Studie: Ritalin erhöht offenbar das Risiko für Herzrhythmusstörungen

Bei einer sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird Kindern und Jugendlichen oft Ritalin verschrieben. Forscher fanden jetzt heraus, dass das Medikament die Wahrscheinlichkeit für Herzrhythmusstörungen erhöht. (Bild: L.Klauser/fotolia.com)
Alexander Stindt
ADHS-Medikament hat negative Wirkung auf den Herzrhythmus
Das umstrittene Medikament Ritalin wird zur Behandlung von Hyperaktivität genutzt. Insbesondere bei Kindern wird Ritalin häufig bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt. Jetzt fanden Forscher aber heraus, dass die Einnahme von Ritalin Herzrhythmusstörungen bei Jugendlichen und Kindern auslösen kann.

Ein internationales Forscherteam aus Australien, Kanada und Südkorea untersuchte die Auswirkungen von Methylphenidat (Wirkstoff in Ritalin). Das Medikament ist eine Stimulanz für das zentrale Nervensystem und wird eingesetzt, um ADHS und Narkolepsie zu behandeln. Die Arznei wird unter verschiedenen Handelsnamen verkauft, der bekannteste ist dabei wahrscheinlich Ritalin. Die Experten fanden bei ihrer Untersuchung heraus, dass die Einnahme von Methylphenidat bei Kindern bereits kurz nach dem Beginn der Behandlung zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ).

Bei einer sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird Kindern und Jugendlichen oft Ritalin verschrieben. Forscher fanden jetzt heraus, dass das Medikament die Wahrscheinlichkeit für Herzrhythmusstörungen erhöht. (Bild: L.Klauser/fotolia.com)
Bei einer sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird Kindern und Jugendlichen oft Ritalin verschrieben. Forscher fanden jetzt heraus, dass das Medikament die Wahrscheinlichkeit für Herzrhythmusstörungen erhöht. (Bild: L.Klauser/fotolia.com)

Studie untersucht Daten von über 1.200 Patienten mit kardiovaskulären Vorfällen
Die Forscher warnten im BMJ davor, dass beim Verschreiben von Medikamenten für Kinder mit ADHS zuvor sorgfältig die möglichen kardiovaskulären Risiken abgewogen werden sollten. Bereits kurz nach Beginn der Behandlung mit dem Medikament erhöht sich das Risiko für Herzrhythmusstörungen bei Kindern und jungen Menschen, sagen die Experten. Die aktuelle Studie untersuchte die Daten von 1.224 Patienten. Die erhobenen Daten stammten aus der sogenannten South Korea National Health Insurance Database. Alle Probanden waren im Alter von 17 Jahren oder jünger und hatten bereits einen kardiovaskulären Vorfall erlebt, erläutern die Mediziner. 864 Probanden litten unter Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen), 396 Teilnehmer hatten eine Hypertonie (Bluthochdruck), 52 Patienten litten unter Myokardinfarkten (Herzinfarkt), 67 Probanden hatten bereits einen Schlaganfall erlebt und 44 waren an einer Herzinsuffizienz erkrankt, fügen die Autoren hinzu.

Ritalin steigert die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Arrhythmien um 61 Prozent
Wenn Kinder Methylphenidat einnahmen, stieg die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Arrhythmien bereits in den ersten beiden Monaten der Nutzung um 61 Prozent. Während der ersten drei Tage der Behandlung ist das Risiko sogar noch höher, warnen die Wissenschaftler. Am stärksten ausgeprägt war das Risiko bei Kindern mit bereits bestehenden Herzkrankheiten. Die Gefahr bleibe zwar gering, trotzdem müssen die Vorteile des Medikaments sorgfältig abgewogen werden, raten die Mediziner. Die Forscher entdeckten kein erhöhtes Risiko für Hypertonie, ischämische Schlaganfälle oder Herzversagen.

Vorteile und Nachteile sollten genau abgewogen werden, bevor Ritalin verschrieben wird
Eine Methylphenidat Exposition bei Kindern und Jugendlichen mit einer ADHS-Diagnose, könnte möglicherweise im Zusammenhang mit Arrhythmie und Myokardinfarkten stehen. Mit dem verstärkten weltweiten Einsatz von Medikamenten gegen ADHS, sollten die Vorteile von Methylphenidat sorgfältig gegen die möglichen kardiovaskulären Risiken dieser Medikamente bei Kindern und Jugendlichen abgewogen werden, erklären die Experten. Die Autoren der Studie weisen weiter darauf hin, dass die aktuelle Untersuchung eine Beobachtungsstudie war, so dass keine festen Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung gezogen werden konnten. (as)

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