Truvada Pille gegen HIV

Heilpraxisnet

Hunderttausende US-Bürger sollen vorbeugend Pillen gegen HIV schlucken

15.05.2014

In den USA hat sich die nationale Gesundheitsbehörde („Centers for Disease Control and Prevention“, CDC) bei besonders gefährdeten Personen für eine prophylaktische Medikation zur Reduzierung der HIV-Ansteckungsgefahr ausgesprochen. Die sogenannte „Pre-Expositions-Prophylaxe (PrEP) ist eine Möglichkeit für Menschen mit besonders hohem HIV-Risiko sich durch eine täglich eingenommene Pille zu schützen“, so die CDC-Mitteilung.

Allerdings sieht die US-Gesundheitsbehörde die PrEP nicht als Ersatz zur Verhütung mit Kondomen, sondern als Ergänzung. In den USA ist eine Verhütung mit Kondomen unter Heranwachsenden und jungen Erwachsenen laut Medienberichten zunehmend unbeliebt, was einen wesentlichen Anteil daran haben dürfte, dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen seit Jahren auf relativ hohem Niveau stagniert. Die Empfehlungen zur Anwendung der Pre-Expositions-Prophylaxe bei hohem HIV-Risiko werden hieran vermutlich kurzfristig kaum etwas ändern, zumal dies laut Angaben der „New York Times“ bedeuten würde, dass künftig rund 500.000 Menschen täglich die Medikamente schlucken müssten.

HIV-Infektionen durch Pre-Expositions-Prophylaxe vermeiden?
Die Pre-Expositions-Prophylaxe basiert laut Angaben der CDC auf zwei Medikamenten (eines davon Truvada), die auch verwendet werden, um HIV zu behandeln. Die vorbeugende Einnahme der Arzneien verhindere, dass HI-Viren, die beim Geschlechtsverkehr oder durch die intravenöse Verabreichung von Drogen aufgenommen wurden, sich im Körper festsetzen. „In mehreren Studien zur PrEP war das Risiko einer HIV-Infektion für Teilnehmer, die das Medikament konsequent einnahmen, um bis zu 92 Prozent niedriger als für diejenigen, die keine Medikamente erhielten“, berichtet die US-Gesundheitsbehörde. Allerdings habe die PrEP nicht annähernd so gut funktioniert, wenn die Arzneien nicht täglich eingenommen wurden.

Verwendung von Kondomen weiterhin angeraten
Die US-Gesundheitsbehörde erklärte, das bei sexuell aktiven Menschen, „keine Präventionsstrategie zu 100 Prozent wirksam“ ist. Doch könne die PrEP mit anderen HIV-Präventionsmaßnahmen kombiniert werden, um den Schutz zusätzlich zu verbessern. Zur Minimierung des HIV-Risikos sei grundsätzlich auf die (richtige) Verwendung von Kondomen zu achten und vor dem ersten ungeschützten Geschlechtsverkehr werde ein HIV-Test mit der Partnerin beziehungsweise dem Partner angeraten. Besteht aufgrund einer Drogensucht erhöhte Ansteckungsgefahr, rät die US-Gesundheitsbehörde zur Teilnahme an einer Therapie und bis dato zur ausschließlichen Verwendung von sterilen Injektionsgeräten. Nicht zuletzt könne auch durch die „Wahl weniger riskanter sexueller Verhaltensweisen wie Oralsex“ die Ansteckungsgefahr reduziert werden, berichtet die CDC.

PrEP für Personen mit besonders hohem HIV-Infektionsrisiko
Die PrEP ist den Angaben der US-Gesundheitsbehörde zufolge für Menschen angeraten, die selber nicht mit HIV infiziert sind, aber einem erheblichen Infektionsrisiko unterliegen. Dies treffe zum Beispiel auf Personen zu, die in einer laufenden Beziehung mit einem HIV-infizierten Partner leben sowie auf homosexuelle oder bisexuelle Männer, die ungeschützten Analsex mit Partnern haben, deren HIV-Status unbekannt ist oder die in den vergangenen sechs Monaten an einer anderen Geschlechtskrankheit erkrankt waren. Die Empfehlung gelte des Weiteren für Menschen, die sich in den letzten sechs Monaten Drogen injiziert und das Spritzbesteck mit Anderen geteilt haben sowie für Menschen, die sich wegen des intravenösen Gebrauchs von Drogen in den letzten sechs Monaten in einer Therapie befanden. Darüber hinaus werde die PrEP auch heterosexuellen Männern und Frauen angeraten, die ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Menschen aus den genannten Risikogruppen (Drogensüchtige oder bisexuelle männliche Partner) haben.

Medikamente müssen täglich eingenommen werden
Zu der Anwendung der PrEP erläutert die US-Gesundheitsbehörde, dass die verschreibungspflichtigen Arzneien täglich eingenommen werden müssen und regelmäßig ein HIV-Test zur Kontrolle vorgesehen sei. Auch sollten sich die Betroffenen daran erinnern, dass die PrEP den Schutz durch Kondome nicht ersetzt, so die Mitteilung der CDC. „Mit Kondomen erhöht sich nicht nur der HIV- Schutz, sondern auch die Infektion mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wird vermieden“, berichtet die US-Gesundheitsbehörde.

Kritik an der Empfehlung zur medikamentösen HIV-Prävention
Die CDC spricht damit selbst einen der Kritikpunkte an, die gegenüber der PrEP-Empfehlung vorgebracht werden. Durch die Behandlung würde den gefährdeten Personen eine Sicherheit suggeriert, die sie zur Vernachlässigung des Schutzes beziehungsweise zu einem ausgeprägterem Risikoverhalten veranlassen könnte, so die Befürchtung. Auch sind die möglichen Nebenwirkung der Therapie zu bedenken, insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass hunderttausende gesunde Menschen künftig die Medikamente schlucken sollen. Zwar spricht die CDC hier in erster Linie lediglich von Magenbeschwerden und Appetitlosigkeit, die nach den ersten Monaten der Therapie meist verschwinden sollen. Doch könnten auch die Nieren und Leber in Mitleidenschaft gezogen werden. Schlimmstenfalls wären die Betroffenen am Ende krank, weil sie sich vor einer Infektion mit HIV schützen wollten. (fp)

Bild: Benjamin Klack / pixelio.de