Stoffwechsel: Fasten kann eine Fettleber abbauen

Die Leber befindet sich im rechten Oberbauch und ist das wichtigste Stoffwechselorgan in unserem Körper. (Bild: ag visuell/fotolia.com)
Fabian Peters
Stoffwechsel in der Leber durch Fasten positiv beeinflussbar
Fasten werden in vielerlei Hinsicht gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen. Nun fanden Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gemeinsam mit Kollegen des Helmholtz Zentrums München heraus, dass Fasten auch eine positive Wirkung bei Patienten mit Fettleber entfalten kann. Sie entdecken laut Mitteilung des DKFZ „neue Hinweise darauf, was auf molekularer Ebene passiert, wenn wir hungern.“

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass beim Fasten ein bestimmtes Protein produziert wird, welches den Stoffwechsel in der Leber beeinflusst. Dies habe maßgeblichen Einfluss auf die Ansammlung von Fett in dem Organ. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaft in dem Fachmagazin „EMBO Molecular Medicine“.

Fasten kann eine äußerst positive Wirkung auf den Stoffwechsel der Leber entfalten. (Bild: ag visuell/fotolia.com)
Fasten kann eine äußerst positive Wirkung auf den Stoffwechsel der Leber entfalten. (Bild: ag visuell/fotolia.com)

Stoffwechselkrankheiten ein wachsendes Problem
Die steigende Anzahl an übergewichtigen Menschen weltweit ist laut Aussage der Forscher schon seit Jahren eines der drängenden Probleme der modernen Gesellschaften. „Insbesondere die dadurch verursachten Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes und deren Folgeerkrankungen können schwerwiegende Auswirkungen haben“, warnt das DKFZ. Inwiefern eine reduzierte Aufnahme von Kalorien helfen könnte, den Stoffwechsel wieder auf Vordermann zu bringen, haben die Forscher um Adam J. Rose vom Deutschen Krebsforschungszentrum und Stephan Herzig vom Helmholtz Zentrum München nun in ihrer aktuellen Studie untersucht. „Wenn wir verstehen, wie das Fasten unseren Stoffwechsel beeinflusst, könnten wir versuchen, diesen Effekt therapeutisch herbeizuführen“, erläutert Adam Rose den Forschungsansatz.

Bei Hunger produzieren Leberzellen vermehrt ein spezielles Molekül
Die Wissenschaftler analysierten in ihrer Studie den Effekt des Fastens auf die Genaktivität von Leberzellen. „Mithilfe so genannter transcript arrays konnten sie zeigen, dass speziell das Gen für das Protein GADD45β je nach Ernährung unterschiedlich oft abgelesen wurde“, berichtet das DKFZ. Wurden die Zellen stärkerem „Hunger“ ausgesetzt, produzierten sie vermehrt das genannte Molekül. Dessen Bezeichnung leitet sich aus der Abkürzung des englischen „Growth Arrest and DNA Damage-inducible“ ab. Anhand des Namens werde deutlich, das „GADD45β bis jetzt im Zusammenhang mit der Reparatur von Schäden am Erbgut und dem Zellzyklus und nicht aus der Stoffwechselbiologie“ bekannt war, erläutert das DKFZ.

GADD45β steuert die Fettsäureaufnahme in der Leber
In ihren aktuellen Versuchen konnten die Forscher jedoch nachweisen, dass GADD45β auch dafür zuständig ist, die Fettsäureaufnahme in der Leber zu steuern. Bei Mäusen, denen das Gen fehlte, sei deutlich häufiger die Entwicklung einer Fettleber feststellbar gewesen. „Stellte man das GADD45β-Protein aber wieder her, so normalisierte sich der Fettgehalt der Leber“, berichtet das DKFZ. Außerdem habe sich der Zuckerstoffwechsel verbessert. Auch beim Menschen habe sich das Ergebnis bestätigt. „Niedrige GADD45β-Spiegel gingen mit einer erhöhten Fettanreicherung in der Leber und einem erhöhten Blutzuckerspiegel einher“, so die Mitteilung des Krebsforschungszentrums.

Therapeutische Eingriffe in den Stoffwechsel möglich?
Nach Einschätzung des Studienleiters Adam J. Rose verursacht das Fasten Stress auf die Zellen der Leber, was die die Produktion von GADD45β ankurbelt und so „den Stoffwechsel an die geringe Nahrungsaufnahme anpasst.“ Der nachgewiesene Effekt lasse sich möglicherweise nutzen, um therapeutisch in den Fett- und Zuckerstoffwechsel einzugreifen. Auch könne die Wirkung des Nahrungsentzugs eventuell durch medikamentöse Wirkstoffe nachgeahmt werden, was zusätzliche therapeutische Optionen eröffnen würde, so die Hoffnung der Forscher. (fp)

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