitung der Behandlung“, betont Professor Dr. Thiele.

Liegt ein Herzklappenfehler vor, können schon kleinste Anstrengungen zur Qual werden. Die Patienten bekommen z.B. beim Treppen steigen keine Luft mehr. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Schnelle Diagnose kann Leben retten
Eine schnellstmögliche und verlässliche Diagnose ist auch bei plötzlichen Brustschmerzen mit harmloseren Ursachen von Vorteil, da sie deutlich zur Beruhigung der Betroffenen beitragen kann. Bei schweren Herzerkrankungen kann die frühzeitige Diagnose zudem über Leben und Tod entscheiden. Bereits seit 2007 wird am Herzzentrum Leipzig für Notfälle mit plötzlich auftretenden Brustschmerzen eine sogenannte „Chest Pain Unit“ (Brustschmerzambulanz) betrieben, in der Betroffenen an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr geholfen werden kann.

150 Patienten mit Brustschmerzen pro Woche
Wöchentlich kommen laut Aussage des Kardiologen „bis zu 150 Patienten in die Chest Pain Unit und werden unabhängig vom regulären Patientenbetrieb zu jeder Tages- und Nachtzeit kompetent und intensiv durch ein eingespieltes Team betreut.“ Neben der vorhandenen personellen Ausstattung und der ständigen Verfügbarkeit eines Herzkatheterlabors, biete die Chest Pain Unit mehr als acht Überwachungsplätze mit direkter räumlicher Nähe zu der deutschlandweit größten internistisch/kardiologischen Intensivstation sowie eine permanente Anbindung an ein Labor und alle Möglichkeiten der bildgebenden Diagnostik.

Exzellente Arbeit nach höchsten Qualitätsstandards
Erst vor wenigen Wochen wurde die Chest Pain Unit als solche rezertifiziert. „Durch die besondere Struktur des Herzzentrums, die enge Zusammenarbeit aller Kliniken und Abteilungen sowie durch die über zehnjährige Erfahrung mit der Chest Pain Unit verfügen wir über alle notwendigen Voraussetzungen, die Betroffenen bestens behandeln zu können“, betont Professor Thiele. Nicht zuletzt auch die vor wenigen Wochen bereits zum zweiten Mal erfolgte Rezertifizierung der Chest Pain Unit durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie sei ein Beweis der „exzellenten Arbeit nach den höchsten Qualitätsstandards“, so Professor Thiele.

Die lebensrettende Arbeit der Chest Pain Unit solle nicht nur in in gleicher Qualität fortgesetzt, sondern auch stetig verbessert werden. „So werden wir zukünftig unsere Behandlungspfade weiter optimieren, um Patienten mit einem hohen Risiko schneller zu identifizieren und entsprechend individueller behandeln zu können“, erläutert der Leipziger Kardiologe. (fp)