Scharlach-Ausbrüche steigen in Europa und Asien

Fabian Peters
Ist die Krankheit nun resistent gegen Antibiotika?
Die Kinderkrankheit Scharlach gilt in den meisten Ländern Europas seit über einem Jahrhundert weitgehend als ausgerottet. Trotzdem sind in den letzten fünf Jahren Ausbrüche der Krankheit in Europa und Asien aufgetreten. Wissenschaftler der University of Queensland (UQ) haben in Zusammenarbeit mit anderen Forschungsorganisationen Genom-Sequenzierungsmethoden genutzt, um einen Zusammenhang zwischen dem Wiederaufflammen von Scharlach und einer erhöhten Resistenz von Organismen gegen Antibiotika-Behandlungen festzustellen.

Professor Mark Walker von der UQ erklärte in einer Stellungsnahme, dass mehrere Fälle von Scharlach (Streptokokken der Gruppe A) in Großbritannien und Asien beobachtet wurden. Es sei noch kein Ausbruch in Australien aufgetreten, aber in den letzten fünf Jahren gab es mehr als 5.000 Fälle von Scharlach in Hong Kong. Dieser Wert entspricht einer Verzehnfachung der Erkrankung in der Region. Im selben Zeitraum gab es in China mehr als 100.000 Ausbrüche der Infektionskrankheit. Ein Ausbruch der Krankheit in Großbritannien führte zu 12.000 Fällen von Scharlach seit dem letzten Jahr. Die Ergebnisse einer internationalen Studie zu diesem Thema wurden in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ vorgestellt.

Mediziner warnen vor einer Ausbreitung der Scharlach-Erreger in Europa und Asien. (Bild: fotoliaxrender/fotolia.com)
Mediziner warnen vor einer Ausbreitung der Scharlach-Erreger in Europa und Asien. (Bild: fotoliaxrender/fotolia.com)

Folgen von Scharlach töten etwa 500.000 Menschen jährlich
An Scharlach können Personen aus verschiedenen Altersgruppen erkranken. Die Krankheit ist aber vor allem bei Kindern zwischen fünf Jahren und zwölf Jahren festzustellen. Die Infektion mit Streptokokken der Gruppe A bewirkt oft, dass Betroffene Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Übelkeit und roten Hautausschlag entwickeln. Die Streptokokken der Gruppe A haben jährlich mehr als 700 Millionen Fälle von oberflächlichen Infektionen wie beispielsweise eine Entzündung der Rachenschleimhaut oder bakteriellen Hautentzündungen zur Folge. Die Erkrankung kann aber auch zu invasiven Infektionen, toxischem Schock, rheumatischen Herzerkrankungen und Streptokokken-Glomerulonephritis führen. Durch solche Folgeerkrankungen sterben etwa 500.000 Menschen im Jahr.

Scharlach kann zu dauerhaften Schäden am Herzen führen
Die Medizinerin Dr. Nouri Zakour von der UQ fügte hinzu, dass Scharlach sehr anpassbar und variabel sei. Die Krankheit könne resistenter gegen Behandlungen werden, welche in der Regel für Patienten mit Beschwerden der Atemwege eingesetzt werden. Betroffene, die keine allergischen Reaktionen auf Penicillin zeigten, könnten aber auch weiterhin von dieser Art der Behandlung profitieren. Dr. Zakour erklärte weiter, dass ein Wiederaufleben von Scharlach eine potenzielle Zunahme von Fällen der rheumatischen Herzkrankheit auslösen könne. Dies könne dazu führen, dass Erkrankte dauerhafte Schäden an ihrem Herzen erleiden.

Scharlach muss schneller erkannt und besser untersucht werden
Ein verbesserter Umgang mit der Krankheit sei wichtig, so Professor Walker und Kollegen. Dieser erlaubt Medizinern schneller Bakterien zu identifizieren, die mit Scharlach in Verbindung stehen. Außerdem wäre es möglich, Elemente zuzuordnen und zu identifizieren, die zu Resistenz gegen Antibiotika führen, fügten die Forscher hinzu. Hierdurch könne auch die Ausbreitung von Fieber-verursachenden Gruppe A Streptokokken-Stämmen überwacht werden. Die Medizinerin Dr. Zakour von der UQ erklärte, dass mehrere Faktoren eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Krankheit spielen. So könnten bakterielle Ursachen und die Stärke der Immunität von Menschen sich stark auf die Verbreitung auswirken. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch nicht möglich, evolutionäre Kräfte zu bestimmen, die an den jüngsten Ausbrüchen beteiligt sein könnten. Selbst Umgebungsvariablen wie beispielsweise die Menge an Niederschlag und Temperatur könnten hier Einfluss auf die Ausbreitung von Scharlach haben, so das Fazit der Forscher.(as)