Schnelltest zur Diagnose von Depressionen

Fabian Peters

Lassen sich Depressionen anhand vier einfacher Fragen frühzeitig erkennen?

05.07.2013

Ein Forscherteam am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin hat einen Schnelltest für Depressionen entwickelt, der Allgemeinmedizinern die Erkennung erleichtern soll. Bisher sind Menschen mit Depressionen oft über lange Zeit einem erheblichen Leidensdruck ausgesetzt, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Durch den nun präsentierten Entscheidungsbaum soll eine Erkennung depressiver Verstimmungen anhand von wenigen, einfachen Ja-Nein-Fragen ermöglicht werden.

Der zunächst speziell auf Frauen angepasste Fragenkatalog des Entscheidungsbaums basiert auf dem in der Psychologie gängigen und „häufig zur Diagnose von depressiven Verstimmungen herangezogene Becks Depressions-Inventar mit insgesamt 21 Kriterien“, berichtet das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Das Forscherteam des Fachbereichs „Adaptive Rationalität“ habe ausgehend von der „Annahme aus der Entscheidungsforschung, wonach einfache Mechanismen der Entscheidungsfindung oftmals genauso gut funktionieren wie komplexe (…) einen neuen Ansatz entwickelt, wie man Depressionen schneller diagnostizieren kann.“ Die vier folgenden Fragen sollen Frauen Klarheit bringen: Haben Sie diese Woche mehr geweint als früher? Sahen Sie diese Woche besonders mutlos in die Zukunft? Waren Sie diese Woche enttäuscht von sich oder haben Sie sich gehasst? Hatten Sie diese Woche das Gefühl, eine Versagerin zu sein? Werden alle diese Fragen mit „Ja“ beantwortet, liege der Verdacht einer klinisch relevanten depressiven Verstimmung nahe, so die Mitteilung des Max-Planck-Instituts.

Schnelltest kann Depression vorhersagen
Eindeutiger Vorteil des Entscheidungsbaumes ist die Schnelligkeit einer möglichen ersten Einordnung. Allgemeinmediziner können mit seiner Hilfe umgehend feststellen, ob die Überweisung an einen Facharzt erforderlich wird. Seine Aussagekraft hat der Schnelltest zur Diagnose von Depressionen bei einer Überprüfung auf Basis „der Dresdner Längsschnittstudie zur psychischen Gesundheit – einer epidemiologischen Studie aus dem Jahr 2010, bei der etwa 1.300 junge Frauen zwischen 18 und 25 Jahren in einem Zeitraum von 18 Monaten Auskunft zu depressiven Symptomen geben mussten“ – unter Beweis gestellt, berichtet das Max-Planck-Institut. Der Studienleiterin Mirjam Jenny zufolge zeigte die Analyse, „dass sich mit dem Entscheidungsbaum Depressionen ähnlich zuverlässig vorhersagen lassen wie mit komplizierteren und langwierigeren Methoden.“

Depressionen-Schnelltest für Männer müsste angepasst werden
Zwar erwies sich der Schnelltest als durchaus zuverlässiges Hilfsmittel für eine frühzeitige Erkennung depressiver Verstimmungen, doch ist zu berücksichtigen, dass der Entscheidungsbaum für die Erkennung von Depressionen bei Frauen entwickelt und bisher ausschließlich an dieser Probandengruppe getestet wurde, erläuterte die Studienleiterin. Ein entsprechender Entscheidungsbaum für Männer müsste laut Aussage der Experten berücksichtigen, dass diese oftmals andere Symptome als Frauen zeigen und zum Beispiel meist weniger Traurigkeit empfinden. Langfristig hoffen die Forscher auf einen umfassenden Einsatz der Entscheidungsbäume im allgemeinmedizinischen Bereich als eine Art Schnelltest, der insbesondere Hausärzten bei der Erkennung von Depressionen helfen soll.. Denn für viele Patienten mit Depressionen sei ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Abschließende Diagnose von Depression nur die Fachärzte
Studienleiterin Mirjam Jenny betonte, dass sich „die Fragen des Entscheidungsbaums leicht in das Anamnese-Gespräch einbauen“ lassen und der Test zudem auch nicht medizinisch-geschultem Personal in Schulen oder im militärischen Bereich helfen könne, Depressionen frühzeitig zu erkennen und weitere Hilfsmaßnahmen für die Betroffenen einzuleiten. Keinesfalls könne der Schnelltest jedoch „Psychiater, Psychologen oder Psychotherapeuten ersetzen. Die Diagnose von Depression soll letztlich immer im entsprechend professionellen Kontext geschehen“, erläuterte die Studienleiterin in der aktuellen Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts.

Entscheidungsbäume als Hilfsmittel der Medizin?
Neben dem Entscheidungsbaum zur Erkennung von Depression planen die Forscher des Max-Planck-Instituts in Zukunft die Entwicklung weiterer Entscheidungsbäume zu medizinischen Fragestellungen, wie beispielsweise für den notfallärztlichen Bereich. Denn schließlich komme es gerade hier auf Schnelligkeit an. (fp)

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