Späte Behandlung von Alkoholsucht

Sebastian

Alkoholsucht wird oftmals zu spät behandelt!

(15.06.2010) Alkohol ist ein gesellschaftlich anerkanntes Berauschungsmittel. Biertrinken zum Fussball, einen Schnaps nach dem Essen oder eine Flasche Wein nach der Arbeit zum Abend. Alkohol ist für viele Menschen ein fester Bestandteil in ihrem Leben. Alkohol dient vielmals als Ausgleich zum Stress, Kummer und Sorgen. Eine Sucht erkennen die Betroffenen erst lange Zeit später, oftmals vergehen Jahre. Im Durchschnitt lassen sich Alkoholkranke erst zwölf Jahre nach Beginn der Sucht therapeutisch behandeln.

Auf dem 23. Kongress des Fachverbandes Sucht e.V. wurden eine erschreckende Zahl veröffentlicht. Im Durchschnitt dauert es bis zu 12 Jahre, bis ein Alkoholiker seine Sucht behandeln lässt. Bis dahin baut der Körper stark ab, die Leistungsfähigkeit, die Psyche und die Gesundheit werden nachhaltig geschädigt. Laut dem Fachverband Sucht dauert es viel zu lange, bis ein Arzt ein Abhängigkeitssyndrom fest stellt. "Bis dahin ist schon viel schief gelaufen", so die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans.

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Auch Volkswirtschaftlich betrachtet ist die Alkoholsucht sehr schädlich. Allein 24,4 Milliarden Euro koste die Alkoholsucht im Jahr, so das Robert-Koch-Institut. Das Institut rechnet dabei alle anfallenden Kosten zusammen, die in einem direkten Zusammenhang mit der Alkoholsucht stehen. So werden Frühverrentung, Behandlungskosten und Arbeitsunfähigkeiten mit einberechnet.

Auf dem 23. Kongress in Heidelberg der noch bis Mittwoch tagt, werden nicht nur Alkohol-Abhängigkeiten thematisiert. Doch die Alkoholkrankheit steht im Focus des Kongresses. Zudem habe man bereits hohe Erfolge in der Behandlung erzielt. Perspektivisch will man die "Frühintervention" weiter ausbauen, diese sei in den letzten Jahren zu sehr vernachlässigt worden, obwohl gerade die frühe Intervention sehr wirksam sei. Für dieses Ziel sollen vor allem Hausärzte mehr sensibilisiert werden, die ihre Patienten am Besten kennen und frühzeitig eingreifen könnten. Laut neusten Studien seien stationäre und ambulante Therapien sehr wirksam. Immerhin sind 50 Prozent der Alkoholabhängigen nach einem Jahr noch abstinent. So seien die Behandlungsmethoden in Deutschland im internationalen Vergleich sehr erfolgreich. (sb)

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Bildnachweis: Bild: Sigrid Rossmann /pixelio.de.