Studien: Übergewichtige Kinder haben weniger Freunde

Fabian Peters
Übergewichtige Kinder von Freundschaften ausgeschlossen
Übergewicht ist nicht nur eine Risiko für die körperliche Gesundheit, sondern belastet auch die zwischenmenschlichen Beziehungen. So haben Wissenschaftler in einer aktuellen Studie herausgefunden, dass übergewichtige Kinder von Freundschaften häufiger ausgeschlossen werden. Dies kann schlimmstenfalls zu ernsthaften psychischen Problemen bei den betroffenen Kinder führen.

„In einer Umfrage unter 504 Teenagern in den Niederlanden fanden Forscher heraus, dass übergewichtige Kinder häufig von Freundschaften ausgeschlossen werden und selbst Klassenkameraden als Freunde bezeichnen, die ihre Sympathie nicht erwidern“, berichtet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) von den Studienergebnisse. Dicke Kinder und Jugendliche würden oft von ihren Mitschülern einfach nicht gemocht. Veröffentlicht wurde die Studie in dem Fachmagazin „PLOS One“.

Übergewichtige Kinder werden vermehrt von Freundschaften ausgeschlossen und als unsympathisch wahrgenommen. (Bild: kwanchaichaiudom/fotolia.com)

Auswirkungen des Körpergewichts auf die sozialen Beziehungen
Das Forscherteam um Studienleiterin Prof. Kaya de la Haye von der Keck School of Medicine an der University of Southern California (USC) hat in seiner aktuellen Studie untersucht, welche Auswirkungen das Körpergewicht auf die sozialen Beziehungen bei Teenagern hat. Dabei stellten die Forscher fest, dass übergewichtige Kinder zwar durchschnittlich ebenso viele Klassenkameraden der Kategorie „Freund“ zuordneten wie Kinder mit gesundem Gewicht. Aber sie erhielten 1,7-mal häufiger als ihre normalgewichtigen Altersgenossen die Bewertung „unsympathisch“ und verteilten auch 1,2-mal häufiger die Bewertung „unsympathisch“ unter ihren Gleichaltrigen.

Freundschaften der Übergewichtigen werden oft nicht erwidert
Die negativen sozialen Interaktionen können das Risiko, einsam und depressiv zu werden sowie schlechte Essgewohnheiten zu entwickeln, bei den Kindern deutlich erhöhen, warnt der BVKJ. Diese kombinierten Tendenzen würden darauf hinweisen, „dass übergewichtige Kinder in der Regel mehr nicht erwiderte Freundschaften und sogenannten Frenemy-Beziehungen (Frenemy – Wortkombination aus Friend/Freund und Enemy/Feind; Freunde, die eigentlich Feind sind) pflegen, erklärt Prof. Kaya de la Haye in einem Beitrag des Fachmagazins „Science“.

Übergewichtige werden häufiger als unsympathisch bewertet
Für die Studie haben 504 Teenager im Alter zwischen 10 und 12 Jahren Fragebögen ausgefüllt, in denen sie ihre Feinde und Freunde angeben sollten. Die Probanden stammten aus 28 Schulklassen und durchschnittlich nahmen 26 Schüler pro Klasse an der Umfrage teil. Die Wissenschaftler ordneten die Kinder anhand ihres Body-Mass-Index (BMI) verschiedenen Gewichtsklassen zu, wobei etwa 16 Prozent in die Kategorie „Übergewichtig“ fielen. Im Durchschnitt benannten die Kinder fünf ihrer Klassenkameraden als Freunde und zwei als Feinde. Allerdings nannten die übergewichtige Kinder durchschnittlich nur vier Klassenkameraden als Freund und sie wurden von drei Klassenkameraden als unsympathisch bewertet. Die übergewichtigen Kinder scheinen tendenziell weniger Freunde zu haben und wenn sie Freunde haben, dann sind dies häufig ähnlich unbeliebte Kindern, die auch dazu neigen, übergewichtig zu sein, so die Studienleiterin.

Risiko sozialer Isolation
Laut Aussage der Forscher kann das soziale Umfeld, welches durch weniger Freundschaften und mehr Antipathien geprägt ist, für übergewichtige Jugendliche mit einem erhöhten Risiko für psychosoziale Fehlanpassungen verbunden sein. Die Folge sei ein erhöhtes Risiko sozialer Isolation, die ihrerseits ungesunde Verhaltensweisen wie eine übermäßige Nahrungsaufnahme und eine geringe Teilnahme an sportlichen und körperlichen Aktivitäten fördere und so zu einer weiteren Gewichtszunahme führen kann. Ein Teufelskreis, der nur schwer durchbrochen werden kann.

Wachsende Zahl übergewichtiger Kinder
Übergewicht in der Jugend geht laut Aussage der Forscher mit einer Stigmatisierung einher, die sich extrem nachteilig auf die sozialen Beziehungen und die psychische Entwicklung der Betroffenen auswirken kann. Der wachsende Anteil übergewichtiger Kinder sei auch vor diesem Hintergrund besonders kritisch zu bewerten. Weltweit habe sich die Zahl übergewichtiger Kinder in den letzten beiden Jahrzehnten um 31 Prozent erhöht und im Jahr 2013 waren nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 42 Millionen Kinder von Übergewicht betroffen, berichten die Forscher. (fp)