Studien: Protein-Injektion vielversprechende Behandlung gegen Alzheimer?

Forschern gelingt im Maus-Modell die Beseitungung der Alzheimer-Symptome. (Bild: Kirsty Pargeter/fotolia.com)
Fabian Peters
Rückgang der Alzheimer-Symptome durch die Injektion eines bestimmten Proteins
Eine Erkrankung an Alzheimer hat für die Betroffenen fatale Folgen. Gedächtnisverlust, Störungen der Bewegungsfähigkeit, Beeinträchtigungen des logischen Denkens und des Urteilsvermögens sind typische Symptome der Krankheit. Aussicht auf Heilung besteht bislang nicht. Allerdings haben Wissenschaftler der Universität Glasgow und der Hong Kong University of Science and Technology (HKUST) in ihrer aktuellen Untersuchung eine „vielversprechende potenzielle Behandlung“ der Alzheimer-Krankheit identifiziert. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin „PNAS“ veröffentlicht.

Den Wissenschaftlern der University of Glasgow und HKUST ist es gelungen, bei Mäusen den Gedächtnisverlust und die kognitiven Beeinträchtigungen der Alzheimer-Krankheit rückgängig zu machen. Durch die Injektion eines bestimmten Proteins gingen die Symptome innerhalb relativ kurzer Zeit zurück. Auch verringerten sich die Alzheimer-typischen Ablagerungen und die Entzündungsprozesse im Gehirn der Mäuse, so die Mitteilung der Universität Glasgow. Sollten sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, könnte sich hier nach Ansicht der Forscher eine effiziente Möglichkeit der Alzheimer-Therapie eröffnen.

Forschern gelingt im Maus-Modell die Beseitungung der Alzheimer-Symptome. (Bild: Kirsty Pargeter/fotolia.com)
Forschern gelingt im Maus-Modell die Beseitungung der Alzheimer-Symptome. (Bild: Kirsty Pargeter/fotolia.com)

Protein IL-33 mit vielversprechender Wirkung
Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie die mögliche therapeutische Verwendung des Proteins IL-33 im Mausmodell. „IL-33 ist ein Protein, das von verschiedenen Zelltypen im Körper produziert wird und besonders reichlich im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) vorkommt“, berichtet Professor Eddy Liew von der Universität Glasgow. Die Experimente wurden an genetisch manipulierten Mäusen (APP/PS1-Mäuse) durchgeführt, die mit dem Altern progressive Alzheimer-Symptome entwickeln. „Wir fanden heraus, dass die Injektion von IL-33 in gealterten APP/PS1-Mäuse rasch ihr Gedächtnis und ihre kognitive Funktion verbesserte“, so Prof. Liew. Innerhalb einer Woche habe sich ein Rückgang der Beeinträchtigungen auf das Niveau der normalen Mäusen des gleichen Alters gezeigt.

Verringerung der Alzheimer-Plaques im Gehirn
Auch die sogenannten Amyloid-Plaques (Alzheimer typische Eiweißablagerungen im Gehirn), welche mit Störungen der Verbindungen zwischen den Nervenzellen einhergehen, wurden laut Aussage der Forscher durch die Injektion des Proteins reduziert. IL-33 habe eine Mobilisierung der Mikroglia (Immunzellen im Gehirn) bewirkt, so dass diese die Amyloid-Plaques vermehrt aufnehmen und abbauen konnten. Die Anzahl und Größe der Plaques habe sich hierdurch deutlich reduziert. Nicht zuletzt zeigten die Mäuse infolge der „IL-33-Behandlung eine Hemmung der Entzündung im Hirngewebe“, so die Mitteilung der Universität Glasgow. IL-33 hilft nicht nur, die bestehende Amyloid-Pest zu beseitigen, sondern verhindert auch die Entstehung und Ablagerung neuer Plaques, betonen Prof. Liew und Kollegen.

Klinische Studie erforderlich
Zwar bleibt die Relevanz der Ergebnisse für die Behandlung von Alzheimer bei Menschen gegenwärtig unklar, aber die Hinweise seien ermutigend, so Professor Liew. Frühere genetische Studien hätten bereits eine Assoziation zwischen IL-33-Mutationen und der Alzheimer-Krankheit in europäischen und chinesischen Populationen festgestellt und das Gehirn von Patienten mit Alzheimer enthalte nachweislich weniger IL-33 als das Gehirn aus Nicht-Alzheimer-Patienten. Allerdings wurde laut Prof. Liew in der Vergangenheit oft zu leichtfertig von einem „Durchbruch“ bei der Alzheimer-Behandlung berichtet. Zunächst müssen nun umfassende klinische Studien folgen, bevor hier von einer neuen Therapieoption gegen Alzheimer gesprochen werden kann, betont der Experte. Jedoch sei ein guter Anfang gemacht, denn die Ergebnisse im Mausmodell waren nach Auffassung der Wissenschaftler durchaus vielversprechend. (fp)

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