Starker Durst; starkes Durstgefühl (Polydipsie)

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Extremer Durst – woran liegt das?

Viele Menschen bemerken ein starkes Durstgefühl, ständig hat man Durst und muss etwas trinken. Woran kann das liegen? Durstgefühl tritt auf, wenn das Bedürfnis nach Wasseraufnahme besteht. In diesem Sinne reguliert Durst den Flüssigkeitshaushalt, um Defizite zu vermeiden beziehungsweise auszugleichen und damit Austrocknung zu verhindern. Ständiger starker Durst kann aber auch ein Anzeichen für ernsthafte Funktionsstörungen und Erkrankungen sein, die anhand weiterer Anzeichen zu erkennen sind, die im Folgenden näher erläutert werden.


Polydipsie – Ein kurzer Überblick

Durst ist ein normales und wichtiges Gefühl, um den Wasserhaushalt im Körper zu regulieren. Gewisse tägliche Schwankungen im Durstgefühl sind normal und abhängig von der täglichen Ernährung, Temperatur, Aktivität, Alter und Fitness. So kann es auch bei völlig gesunden Personen zu starkem Durst kommen. Tritt dieser allerdings über einen längeren Zeitraum auf, kann dies ein Krankheitssymptom sein. Hier ein kurzer Überblick:

  • Anzeichen für Polydipsie: Unstillbarer Durst, häufiges Urinieren, Durst hält über mehrere Tage an, Gewichtsabnahme.
  • Nicht krankheitsbedingte Ursachen: Alkoholkonsum, salziges Essen, Hitze, Schwitzen, harntreibende Medikamente, sportliche Aktivität, körperliche Anstrengung.
  • Krankheitsbedingte Ursachen: Diabetes mellitus, Diabetes insipidus (Wasserharnruhr), bestimmte psychische Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Nierenerkrankungen, Fieber, Erbrechen, Durchfall.
Starker Durst infolge körperlicher Anstrengung, hohen Temperaturen und Schwitzen ist völlig normal. Tritt ein extremes Durstgefühl allerdings ohne offensichtlichen Grund auf und hält es über Tage an, ist dies oft Symptom einer Krankheit. (Bild: puhhha/fotolia.com)

Durst reguliert den Flüssigkeitshaushalt des Körpers

Um den Wassergehalt im Organismus gleichbleibend zu gewährleisten, empfinden wir Durst, wenn unser Körper mehr als 0,5 Prozent seines Gewichts an Wasser verloren hat. Beeinflusst wird der Wasserhaushalt bei gesunden Menschen durch Außentemperatur, Ernährungsweise, Luftfeuchtigkeit und körperliche Aktivität. Unsere Gehirn überwacht permanent den richtigen Pegel. Sind bestimmte Stoffe im Blut zu hoch konzentriert, löst das Gehirn das Durstgefühl aus, um den Wasserhaushalt auf einem möglichst guten Niveau zu halten.

Anzeichen für Flüssigkeitsmangel

Das Durstgefühl warnt also frühzeitig vor der Gefahr innerer Austrocknung (Dehydratation). Doch gerade alte Leute und Kinder ignorieren häufig den Durst und trinken zu wenig. Wird keine neue Flüssigkeit aufgenommen oder weiterhin in großen Mengen abgeben (beispielsweise durch übermäßiges Schwitzen, Erbrechen oder Durchfall), kann es zu typischen Beschwerden infolge des Wassermangels kommen. Der Flüssigkeitsmangel äußert sich ab einem gewissen Grad durch trockene Schleimhäuten, einen trockenen Hals, eine rissige Zunge mit Borken-artigem Belag und stehende Hautfalten. Typische Symptome bei Flüssigkeitsmangel sind:

Kopfschmerzen, Konzentrationsschwächen, Schwindel und Übelkeit sind mögliche Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels. (Bild: fotogestoeber/fotolia.com)

Geringe Flüssigkeitsaufnahme ist ungesund

Wie viel Wasser sollte man täglich trinken? In erster Linie ist darauf zu achten, immer ausreichend zu trinken. Durch Schwitzen, Atmen und Wasserlassen gehen im Tagesverlauf etwa zwei bis drei Liter Wasser verloren, die durch Nahrungs- und vor allem durch Flüssigkeitsaufnahme wieder ausgeglichen werden müssen. Allgemeine Empfehlungen belaufen sich zwischen zwei bis drei Litern am Tag. In der Regel reicht es, auf sein Durstgefühl zu hören und immer dann zu trinken, wenn man durstig ist. Doch diese Regel gilt nicht für alle Menschen. Senioren und Kinder entwickeln oft kein richtiges Durstgefühl. Außerdem führen bestimmte Krankheiten wie Diabetes häufig zu einem abnormal gesteigerten Durst.

Ein abnorm starkes Durstgefühl als Symptom

Wenn Menschen ein ständiges Durstgefühl entwickeln wird dies medizinisch als Polydipsie bezeichnet. Dies ist häufig Begleitsymptom einer körperlichen Erkrankung und geht bei vielen Betroffenen mit häufigem Wasserlassen (Polyurie) einher. Das vermehrte Wasserlassen ist dann die Ursache für den Flüssigkeitsverlust. Ebenfalls zeigt sich die Polydipsie als Leitsymptom beim selten auftretenden Diabetes insipidus (Wasserharnruhr), einer hormonellen Erkrankung mit Störung der Wasserrückresorption in die Nieren. Auf welche Erkrankungen die Polydipsie hindeuten kann, wird im Folgenden eingegangen.

Diabetes als Ursache für starken Durst

Geht das starke Durstgefühl mit einer vermehrten Urinmenge (Polyurie) einher und führt diese andersherum zur Polydipsie, ist an ein Diabetes mellitus zu denken. Treten starker Durst, Polyurie und Gewichtsabnahme beim Typ 2-Diabetes erst in späteren Stadien auf, so können diese beim Diabetes mellitus Typ 1 typischen Symptome sein, die sich bereits in den ersten Stunden bis Wochen entwickeln. Weitere Anzeichen können dabei Heißhunger auf Süßes, Übelkeit, Schwächeanfälle und Bewusstseinsstörungen sein.

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Starker Durst kann auf eine Diabetes-Erkrankung hinweisen. (Bild: nandyphotos/fotolia.com)

Abnormen Durst aufgrund psychischer Erkrankungen

Infolge bestimmter psychischer Erkrankungen und Psychosen neigen die Betroffenen mitunter dazu, sehr viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Dies ist beispielsweise bei Schizophrenie, Verhaltensstörungen oder bei Magersucht (Anorexie) im Anfangsstadium der Fall.

Wasserharnruhr führt zu Polydipsie

Bei der seltenen Krankheit Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) steht das sogenannte antidiuretische Hormon (ADH) in der Hirnanhangsdrüse im Mittelpunkt. Normalerweise kommt dieses Hormon nur bei Flüssigkeitsmangel und Durst zum Einsatz. ADH bindet sich in der Niere und führt dort zu einer verminderten Ausscheidung von Urin, um Flüssigkeit im Körper zurückzuhalten. Bei Patienten mit Diabetes insipidus wird je nach Form entweder ADH im Gehirn nicht ausgeschüttet (zentrale Form) oder die Andockstellen in den Nieren sind gestört (renale Form). Die Folgen sind häufiges Wasserlassen, starke Polydipsie und schnelle Dehydratation. Die Betroffenen müssen sehr viel Flüssigkeit zu sich nehmen, um den Wasserhaushalt aufrechtzuerhalten. Es kann vorkommen, dass ein Patient täglich über 20 Liter Wasser trinken muss.

Medikamente als Auslöser für Polydipsie

Bestimmte Medikamente können ein starkes Durstgefühl auslösen. Hier kommen vor allem harntreibende Mittel (Diuretika), Abführmittel (Laxanzien), Cisplatin, Rifampicin, Aminoglykosiden, Glukokortikoide und Antiepileptika wie Carbamazepin in Frage. Auch das Antidepressivum Lithium kann bei anfänglicher Einnahme Polydipsie auslösen.

Weitere Ursachen für gesteigerten Durst

Als Nebenerscheinung können Fieber oder ein erhöhter Alkoholkonsum den starken Durst bedingen. Bestimmte Stoffwechselstörungen können ebenfalls Polydipsie auslösen. Hierzu zählen beispielsweise Hypokaliämie (Kaliummangel) oder eine Nebenschilddrüsenüberfunktion. Des Weiteren kommen Nierenerkrankungen als Ursache in Frage.

Durchschnittlich sollte man etwa zwei bis drei Liter Wasser am Tag trinken. Laut Experten ist es noch wichtiger, immer auf sein Durstgefühl zu achten und immer dann zu trinken, wenn es der Körper signalisiert. (Bild: heilpraxis.de)

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Es gibt viele normale Bedingungen, die zeitweise einen stärkeren Durst auslösen als gewöhnlich. Dies kann beispielsweise infolge von Sport, Alkoholkonsum, stark gesalzenem Essen, Schwitzen oder hohen Außentemperaturen der Fall sein. In der Regel ist dies kein Grund zur Besorgnis und erfordert keinen Arztbesuch. Hält der starke Durst allerdings über mehrere Tage an und ist geradezu unstillbar, gesellen sich Auffälligkeiten wie ungewollter Gewichtsverlust und vermehrtes Wasserlassen hinzu, so sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. (jvs, vb, aktualisiert am 18. Juni 2018)