Tabakkonsum: Rauchen erhöht auch das Rheuma-Risiko

Alfred Domke

Weltnichtrauchertag: Rauchen erhöht das Rheuma-Risiko

Experten zufolge gibt es zwar immer weniger Raucher in Deutschland, doch noch immer greifen viele Bundesbürger regelmäßig zu Zigaretten und gefährden so ihre Gesundheit. Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf- und Lungen-Erkrankungen, sondern auch für Rheuma. Zudem werden durch den Tabakkonsum rheumatische Schäden verschlimmert.


Tabakkonsum gefährdet die Gesundheit

Rauchen gefährdet die Gesundheit. Das steht nicht nur auf Zigarettenpackungen, sondern wurde auch in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen bewiesen. Tabakkonsumenten erkranken und sterben nicht nur an Lungenkrebs, sondern auch an verschiedenen anderen Krebsarten, Lungenleiden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem verdoppelt Rauchen das Rheuma-Risiko, wie Experten nun anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai berichten.

Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für Krebs, Lungen- und Herz-Kreislauf-Krankheiten, sondern auch für Rheuma. Außerdem werden durch den Tabakkonsum rheumatische Schäden verschlimmert. Gesundheitsexperten raten zum Rauchstopp. (Bild: mbruxelle/fotolia.com)

Über eine Viertelmillion Deutsche haben rheumatoide Arthritis

Unter dem Oberbegriff „Rheuma“ sind mehrere Hundert Erkrankungen zusammengefasst, die sich teils sehr ähnlich sind.

Die Rheumatoide Arthritis (RA) ist laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Rund 550.000 Bundesbürger leiden demnach an der Krankheit, die oft mit ständigen Gelenkschmerzen einhergeht.

Frauen sind dreifach häufiger betroffen. Der Erkrankungsbeginn ist in jedem Lebensalter möglich, liegt meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr.

Wie die DGRh nun in einer Mitteilung berichtet, steigern schon sieben Zigaretten am Tag das Erkrankungsrisiko für eine rheumatoide Arthritis um mehr als das Doppelte.

Die Experten raten Patienten deshalb anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai eindringlich zum Rauchstopp.

Rauchen schädigt alle Gewebe und Organe

Mit jedem Zug an einer Zigarette gelangt eine Mischung aus etwa 4.000 Substanzen in die Lungen. Die meisten der Schadstoffe verteilen sich über den Blutkreislauf im Körper. Deshalb schädigt Rauchen nicht nur die Atemwege, sondern alle Gewebe und Organe, erklärt die DGRh.

Zu den weniger bekannten Folgen gehört der schlechte Einfluss auf rheumatische Erkrankungen.

Die Gründe sind nach Auskunft von Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der DGRh und Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg, nicht genau bekannt:

„Wir vermuten aber, dass Rauchen Fehlfunktionen des Immunsystems hervorruft, die bei bestimmten Menschen den letzten Anstoß zur Entwicklung einer rheumatoiden Arthritis geben können.“

Dem Experten zufolge könnte Rauchen die Bildung der Antikörper fördern, die die Gelenkhaut attackieren und dadurch die Zerstörung der Gelenke in die Wege leiten.

Laut der Mitteilung sind die Studienergebnisse eindeutig: Starke Raucher erkranken deutlich häufiger an einer rheumatoiden Arthritis. Frauen sind besonders gefährdet.

Schon weniger als sieben Zigaretten am Tag steigern das Erkrankungsrisiko um mehr als das Doppelte. Das Risiko steigt bereits nach wenigen Jahren an und hält noch bis zu 15 Jahre nach dem Rauchstopp an.

Wirksamkeit von Medikamenten wird geschwächt

Außerdem haben Raucher ein höheres Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen als nicht-rauchende Rheumapatienten. Und Therapien schlagen schlechter an:

„Rauchen kann auch die Wirksamkeit von Rheumamedikamenten und hier vor allem der neueren Biologika schwächen,“ erklärt Professor Lorenz.

„Diese Patienten benötigen deshalb unter Umständen höhere Dosierungen und sind dadurch vermehrt den Nebenwirkungen der Rheumamittel ausgesetzt.“

Fortschreiten der Erkrankung wird beschleunigt

Schon frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Rauchen auch das Fortschreiten der Erkrankung beschleunigt. Eine aktuelle Untersuchung aus Schweden ergab, dass es bei Rauchern bereits zu Beginn der Erkrankung häufiger zu einer raschen Zerstörung der Gelenke kommen kann.

Emil Rydell von der Universität in Lund und Mitarbeiter haben eine Gruppe von Rheuma-Patienten über mehr als fünf Jahre begleitet.

Den Wissenschaftlern zufolge kam es bei jedem fünften Patienten während dieser Zeit trotz Behandlung zu einer raschen Verschlechterung, die sich auf den Röntgenbildern als zunehmende Verschmälerung des Gelenkspalts und durch Erosionen des Knochens zeigte.

Raucher waren besonders häufig betroffen. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift „Arthritis Research & Therapy“ berichten, kam es bei aktiven Rauchern 3,6-fach häufiger zu einer schnellen Schädigung der Gelenke. Bei früheren Rauchern war das Risiko noch um den Faktor 2,79 erhöht.

Frühzeitige Behandlung kann vor einer Zerstörung der Gelenke bewahren

„Die ersten Monate und Jahre nach Beginn der Symptome sind bei der rheumatoiden Arthritis eine entscheidende Phase“, so Professor Lorenz. Eine frühzeitige Behandlung kann heute viele Patienten vor einer Zerstörung der Gelenke und einem Verlust der Lebensqualität bewahren.

„Bei Rauchern beobachten wir leider häufig, dass die Erkrankung sich nicht ausreichend kontrollieren lässt“, sagt der Rheumatologe. Ein Rauchstopp gehört deshalb zu den wichtigsten Begleitmaßnahmen der Rheumatherapie:

„Alle Patienten sollten spätestens mit der ersten Einnahme der Medikamente mit dem Rauchen aufhören.“ Diesen Rat müsse jeder behandelnde Rheumatologe seinen Patienten im Rahmen der Behandlung mit auf den Weg geben. (ad)