Sepsis-Opfer erkranken häufig im Krankenhaus

Astrid Goldmayer

Jährlich 50.000 Todesfälle wegen Sepsis

04.09.2013

Die Sepsis forderte 2011 50.000 Todesopfer. Jährlich erkranken rund 200.000 Menschen an der umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichneten Entzündungsreaktion, die vor allem im ambulanten Bereich häufig erst spät diagnostiziert wird. Denn die Symptome ähneln den Beschwerden, die bei einer Grippe auftreten. Häufig infizieren sich Betroffene im Krankenhaus nach einer Lungenentzündung oder infolge einer Operation. Auf einem Kongress der Deutschen Sepsis-Gesellschaft und des Universitätsklinikums Jena diskutieren Experten derzeit darüber, wie die Überlebenschancen von Patienten verbessert werden können.

Sepsis kann häufig durch konsequentere Handdesinfektion verhindert werden
„Zwei Drittel der Betroffenen erwerben die Sepsis durch eine Infektion im Krankenhaus", erläuterte der Intensivmediziner Frank Brunkhorst gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Durch eine konsequentere Handdesinfektion ließe sich laut einer Studie eine Infektion vermeiden. Zudem helfe eine Impfung „Viele Sepsis-Fälle sind Folgen von Lungenentzündungen, und davor schützt die Pneumokokken-Impfung", so der Experte.

Es ist wichtig, die Entstehung einer Sepsis bereits im Vorfeld zu verhindern, denn laut einer Studie des Universitätsklinikums Jena hat nur einer von drei Patienten nach einem Zeitraum von 12 Monaten die Blutvergiftung überlebt. Wie Brunkhorst erläuterte, werde eine Sepsis häufig erst spät diagnostiziert. „Eine Sepsis zu erkennen ist nicht einfach, weil die ersten Anzeichen einer schweren Grippe ähneln", berichtete der Mediziner. „Im Krankenhaus kommt es zwar auch mal vor, dass eine Sepsis verschlafen wird, die größten Lücken gibt es aber im ambulanten Bereich." Laut Brunkhorst müsse die Ausbildung von Ärzten deshalb verbessert werden. Denn die Überlebenschancen der Patienten sinken deutlich, wenn die Blutvergiftung erst spät erkannt und behandelt wird.

Im Rahmen eines Kongresses der Deutschen Sepsis-Gesellschaft und des Universitätsklinikums Jena finden in Weimar bis Freitag Fachvorträge und Diskussion zum Thema Sepsis statt.

Anzeichen einer Sepsis
Während viele Menschen irrtümlicherweise glauben, eine Blutvergiftung zeige sich durch einen roten Strich auf der Haut, der mit dem Fortschreiten der Erkrankung Richtung Herz verläuft, treten in der Realität meist andere Symptome auf. Ein roter Strich weist lediglich darauf hin, dass eine Entzündung in den Lymphbahnen stattfindet. Das ist jedoch eher selten der Fall. Die meisten Patienten leiden bei einer Sepsis vielmehr unter grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und allgemeiner Schwäche. Zudem treten häufig Verwirrtheit und mentale Veränderungen auf, da das Gehirn als erstes Organ betroffen ist. Hinzu können Probleme beim Atmen und Anzeichen für Kreislaufversagen kommen. Der Allgemeinzustand des Betroffenen verschlechtert sich meist rasant, so dass schnellst mögliche medizinische Hilfe geboten ist.

Meist wird eine Blutvergiftung durch Keime ausgelöst, die durch offene Wunden beispielsweise bei oder nach einer Operation in den Körper gelangen und einen Entzündungsprozess anstoßen. Die Erreger können sich über die Blutbahn im gesamten Organismus ausbreiten und sämtliche Organe befallen, sofern keine Behandlung erfolgt. Die Sauerstoffversorgung der Organe verschlechtert sich daraufhin und der Patient wird Zusehens schwächer bis schließlich einzelne Organe versagen. Gelingt es den Ärzten nicht, die die Entzündung einzudämmen, versagt im letzten Krankheitsstadium der Kreislauf vollständig, so dass der Patient verstirbt. (ag)

Bild: Rolf van Melis / pixelio.de