Skandal: 500000 Euro pro Jahr für eine ehemalige DRK-Oberin

Sebastian
01Sind eine halbe Million Euro Jahresgehalt für eine DRK-Schwesternoberin gerechtfertigt?
Derzeit entbrannt eine Diskussion über die Gehälter von Führungskräften beim Deutsche Roten Kreuz (DRK). Nach Informationen des RBB Magazin „Klartext“,  soll offenbar die Mutter Oberin und Bundesverdienstkreuz-Trägerin Heidi Schäfer-Frischmann, ein Jahresgehalt von rund 500.000 Euro erhalten haben.

„Für uns heißt Menschlichkeit, sich um einander zu kümmern, man ist bei uns immer Teil einer Gemeinschaft, egal, wie jung oder alt man ist“, sagte die neue Oberin,  Doreen Fuhr, der DRK Schwesternschaft Berlin. Zu ihrer Vorgängerin und deren Gehalt will sich die neue DRK-Chefin nicht äußern. „Also, dazu kann ich Ihnen wirklich keine Auskunft geben, dazu, ist jenseits meines Wissens.“

Von nichts gewusst
Ihre Vorgängerin Heidi Schäfer-Frischmann war von 1996 bis 2012 die Oberin der DRK-Schwesternschaft Berlin. Einem gemeinnützigen Verein. Er vertritt 1.100 Mitglieder, meist Krankenschwestern. Sie arbeiten in den vereinseigenen Kliniken: im Westend, im Wedding und in Köpenick. Die Krankenhäuser bezahlen die Schwestern nicht direkt, sondern an den Verein. Der wiederum entlohnt schließlich die Schwestern. Der Job der Oberin ist es nicht, die Kliniken zu leiten. Sie ist lediglich für die 1.100 Krankenschwestern verantwortlich. Und dafür soll die Vorgängeri, die 2012 in Rente ging, 500.000 Euro jährlich zwischen 2009 und 2010 abkassiert haben.

Neben dem schon üppigen Jahresgehalt von 360.000 Euro soll es zusätzlich noch Bonis für beispielsweise wirtschaftliche Erfolge gegeben haben, so dass ein Gesamtbetrag von knapp einer halben Million Euro zustande kam.

Das sind Bezüge, von denen normaler Arbeitnehmer aber auch Chefs nicht gerade kleinerer Unternehmen nur träumen können. Zum Vergleich: Die Vorstände der Berliner Stadtreinigung oder der Verkehrsbetriebe waren 2010 mit 313000 und 305000 Euro Jahresgehalt geradezu bescheiden.

Dass die ehemalige Oberin so ein hohes Gehalt bezog, sei nur sehr wenigen involvierten Personen bekannt gewesen. Selbst die Nachfolgerin Fuhr, die immerhin schon zwei Jahre Oberin der Berliner Schwesternschaft ist, soll von dem hohen Entgelt erst durch die Recherchen des Magazins erfahren haben.

Wut und Unverständnis
Nun will das DRK handeln. So sagte eine Sprecherin: „Wir haben ein externes Gutachten durch ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen in Auftrag gegeben, welches die Angemessenheit der Vergütungshöhe der Oberin i. R. sowie die Wirksamkeit interner Kontrollmechanismen prüfen soll.“ Auf großes Unverständnis stieß der Skandal auch beim Generalsekretariat des DRK. Dr. Dieter Schütz sagte gegenüber dem „Kurier“: „Sollten die Vorwürfe zutreffen, halten wir für eine ehemalige Führungskraft der Schwesternschaft Berlin jährliche Bezüge in dieser Höhe für völlig unangemessen.“ Fassungslos zeigte sich Ellis Huber, ehemaliger Präsident der Ärztekammer: „Ein Jahresgehalt von über einer Million, das macht mich wirklich fassungslos. Und es ist mit einer gemeinnützigen Orientierung nicht vertretbar, solch exorbitant hohe Gehälter auszuwerfen.“ Gerade Pfleger und Krankenschwestern gehören zu den Niedrigverdienern in der Republik, obwohl sie an Wochenenden und in Schichtdiensten arbeiten. (sb)

Bild: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de