Schädelfehlbildungen bei neugeborene Babys: Ängste vor dem Zika-Virus

Unruhe wegen gefährlichem Virus. Bild: nobeastsofierce - fotolia
Sebastian
Gesundheitsnotstand ausgerufen: Schwangere in Brasilien durch Virus gefährdet
In Brasilien wurde der Gesundheitsnotstand ausgerufen. In dem südamerikanischen Land gibt es eine deutliche Häufung von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen. Als Verursacher steht ein Virus im Verdacht, das über Mückenstiche auf Schwangere übertragen wird.
Häufung von Schädelfehlbildungen
In Brasilien wurde nun der Gesundheitsnotstand ausgerufen. In dem lateinamerikanischen Land gibt es eine deutliche Häufung von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen. Ursache ist möglicherweise eine Infektion mit dem Zika-Virus, das über Mückenstiche auf Schwangere übertragen wird, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Die Symptome, die denen von Dengue- und Chikungunya-Fieber ähneln, sind leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Hautausschlag. Ähnlich wie bei Malaria treten sie meist erst rund zwölf Tage nach einem Moskitostich auf. Zwar seien schwere Verläufe laut Gesundheitsexperten selten, doch die Spätfolgen könnten fatal sein, wie jetzt berichtet wird.

Unruhe wegen gefährlichem Virus. Bild: nobeastsofierce - fotolia
Unruhe wegen gefährlichem Virus. Bild: nobeastsofierce – fotolia

Virus vermutlich durch Fußball-WM eingeschleppt
Der Erreger, der erstmals in Uganda festgestellt wurde, kam bis vor wenigen Jahren im tropischen Afrika, in Südostasien und auf den pazifischen Inseln vor. Im Sommer wurde jedoch berichtet, dass das Zika-Virus vermutlich durch die Fußball-WM nach Brasilien eingeschleppt worden war. Seitdem taucht es gehäuft in Süd- und Mittelamerika auf. Nun wurde bekannt gegeben, dass der Verdacht besteht, dass es bei Ungeborenen zu Schädelfehlbildungen kommt, wenn Schwangere über einen Moskitostich mit dem Zika-Virus infiziert wurden.

Angaben des Instituts Oswaldo Cruz in Rio de Janeiro zufolge wurde das Virus zuletzt bei zwei Frauen im brasilianischen Bundesstaat Paraíba nachgewiesen, deren Föten nach Ultraschalluntersuchungen Mikrozephalie aufwiesen: Sie haben viel zu kleine Schädel, was in der Regel eine geistige Behinderung zur Folge hat. Als Ursachen für die Fehlbildung gelten bisher beispielsweise Alkohol in der Schwangerschaft oder bestimmte Infektionen.

Gesundheitsnotstand in Brasilien
Brasilien hat jetzt den Gesundheits-Notstand ausgerufen. Die Gesundheitsämter sind angewiesen, besondere Vorbeuge-, Dokumentations- und Aufklärungsmaßnahmen zu treffen. Bislang wurden in diesem Jahr – vor allem im Nordosten des Landes – bereits 399 Fälle von Mikrozephalie festgestellt, davon allein 268 im Bundesstaat Pernambuco mit der Hauptstadt Recife. Mit 175 Fällen lag der bisherige Rekord in den letzten fünf Jahren 2012. Das Gesundheitsministerium des fünftgrößten Landes der Welt warnte trotz der Vorsichtsmaßnahme vor voreiligen Schlüssen: „Die aktuellen Daten lassen noch keinen eindeutigen Schluss zu, dass es eine Beziehung gibt zwischen der Zika-Infektion und Mikrozephalie.“ Übertragen wird das Zika-Virus von der Stechmückenart Aedes aegypti, auch unter dem Namen Ägyptische Tigermücke bekannt. Der Erreger spielte bisher fast nur in Afrika und Asien eine Rolle. Derzeit werden Fälle auch aus Chile, Kolumbien und Mexiko gemeldet.

Vor allem Schwangere sollten auf Mückenschutz achten
Das Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf hob hervor, dass Reisende – vor allem Schwangere – auf sehr sorgfältigen Mückenschutz achten sollten. „Charakteristisch für eine Infektion mit Zika-Viren ist das Auftreten eines knotig-fleckigen Hautausschlages, begleitet von Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie einer Bindehautentzündung“, erklärte Tomas Jeline vom CRM. Empfehlenswert ist helle, geschlossene Kleidung und Mückenschutzmittel.

Vor allem für tropische Gegenden wird oft zu Mitteln mit dem Wirkstoff DEET in einer Konzentration ab 30 Prozent geraten. Außerdem sollten nachts Moskitonetze verwendet werden. Das Zika-Virus ist zwar nicht lebensbedrohlich, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist jedoch alarmiert. Die Organisation forderte die Staaten der Region auf, den Schutz vor dem Virus zu verstärken und die Bevölkerung umfassend über die Gefahren zu informieren. Die aktuelle Ungewissheit über den Zusammenhang mit den zu kleinen Schädeln bei Neugeborenen zeigt aber auch, dass das Virus bisher kaum erforscht ist. (ad)

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