Studie: Ein Drittel der Asthma-Patienten leidet überhaupt nicht unter Asthma

Alexander Stindt
Studie untersucht die Lungen von Menschen mit Asthma
Anscheinend leiden viele erwachsene Asthma-Patienten nicht wirklich unter Asthma. Forscher fanden jetzt heraus, dass etwa einer von drei Erwachsenen mit diagnostiziertem Asthma möglicherweise überhaupt nicht an der chronischen Lungenstörung erkrankt ist. Aus diesem Grund könnten viele Betroffene auch problemlos ohne Medikamente gegen Asthma leben.

Die Wissenschaftler der University of Ottawa und des Ottawa Hospital Research Institute stellten bei einer Untersuchung fest, dass viele Erwachsene mit einer Diagnose für Asthma überhaupt nicht unter der Erkrankung leiden. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „JAMA“.

Asthma ist eine sehr weit verbreitete Erkrankung in der heutigen Gesellschaft. Mediziner fanden allerdings bei einer Untersuchung heraus, dass einer von drei Asthma-Patienten eventuell gar nicht an Asthma erkrankt ist. Schuld daran seien beispielsweise Fehldiagnosen und eine Remission der Erkrankung. (Bild: vchalup/fotolia.com)

Einer von drei vermeintlich Erkrankten leidet möglicherweise nicht unter Asthma
Viele Menschen auf der ganzen Welt leiden unter einer Asthma-Erkrankung. Gehören auch Sie zu diesen Patienten mit einer chronischen Lungenstörung? Dann könnte es sein, dass Sie gar nicht an Asthma erkrankt sind und bei Ihnen eine Fehldiagnose gestellt wurde. Einer von drei Erwachsenen unterliegt möglicherweise solch einer fehlerhaften Diagnose, mutmaßen die kanadischen Experten.

Mediziner entwöhnen Asthma-Patienten von ihren Medikamenten
Forscher führten für ihre Studie bei 613 Erwachsenen sogenannte Lungenfunktionstests durch. Bei allen Probanden war innerhalb der letzten fünf Jahre Asthma festgestellt worden, erläutern die Autoren. Wenn die Teilnehmer Medikamente gegen Asthma einnahmen, wurden sie von den Medizinern bei vier Klinik-Besuchen allmählich entwöhnt. So wollten die Mediziner feststellen, wie gut ihre Lunge ohne eine solche Behandlung funktioniert.

181 Probanden erzielten für Asthma-Patienten zu gute Ergebnisse bei Lungentests
Die späteren Auswertungen stellten die Forscher fest, dass bei 203 Teilnehmern (33Prozent) Asthma unwahrscheinlich war. Auch nach einem Jahr der Nachuntersuchung schlossen 181 Probanden noch immer zu gut bei Lungen-Tests ab, um mit Asthma diagnostiziert zu werden, sagen die Wissenschaftler. „Wir waren in der Lage diese Patienten vollständig von Asthma-Medikamenten zu entwöhnen“, berichten die Mediziner.

Oft lag eine falsche Diagnose vor oder die Krankheit war in Remission
Auch die Nachfolgeuntersuchungen im Laufe des nächsten Jahres verlief gut, trotz der fehlenden Medikamente, erklärt der Studienautor Shawn Aaron von der University of Ottawa. Bei einigen dieser Patienten habe eindeutig eine falsche Diagnose vorgelegen. Diese Probanden hätten andere gesundheitliche Probleme. Einige Teilnehmer litten zwar unter Asthma, aber die Erkrankung war bereits in Remission, fügt der Experte hinzu.

Symptome von Asthma
Asthma kann schwer zu diagnostizieren sein, weil nicht alle Patienten die gleichen Auslöser oder Symptome haben. Zu diesen gehören beispielsweise Schwierigkeiten beim Atmen, Schmerzen in der Brust, Husten und Keuchen, erläutern die Mediziner. Einige chronische Asthma-Patienten hatten bereits Erfahrungen mit Perioden der Remission und auftretenden Rückfällen gemacht.

Probanden mussten Atemtests durchführen
Für die aktuelle Studie überwachten die Forscher alle Patienten auf Symptome durch Atemtests zu Hause. So wollten sie beispielsweise feststellen, wie schnell die Luft aus der Lunge ausgeatmet wird. Außerdem wurde ein weiterer Test durchgeführt. Für diesen inhalierten Betroffene ein Medikament, welches die Bronchien verengt. So werden die Bedingungen simuliert, welche Asthma hervorrufen. Dadurch kann festgestellt werden, wie gut die Atemwege reagieren, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Mediziner führen an Probanden eine Nachfolgeuntersuchung durch
Jeder Patient führte zusätzlich einen sogenannten Spirometrie-Test durch. Dieser Test maß die Lungenfunktion. Er stellte fest, wie viel Luft Menschen einatmen und wie viel sie ausatmen. Teilnehmer bei denen eine Diagnose des aktuellen Asthmas letztlich ausgeschlossen wurde, mussten klinisch überwacht und mit wiederholten herausfordernden bronchialen Tests über den Zeitraum von einem Jahr kontrolliert werden.

Herzerkrankungen, pulmonale Hypertonie, COPD und GERD statt Asthma festgestellt
Unter den ursprünglich mit Asthma diagnostizierten Menschen gab es zwölf Personen (zwei Prozent der Teilnehmer) mit einer anderen schweren Erkrankung als Asthma. Zu diesen gehörten beispielsweise Herzerkrankungen und pulmonale Hypertonie, erklären die Wissenschaftler. Bei anderen Probanden wurden eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD), gastroösophagealer Reflux (GERD) oder sogenannte Angst-bezogene Hyperventilation anstatt Asthma festgestellt.

Luftstrombegrenzung nach Fehldiagnose weniger wahrscheinlich
Bei den falsch diagnostizierten Probanden war eine Luftstrombegrenzung weniger wahrscheinlich, als sie in den ursprünglichen Tests festgestellt wurde, verglichen mit Teilnehmern bei denen sich die ursprüngliche Asthma-Diagnose bestätigt hatte, erklären die Wissenschaftler.

Vorhandenes Asthma sollte durch objektive Lungentests erneut bestätigt werden
Wenn bei den Patienten Asthma ausgeschlossen werden konnte, benötigten 90 Prozent auch nach einem Jahr noch keine Medikamente. Die Studie bestätigt die Notwendigkeit für Patienten mit diagnostiziertem Asthma, die Erkrankung durch eine erneute Untersuchung mit objektiven Lungentests (vor allem der Spirometrie)zu bestätigen, sagen die Experten. So könne eine unnötige lebenslange Therapie vermieden werden.

Niemand sollte unnötig Medikamente einnehmen
Der wichtigste potenzielle Schaden durch eine Fehldiagnose von Asthma ist die mangelnde Behandlung der tatsächlichen Krankheit der Patienten, erläutern die Mediziner. Bei anderen Patienten werde nicht erkannt, dass festgestelltes Asthma bereits in Remission ist. Dies führe dann zu einer unnötigen Aufnahme von Medikamenten. Die negativen Auswirkungen von Asthma-Medikamenten sind zwar nur minimal, trotzdem sollte niemand unnötig Medikamente einnehmen, erklären die Autoren. (as)