Pädophile: Das Gehirn reagiert auf Kindergesichter

Heilpraxisnet

Studie: Hirn Pädophiler reagiert stark auf Kindergesichter

21.05.2014

Sexualforscher haben in einer Studie herausgefunden, dass das Gehirn pädophiler Männer anders als das ihrer gesunden Geschlechtsgenossen auf Kindergesichter reagiert. Derzeit werde untersucht, ob mittels dieser Hirnreaktion eine Diagnose der Pädophilie möglich ist.

Pädophile reagieren stärker auf Kindergesichter
Wie eine Studie des Kieler Sexualforschers Jorge Ponseti ergab, reagieren pädophile Männer stärker auf Kindergesichter als ihre gesunden Geschlechtsgenossen. Feststellbar sei dies auch an der Hirnaktivität. Er werde aber noch untersucht, ob mittels der Hirnreaktion eine objektive Diagnose der Pädophilie möglich sei. Ponsetti und Kollegen veröffentlichten ihre Ergebnisse nun im Fachmagazin „Biology Letters“ der britischen Royal Society. „Wir haben die Hirnaktivität von pädophilen Männern und gesunden Vergleichspersonen betrachtet, während diese sich Bilder von Gesichtern unterschiedlich alter Menschen angesehen haben“, erklärte Ponseti vom Institut für Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie und Psychotherapie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa. Die Wissenschaftler nutzten dafür die funktionelle Magnetresonanztomographie.

Gesichtsverarbeitende Hirnareale zeigen mehr Aktivität
Es stellte sich heraus, dass Pädophile in gesichtsverarbeitenden Hirnarealen mehr Aktivität zeigten, wenn sie Kindergesichter betrachteten. Wie der Psychologe Ponseti erläuterte, erhöht sich die Aktivität in dieser Hirnregion bei gesunden Erwachsenen, wenn sie Gesichter von Menschen sehen, die zu ihrer sexuell bevorzugten Gruppe gehören. Das sei schon länger bekannt. „Wenn ich als heterosexueller Mann das Bild einer Frau sehe, dann wird mein gesichtsverarbeitendes Areal stärker aktiv, als wenn ich das Gesicht eines Mannes sehe.“ Die Forscher konnten jetzt jedoch ein analoges Muster bei Pädophilen feststellen. „Offenbar haben menschliche Gehirne einen Mechanismus, mit dem sie das Alter einer Person am Gesicht einschätzen können und dementsprechend unterschiedliche Verhaltensprogramme aktivieren.“ Bei Pädophilen sei die Hirnaktivität in denselben Bereichen erhöht gewesen, wie bei den gesunden Männern, dies jedoch unter anderen Vorzeichen.

Objektive Diagnose der Pädophilie
Derzeit werde am Institut untersucht, ob mittels der Hirnreaktion auf Kindergesichter eine objektive Diagnose der Pädophilie möglich ist. Ponseti zufolge würde der praktische Nutzen vor allem in der Therapieplanung liegen, da nicht jeder, der ein Kind missbraucht, pädophil sei. Nur auf etwa die Hälfte der Ersttäter treffe diese Diagnose zu. Der andere Teil würde sich an Kindern vergehen, da ihnen der Kontakt zu gleichaltrigen Sexualpartnern fehlte. Daher sehe die Therapie bei diesen Männern auch anders aus. Es sei oft schwierig festzustellen, zu welcher Gruppe ein Täter gehöre. „Hier wird oft geschwindelt. Da ist eine objektive Messung hilfreich.“ Die Kieler Wissenschaftler hatten bereits vor gut zwei Jahren die Hirnaktivitäten von pädophilen und gesunden Männern gemessen, wobei sie ihnen Bilder von nackten Erwachsenen und Kinder zeigten. Wie Ponseti erklärte, habe die automatisch generierte Zuordnungsgenauigkeit, ob jemand pädophil veranlagt sei oder nicht, bei rund 95 Prozent gelegen. Derzeit würden diese Ergebnisse unter schwierigeren Bedingungen getestet. Außerdem würden auch die jetzt veröffentlichten Daten weiter hinsichtlich ihrer Robustheit überprüft werden.

Pädophilie ist eine psychische Störung
In der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Pädophilie als „Störung der Sexualpräferenz“ eingeordnet. Ärzte sprechen von einer psychischen Störung, wenn der Drang nach einer sexuellen Beziehung zu Kindern dauerhaft und der Pädophile selbst mindestens 16Jahre alt ist. Auch wenn es keine genauen Zahlen gibt, gehen Schätzungen davon aus, dass, etwa 250.000 Deutsche pädophile Neigungen haben. Allerdings missbraucht nicht jeder Pädophile Kinder und nicht alle Sexualstraftäter sind pädophil. Eine pädophile Neigung besteht nach heutigem Forschungsstand ein Leben lang und ist nicht heilbar. Es gibt aber Präventionsprogramme und Verhaltenstherapien, in denen Betroffene unter anderem lernen sollen, Situationen zu erkennen und zu meiden, in denen sie selbst Kindern gefährlich werden könnten. Zudem wird auch häufig die sogenannte „chemische Kastration“ angewandt, bei der Medikamente den Sexualtrieb unterdrücken. (sb)

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