Salz stimuliert das Gehirn wie eine Droge

Fabian Peters

Salz löst ähnliche neurobiologische Effekte aus

12.07.2011

Drogen stimulieren das Gehirn auf ähnliche Weise wie der Verzehr von Salz. Zu diesem Ergebnis gelangten amerikanische und australische Forscher im Rahmen einer umfassenden Studie, die den neurobiologischen Effekt des Salzkonsums mit dem moderner Drogen wie Opiaten und Kokain vergleicht.

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Durch den Verzehr von Salz werden im Gehirn die gleichen Genmuster aktiviert wie beim Drogenkonsum, berichten Wolfgang Liedtke von der Duke University in North Carolina und sein Kollege Derek Denton von der University of Melbourne in Australien in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Die Forscher hatten anhand von Mäusen die Auswirkungen des Salzverzehrs mit der Wirkung des Drogenkonsums verglichen. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass der Urinstinkt zur Salzaufnahme offenbar die Basis der Effekte moderner Drogen im Gehirn bildet.

Salz aktiviert die gleichen Genabschnitte wie Drogen
Die Forscher von der Duke University in North Carolina, USA und der University of Melbourne in Australien haben anhand von Mäusen die neurobiologische Wirkung von Drogen mit der des lebensnotwendigen Natriumchlorid (Kochsalz) verglichen. Dabei fanden sie heraus, dass im Gehirn durch Salz die gleichen Genmuster aktiviert werden, wie zum Beispiel bei Opiaten und Kokain. Die Aufnahme von Salz ist für den Menschen ein lebensnotwendiger Instinkt und entsprechend sind die Reaktionen im Gehirn, erklären Wolfgang Liedtke und Derek Denton im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Wolfgang Liedtke zufolge ist „der Appetit auf Natriumsalze mit dem Durst auf Wasser vergleichbar. Ähnlich wie beim Stillen von Durst bringt auch das Trinken einer salzigen Lösung dann schnelle Befriedigung.“ Moderne Drogen wie Kokain und Opiate basieren nach Ansicht der Forscher auf diesen bereits vorhandenen Mechanismen und erzeugen so eine entsprechende Sucht beziehungsweise den Drang nach Befriedigung, erklärten Liedtke und Denton. Laut Aussage der Forscher haben einige Wissenschaftler schon früher vermutet, „dass die Drogensucht Schaltkreise alter Instinkte nutzen könnte“. Mit der aktuellen Studie sei es nun gelungen nachzuweisen, „dass ein klassischer Instinkt, der Hunger nach Salz, die neuronale Organisation liefert, die von der Sucht nach Opiaten und Kokain zweitverwertet wird“, unterstrichen die amerikanisch-australischen Forscher die Bedeutung ihrer Arbeit.

Belohnungssystem im Gehirn spielt eine Schlüsselrolle
Der Nachweise gelang den Neurobiologen mit Hilfe einer Studie an Mäusen, die durch extrem salzarme Kost einen deutlich erhöhten Salzbedarf hatten. Bei der genetischen Analysen stellten die Forscher fest, dass durch den Heißhunger auf Salz im Gehirn der Mäuse bestimmte Genmuster des Hypothalamus aktiviert wurden, die auch bei Drogensüchtigen eine Schlüsselrolle spielen. Denn der im Zwischenhirn gelegene Hypothalamus kontrolliert nicht nur das Gleichgewicht von Energie, Wasser und Salzen, sondern ist auch Sitz des körpereigenen Belohnungssystems, welches sowohl bei er Salzaufnahme als auch beim Drogenkonsum stimuliert wird. Die Forscher konnten nachweisen, dass bei einem Salzdefizit die gleichen Genmuster aktiviert werden wie bei der Sucht nach Opiaten oder Kokain. Die aktivierten Gene tragen außerdem dazu bei, dass ein bestimmter Bereich des Hypothalamus sensibler für die Wirkung von Dopamin wird, erklärten die amerikanisch-australischen Wissenschaftler. Dopamin ist laut Aussage der Experten als Botenstoff im Gehirn für das Gefühl der Befriedigung zuständig und bildet einen entscheidenden Faktor im Sucht- und Belohnungssystem des Gehirns.

Neue Perspektiven beim Sucht-Verständnis
Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Forscher auch, welche Effekte sich durch eine Hemmung der aktivierten Genabschnitte erreichen lassen. Dabei stellten sie fest, dass auf diese Weise auch der Salzinstinkt unterdrückt wurde. „Wir waren überrascht zu sehen, dass die Blockade von Sucht-Schaltkreisen auch den Natriumappetit stark beeinträchtigte“, betonte Wolfgang Liedtke. Die Forscher zeigten sich davon überzeugt, dass ihre Ergebnisse, einerseits eine neue Perspektive auf das Verständnis von Sucht und anderseits auch Rückschlüsse auf die Folgen einer zu salzreichen Ernährung ermöglichen. (fp)