Studie: Einer von vier Todesfällen bei Kindern hängt mit der Umweltverschmutzung zusammen

Alexander Stindt
WHO warnt vor den Auswirkungen der Umweltverschmutzung auf Kinder unter 5 Jahren
Viele Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren sind auf die zunehmende Verschmutzung unserer Umwelt zurückzuführen. Forscher fanden jetzt heraus, dass tatsächlich einer von vier Todesfällen von Kindern in diesem Alter mit verschmutzter Luft, verunreinigtem Wasser und einem generellen Mangel an Hygiene zusammenhängt.

Die Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation WHO stellten bei ihrer aktuelle Untersuchung fest, dass einer von vier Todesfällen bei Kindern unter fünf Jahren mit der vorhandenen Umweltverschmutzung zusammenhängt. Die Experten veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie.

Die Auswirkungen der Umweltverschmutzung gefährden die Gesundheit von allen Menschen weltweit. Experten fanden heraus, dass Kinder unter fünf Jahren besonders gefährdet sind. Jedes Jahr sterben Millionen von Kindern an den Folgen der Umweltverschmutzung. (Bild: ebenart/fotolia.com)

Viele Menschen auf der Welt benötigen sichere Brennstoffe zum Kochen
Die weltweit verschmutzte Umwelt verursacht den Tod von 1,7 Millionen Kindern jedes Jahr, erläutern die Autoren der WHO. Viele dieser Todesfälle könnten durch bereits geprüfte Interventionen vermieden werden. Zu diesen gehöre beispielsweise die Bereitstellung von sauberen Brennstoffen zum sicheren Kochen in Innenräumen. So könne eine gefährliche Luftverschmutzung in Wohnräumen verhindert werden.

Junge Kinder sind durch die Umweltverschmutzung besonders gefährdet
Ein verschmutztes Umfeld ist besonders für kleine Kinder eine tödliche Gefahr, sagt die Generaldirektorin der WHO Dr. Margaret Chan. Ihre sich noch entwickelnden Organe, Immunsysteme und Atemwege machen die Kinder besonders anfällig für die Auswirkungen von dreckiger Luft und verunreinigtem Wasser, so Chan weiter.

Lungenentzündung ist die Haupttodesursache bei Kindern unter fünf Jahren
Der Schaden durch die Luftverschmutzung kann bereits im Mutterleib beginnen. Die Folge davon ist, dass sich das Risiko einer vorzeitigen Geburt erhöht. Nach der Geburt besteht zum Beispiel die Gefahr, dass sich durch die auftretende Luftverschmutzung eine Lungenentzündung entwickelt. Diese Erkrankung ist die Hauptursache des Todes bei Kindern unter fünf Jahren, erläutern die Autoren. Außerdem führe die Luftverschmutzung zu lebenslangen Lungenkrankheiten wie beispielsweise Asthma und könne ebenfalls das Risiko von Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Krebs erhöhen, fügen die Spezialisten hinzu.

Umgebungseinflüsse haben eine starke Auswirkung auf das Kindersterben
Der aktuelle Bericht präsentiert eine umfassende Überprüfung der Wirkung von ungesunden Umgebungseinflüssen. Dabei fanden die Forscher heraus, dass jedes Jahr etwa 570.000 Kinder im Alter unter fünf Jahren an den Folgen von Atemwegsinfektionen versterben. Weitere ungefähr 361.000 Kinder sterben an Durchfall, der zum Beispiel als Folge von verschmutztem Wasser und mangelnder Hygiene entsteht.

Was für Auswirkungen hat die Luftverschmutzung auf unsere Kinder?
Die Experten der WHO schätzen, dass etwa elf bis vierzehn Prozent der Kinder im Alter von fünf Jahren und älter unter Symptomen von Asthma leiden. Ungefähr die Hälfte dieser Fälle stehe wahrscheinlich im Zusammenhang mit der auftretenden Luftverschmutzung. Die Untersuchung deutet außerdem darauf hin, dass die wärmeren Temperaturen und stärkere Ebenen von Kohlendioxid im Zusammenhang mit dem Klimawandel und erhöhtem Pollenflug stehen, erläutern die Mediziner. Dieser Effekt bewirkt, dass das vorhandene Asthma sich verschlimmert.

Durchfall und Malaria kosten viele Kinder das Leben
Die Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation betonen außerdem, dass ein großer Teil der Todesfälle bei Kindern durch Ursachen wie Durchfall, Malaria und Lungenentzündungen entstehe. Diese Todesfälle könnten durch eine Reduzierung der Verschmutzung unserer Umwelt verhindert werden.

Wie können wir die Todesfälle bei Kindern reduzieren?
Eine Verbesserung des Zugangs zu sauberem Wasser und sicheren Brennstoffen zum Kochen, die Entfernung von unsicheren Baustoffen und Bleifarben sowie eine Verringerung der Verwendung von gefährlichen Pestiziden und schädlichen Chemikalien könnte auf lange Sicht Unmengen von Todesfällen verhindern, erklären die Experten der WHO.

Todesfälle aufgrund von Malaria müssen verringert werden
Geschätzte 200.000 Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren entstehen alleine aufgrund von Malaria. Diese Zahl könnte deutlich verringert werden, indem eine unhygienische Trinkwasserspeicherung vermieden wird und somit die Lebensräume zum Heranwachsen von Moskitos verringert werden, sagen die Forscher.

Neue schädliche Umwelteinflüsse sind auf dem Vormarsch
Es entsteht zur Zeit eine Reihe von neuen schädlichen Umwelteinflüssen beispielsweise durch ausrangierte alte Mobiltelefone und anderen Elektroschrott. Bis zum kommenden Jahr wird dieser Abfall voraussichtlich eine Menge von 50 Millionen Tonnen erreicht haben, sagen die Experten. Werden solche Abfälle nicht richtig recycelt, können durch sie Kinder gefährlichen Toxinen ausgesetzt werden. Diese führen dann zu reduzierter Intelligenz, Aufmerksamkeitsstörungen, Lungenschäden und Krebs, warnen die Mediziner der WHO. (as)