Studie: Einsamkeit verursacht bei Jugendlichen oftmals Schlafprobleme

Alexander Stindt
Wie wirkt sich gefühlte Einsamkeit auf den Schlaf aus?
Viele Jugendliche gehen häufig zu spät ins Bett. Unter dem mangelnden Schlaf leidet dann meist die Leistung in der Schule. Ausreichende Schlafzeit zusammen mit einer guten Schlafqualität sind wichtig für unseren Nachwuchs. Forscher fanden jetzt heraus, dass ein unerwarteter Faktor die Schlafqualität von Jugendlichen ebenfalls erheblich beeinflusst. Es gibt eine Verbindung zwischen Einsamkeit und schlechter Schlafqualität.

Die Wissenschaftler des international anerkannten King’s College London stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass es einen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und schlechter Schlafqualität bei jungen Erwachsenen gibt. Die Mediziner veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie.

Unser Schlaf ist wichtig für die Gesundheit von Körper und Geist. Mediziner fanden heraus, dass Einsamkeit bei jungen Erwachsenen dazu führt, dass deren Schlafqualität massiv vermindert wird. (Bild: von Lieres/fotolia.com)

Studie umfasste mehr als 2.000 Probanden
Für ihre Arbeit untersuchten die Experten mehr als 2.000 junge britische Erwachsene. Dabei versuchten sie herauszufinden, ob es eine Verbindung zwischen Einsamkeit und schlechter Schlafqualität gibt. Die Wissenschaftler konnten feststellen, dass einsame Menschen 24 Prozent eher ermüden. Betroffene haben meist auch Schwierigkeiten, sich während des Tages zu konzentrieren, erläutern die Wissenschaftler.

Was ist Einsamkeit?
Einsamkeit wird von Forschern als ein verzweifeltes Gefühl definiert, welches die Menschen erleben, wenn sie ihre sozialen Beziehungen als unzureichend wahrnehmen. Dies unterscheidet sich von dem Konzept der sozialen Isolation, da die Menschen gesellschaftlich isoliert sein können, ohne sich einsam zu fühlen, sagen die Autoren. Betroffene können sich auch einsam fühlen, obwohl sie von vielen Menschen umgeben sind.

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Einsamkeit tritt meist im Alter zwischen 18 und 34 Jahren auf
Die Wirkung von Einsamkeit unter den älteren Menschen wurde bereits gut dokumentiert, das Problem ist jedoch auch bei jungen Menschen weitverbreitet. Einsamkeit tritt am häufigsten im Alter zwischen 18 und 34 Jahren auf, erläutern die Experten. Trotzdem sei wenig über die gesundheitlichen Probleme bekannt, die mit der Einsamkeit bei jungen Erwachsenen verbunden sind. Auch die Auswirkungen der Einsamkeit auf den Schlaf seien noch weitgehend unerforscht.

Teilnehmer mussten Fragebogen zur Einsamkeit ausfüllen
Die Forscher von King’s College London nutzten für ihre Untersuchung die Daten aus der sogenannten Environmental Risk (E-Risk) Longitudinal Twin Study. Diese Kohortenstudie umfasste 2.232 Zwillinge, welche in England und Wales geboren wurden. Einsamkeit wurde aufgrund der Antworten auf verschiedene Fragen gemessen.

25 bis 30 Prozent der Probanden berichtete über gelegentliche Einsamkeit
Außerdem wurde auch die Schlafqualität einen Monat lang gemessen. Dabei befassten sich Wissenschaftler beispielsweise mit der Zeit, welche die Probanden zum Einschlafen benötigten. Auch Schlafdauer und eventuelle Schlafstörungen wurden berücksichtigt, sagen die Forscher. Insgesamt berichteten 25 bis 30 Prozent der Probanden bei Stichproben darüber, dass sie sich manchmal einsam fühlen. Weitere fünf Prozent berichteten über häufige Gefühle der Einsamkeit. Die Forscher fanden heraus, dass die Assoziation zwischen Einsamkeit und Schlafqualität sogar bestehen blieb, nachdem die Symptome von psychischen Problemen wie Depressionen und Angst berücksichtigt worden.

Auswirkungen von vergangenen Gewaltauswirkungen beeinflussen die Schlafqualität
Ein weiterer möglicher Grund für unruhigen Schlaf bei einsamen Individuen ist, dass sie unter den Auswirkungen von vergangenen Gewaltauswirkungen leiden. Dazu gehören beispielsweise Verbrechen, sexueller Missbrauch, Kindesmisshandlung und gewaltsamer Missbrauch von Familienangehörigen. Der Zusammenhang zwischen Einsamkeit und schlechter Schlafqualität war bei den schwersten Formen der Gewalt fast 70 Prozent stärker, erläutern die Wissenschaftler.

Betroffene sollten frühzeitig professionelle Unterstützung erhalten
Verminderte Schlafqualität ist eine der vielen Möglichkeiten, wie sich die Einsamkeit auf die Lebensqualität von Betroffenen auswirkt. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Bedeutung der frühen therapeutischen Ansätze bei gefühlter Einsamkeit. Viele der Jugendlichen in unserer Studie sind derzeit an der Universität und leben zum ersten Mal alleine ohne ihre Eltern. Durch diesen Zustand kann ein Gefühl der Einsamkeit entstehen, sagen die Mediziner. Es sei daher sehr wichtig, dass Betroffene eine angemessene Unterstützung erhalten, um diese Gefühle anzugehen, bevor sie sich in schwere psychische Probleme verwandeln. (as)