Täglich versterben über 300 Deutsche vorzeitig an den Folgen des Rauchens

Alfred Domke
300 Tote pro Tag: Jeder siebte Deutsche stirbt vorzeitig am Rauchen
Rauchen schadet der Gesundheit; das weiß eigentlich jeder. Wie groß die Ausmaße sind, verwundert dann aber doch immer wieder. Experten zufolge sterben hierzulande jeden Tag rund 300 Menschen vorzeitig an den Folgen des Rauchens. Deutschland liegt bei der Tabakkontrolle im internationalen Vergleich ganz weit hinten.

Rauchen schadet der Gesundheit
Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge wird einer von zehn Todesfällen weltweit durch Rauchen verursacht. Raucher erkranken und sterben nicht nur an Lungenkrebs. Durch das Qualmen von Zigaretten erhöht sich auch das Risiko für mehrere andere Krebsarten und weitere Erkrankungen wie Raucherlunge beziehungsweise Raucherhusten, Asthma, chronische Bronchitis sowie Herzinfarkt und Schlaganfall. Durch mehr staatliche Eingriffe und einen verbesserten Nichtraucherschutz könnten zahlreiche Todesfälle verhindert werden. Doch Deutschland tut sich hier offenbar schwer.

In Deutschland sterben jeden Tag rund 300 Menschen vorzeitig an den Folgen des Rauchens. Die Tabakkontrolle hierzulande hinkt im internationalen Vergleich sehr weit hinterher. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Deutschland bei Tabakkontrolle auf dem vorletzten Platz
„Bei der Tabakkontrolle liegen wir auf einem der letzten Plätze in Europa“, erklärte Prof. Dr. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) in einer aktuellen Mitteilung anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai.

In absoluten Zahlen ausgedrückt: Deutschland liegt mit 16,3 Millionen Raucherinnen und Rauchern unter den Top Ten der Staaten mit den meisten Raucherinnen und Rauchern.

Laut einer im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Studie stirbt hierzulande jeder Siebte am Rauchen – damit liegt die Bundesrepublik sogar über dem weltweiten Durchschnitt.

Zwar ist seit dem Jahr 1990 in Deutschland die Verbreitung des Rauchens leicht zurückgegangen, allerdings deutlich weniger als im Durchschnitt aller Länder weltweit.

Der Mitteilung zufolge ging die Zahl der Rauchenden in Deutschland bei den Männern in den vergangenen 25 Jahren im Schnitt um 0,9 Prozent pro Jahr zurück, bei den Frauen lediglich um 0,3 Prozent.

Die Deutschen sind Weltmeister – bei den Zigarettenautomaten
Deutschland ist ein Tabakhochkonsumland: Eine Prävalenz von 25-28 Prozent abhängigen Raucherinnen und Rauchern wird nur noch in wenigen Ländern Europas (zum Beispiel Österreich und Griechenland) übertroffen.

„Bei den Zigarettenautomaten sind wir Weltmeister: 330.000 Automaten gibt es sonst nirgendwo“, so Stöver.

„Ihre stillschweigende Botschaft lautet meiner Meinung nach, dass Tabakkonsum zum Alltag und zum Stadtbild gehört. Deshalb fordere ich, alle Automaten abzuschaffen. Die Registrierung per Bankkarte oder Personalausweis als volljährige Person war zwar ein richtiger Schritt zum Schutz der Jugendlichen, kann aber leicht umgangen werden und geht mir nicht weit genug.“

Pro Tag sterben 300 Deutsche vorzeitig an den Folgen des Rauchens
In Deutschland gibt es jährlich 110.000 tabakbedingte Todesfälle, das heißt: pro Tag sterben 300 Menschen vorzeitig an den Folgen des Rauchens. „Folgeschäden des Rauchens sind hierzulande die häufigste Todesursache“, sagte Stöver.

Die Krankheitskosten durch Rauchen wie Arzt-, Therapie- und Krankenhausausgaben, Arbeitsausfälle sowie Nichtraucherschädigungen werden auf ca. 21 Milliarden Euro pro Jahr veranschlagt.

„Die Tabakpolitik setzt in Deutschland einseitig auf Abstinenz während schadensminimierende Strategien für diejenigen Raucher/-innen, die noch nicht aufhören können oder wollen, tabuisiert werden. Rauchreduktionsprogramme und E-Zigaretten sollte hier bedeutendere Rollen einnehmen, wie es in anderen Ländern – etwa in England – bereits erfolgt ist“, forderte Stöver.

„Zudem wird in Deutschland vergleichsweise wenig für eine effektive Tabakprävention getan. Deutschland ist das einzige Land in Europa, das noch uneingeschränkt Tabakaußenwerbung erlaubt, das darf nicht sein“, so der Experte.

„Tabakkontrollpolitik muss endlich wirksame Maßnahmen gegen das Rauchen ergreifen und konsequent Gesundheitsinteressen über wirtschaftliche Interessen der Tabakindustrie stellen. Auch Verluste durch Steuereinnahmen dürfen hier keine Rolle spielen“, sagte Stöver.

In der Vergangenheit haben sich auch andere Experten für ein Tabak-Werbeverbot stark gemacht. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist Deutschland noch immer ein Paradies für Raucher. (ad)