Studie: Fahrradhelm kann über Leben und Tod entscheiden

Fabian Peters
Das Tragen eines Helms kann vor lebensgefährlichen Verletzungen schützen
Wer keinen Fahrradhelm trägt, riskiert bei einem Unfall schwere Kopfverletzungen. Daher wird schon lange über eine Helmpflicht diskutiert. Nun hat eine Studie aus den USA bestätigt, dass ein Helm im Falle eines Crashs tatsächlich den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten kann.

Viele empfinden den Kopfschutz als unangenehm
Am Thema „Fahrradhelm“ scheiden sich die Geister: Während die Befürworter aus Angst vor schweren Verletzungen selbstverständlich einen tragen, empfinden andere Radfahrer den Helm als unangenehm und lästig. Doch ob dafür oder dagegen – Sicherheit bietet ein Helm offenbar auf jeden Fall. Denn wie Forscher der Universität Arizona durch eine Studie zeigen konnten, sind Radfahrer mit Helm deutlich seltener von schweren Kopfverletzungen betroffen als diejenigen ohne Schutz. Die Ergebnisse präsentierte das Team um Ansab Haider nun auf einem Kongress des „American College of Surgeons“ (ACS).

Fahrradhelme können bei einem Sturz Leben retten. (Bild: arborpulchra/fotolia.com)
Fahrradhelme können bei einem Sturz Leben retten. (Bild: arborpulchra/fotolia.com)

Die Wissenschaftler hatten für ihre Forschung die Daten von insgesamt 6.267 Patienten ausgewertet, die durch einem Unfall mit dem Rad ein Gehirntrauma davontrugen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das Risiko für schwere Hirntraumata sowie für einen tödlichen Ausgang des Unfalls bei den Radlern etwa 60 Prozent niedriger war als bei denen ohne Kopfschutz. Dies gelte auch für Verletzungen, die aufgrund einer Hirnschwellung die Öffnung des Schädelknochens erfordern, so eine aktuelle Pressemitteilung des ACS. Zudem war das Risiko für Brüche im Gesichtsbereich um 26 Prozent niedriger, wenn ein Helm getragen wurde.

Unter 20-jährige tragen am seltensten einen Helm
„Wir wissen sicher, dass Helme Verletzungen bei Radunfällen vorbeugen können. Aber die wichtige Frage war: Wenn Du in einen Fahrradunfall gerätst und es zu einer Kopfverletzung kommt, inwieweit schützt der Helm dann?“, so der Wissenschaftler Ansab Haider laut der Mitteilung des ACS. Die Forscher fanden die Antwort durch die Auswertung der Patienten-Daten: „Wenn man die Gruppe derjenigen mit Hirnverletzung betrachtet, dann machte der Helm wirklich den Unterschied“, ergänzte Autor Bellal Joseph. Denn von diesen hatte insgesamt nur ein Viertel einen Helm getragen, wobei vor allem die Jüngeren oft ohne Kopfschutz unterwegs waren.

„Die niedrigste Inzidenz des Helm-Tragens konnten wir in der Altersgruppe der 10 bis 20-jährigen verzeichnen. Aber mit jedem weiterem Jahrzehnt stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Helm-Nutzung an“, erläutert Haider. Nun bestehe der nächste Schritt unter anderem darin, bessere Helme herzustellen und strengere Gesetze für den Helm-Gebrauch zu entwickeln und durchzusetzen. „Das ist es, worauf sich die zukünftigen Bemühungen konzentrieren müssen – Helme zu entwickeln, die wirklich einen Unterschied machen“, betont Dr. Bellal Joseph.

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Ist eine Helmpflicht auch in Deutschland sinnvoll?
Sollte es angesichts dieser Ergebnisse hierzulande eine Helmpflicht geben? Diese Frage wird schon seit Langem kontrovers diskutiert, seitens der deutschen Regierung bestehen jedoch derzeit keine Pläne. Wie die Nachrichtenagentur „dpa“ berichtet, betrachten z.B. die Deutsche Verkehrswacht und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) einen Helm zwar generell als „sinnvoll“. Doch der ADFC spricht sich zugleich gegen eine Helmpflicht aus, da sie „weder durchzusetzen noch zu kontrollieren“ sei. Denn diese „würde [.] die Fahrradnutzung drastisch senken und damit den Autoverkehr zunehmen lassen. Dies ist weder umwelt- noch gesundheitspolitisch zu verantworten“, so der Verband in einem Statement auf seiner Website.

Die Hannelore-Kohl-Stiftung kam zu dem Ergebnis, dass 80 Prozent der schweren Hirnverletzungen durch Helme zu verhindern wären, berichtet die Nachrichtenagentur weiter. Doch diese Meinung teilen nicht alle. Stattdessen sei dem ADFC nach „eine generelle Senkung des Unfallrisikos für Radfahrer vorrangig durch eine radfahrerfreundliche Verkehrsplanung“ zu erreichen. Darüber hinaus könnten z.B. niedrige Autogeschwindigkeiten in bewohnten Gebieten die Schwere von Unfallfolgen deutlich verringern, so der Verband weiter. (nr)