Smartphones steigern Diabetes-Risiko bei Kindern

Alexander Stindt
Lange Zeiten vor Fernsehern, Computern und Smartphones können zu Diabetes führen
Die meisten Eltern sollten das Problem kennen. Der beliebteste Zeitvertreib für Kinder ist meist das Fernsehen. Forscher fanden jetzt heraus, dass ein übermäßiger Gebrauch von Bildschirmgeräten wie Fernsehern, Smartphones und Laptops zu negativen gesundheitlichen Effekten führen kann. Die Gehirne und Augen von Kindern werden durch die dauernd Exposition gegenber solchen Geräten geschädigt. Außerdem haben Kinder ein erhöhtes Risiko Diabetes zu entwickeln, wenn sie mehr als drei Stunden täglich vor einem Bildschirm verbringen.

Die Wissenschaftler der University of London und der University of Glasgow stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass zu viel Zeit vor dem Bildschirm bei Kindern zu einem erhhten Diabetes-Risiko führen kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Archives of Disease in Childhood“.

In der heutigen Zeit verbringen Kinder viel Zeit vor dem Bildschirm von Smartphones und Tabletts. Die stundenlange Nutzung solcher Geräte scheint zu einem erhöhten Risiko für Diabetes zu führen. (Bild: Natallia Vintsik/fotolia.com)

Diabetes ist keine altersbedingte Erkrankung
Oft wird Diabetes als eine altersbedingte Erkrankung angesehen. Aber auch junge Menschen und Kinder können an Diabetes erkranken. Die Ursache hierfür liegt in ihrem täglichen Lebensstil. Die Zahlen der Erkrankten von Diabetes nehmen heutzutage immer weiter zu, sagen die Autoren.

Welche Auswirkungen hat Diabetes?
Bei Diabetes wird die Fähigkeit des Körpers Insulin zu produzieren behindert. Dieser Effekt verursacht einen anormalen Glukosegehalt im Blut. Bisher wurden ungesunde Essgewohnheiten, mangelnde körperliche Aktivität und genetische Vernlagung zu den Hauptursachen von Typ-2-Diabetes bei Kindern gezählt, erklären die Wissenschaftler. Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen aber, dass auch ein anderer Aspekt des sesshaften Lebensstils zu dem erhöhten Risiko für Diabetes bei Kindern beiträgt.

Lange Zeit vor dem Bildschirm kann das Körperfett erhöhen
Wenn Kinder mehr als drei Stunden täglich auf den Bildschirm ihres Smartphones, des Fernsehers oder ihres Computers starren, steigt dadurch laut Aussage der Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Typ-2-Diabetes. Die längere Zeit vor den Geräten kann zu erhöhtem Körperfett und zu einer Insulinresistenz bei Kindern führen, fügen die Mediziner hinzu.

Experten untersuchen mehr als 4.500 Probanden
Die Forscher aus Großbritannien untersuchten für ihre Studie die Daten von mehr als 4.500 Kindern. Dabei erkannten die Mediziner, dass mehr als zwei Stunden pro Tag vor den Bildschirmen von technischen Geräten zu biologischen Markern führten, welche das Risiko von Typ-2-Diabetes erhöhten.

Wie viel Zeit verbrachten Teilnehmer vor dem Bildschirm?
Bei der Untersuchung der täglichen Bildschirmzeit, einschließlich Fernseher, Computer und Spielkonsolen, wurde ersichtlich, dass nur 4 Prozent der Probanden überhaupt keine Zeit vor diesen Geräten verbrachten. 37 Prozent saßen eine Stunde oder weniger vor den Bildschirmen. 28 Prozent verbrachten zwischen einer und zwei Stunden vor dem Fernseher oder Smartphone, sagen die Forscher. 13 Prozent gaben an, dass sie ungefähr 2 bis 3 Stunden auf die Geräte starrten. 18 Prozent der Kinder schauten jeden Tag mehr als drei Stunden auf irgendwelche Bildschirme, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Jungen verbringen mehr Zeit vor dem Bildschirm
Jungen verbrachten im allgemeinen mehr Zeit mit der Nutzung von Fernsehen, Smartphones und Computern. Etwa 22 Prozent der befragten Teilnehmer nutzten mehr als 3 Stunden am Tag solche Geräte. Im Vergleich dazu lag der Wert bei Mädchen nur bei 14 Prozent, sagen die Experten.

Frühe Entstehung von Typ-2-Diabetes muss besser verstanden werden
Auch wenn potenziell einflussreiche Faktoren wie Familienhintergrund, Haushaltseinkommen, körperliche Aktivität und Pubertätsstadium berücksichtigt wurden, blieb die Verbindung zwischen Diabetes-Risikofaktoren und der Bildschirmzeit bestehen, erläutern die Forscher. Bei den in den letzten Jahren ansteigenden Fällen von Typ-2-Diabetes sei es besonders wichtig, dass die frühe Entstehung besser verstanden wird. Die festgestellten Ergebnisse zeigen, dass der jüngste Trend der Bildschirm-bezogenen Aktivitäten in der Kindheit zunimmt, sagen die Experten. Dies könnte die Verhaltensweisen im späteren Leben beeinflussen. Es gab bereits zuvor einige Studien, welche bei Erwachsenen ein erhöhtes Risiko für eine Gewichtszunahme und die Entstehung von Typ-2-Diabetes festgestellt haben, wenn viel Zeit vor dem Bildschirm verbracht wird, fügen die Autoren hinzu. (as)