Thrombose: Schmerzen im Bein weisen auf gefährliche Krankheiten hin

Sebastian
Wenn die Beine plötzlich schmerzen, an der betroffenen Stelle ein Wärmegefühl auftritt, sie anschwellen und sich schwer anfühlen, könnte eine Thrombose vorliegen. Dann heißt es, schnell handeln und keine Zeit verlieren!
Thrombose-Vorsorge bei langen Reisen beachten
Die Anzahl der Thrombosen und der damit einhergehenden Komplikationen in Form einer Lungenembolie ist in letzten Jahren laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie/Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA) gestiegen. Stundenlanges Sitzen wie beispielsweise auf Bahn- oder Flugreisen gilt hier als eindeutiger Risikofaktor. Mit verschiedenen Maßnahmen kann das Thrombose-Risiko jedoch minimiert werden. Gefährdete Personen sollten hier unbedingt entsprechende Vorkehrungen treffen, um potenziell lebensbedrohlichen Folgen zu vermeiden.

Schmerzen an der Wade sind ein deutliches Warnzeichen. Bild: zlikovec - fotolia
Schmerzen an der Wade sind ein deutliches Warnzeichen. Bild: zlikovec – fotolia

Bilden sich durch die Blutgerinnung, die eigentlich als Schutzmechanismus nach Verletzungen den Körper vor dem Verbluten bewahren soll, Klumpen im Blut (griechisch Thrombos = Pfropf oder Klumpen), können diese Blutgerinnsel zum Verstopfen der Blutgefäße führen. Solche Gefäßverschlüsse, werden als Thrombose bezeichnet, wobei insbesondere die Venen laut Angaben DGA betroffen sind. Zeigen sich die Blutgerinnsel in den tiefen Bein- und Beckenvenen kann dies schnell lebensbedrohlich werden.

Drohende Lungenembolie bei einer Thrombose
Denn löst sich in einer der tiefen Bein- und Beckenvenen ein Teil des Gerinnsels ab, wird es mit dem Blutstrom über das Herz in die Lunge transportiert. Hier verschließt das Gerinnsel für die Atmung lebenswichtigen Adern und es kommt zur lebensbedrohlichen Lungenembolie, so die Mitteilung der DGA. Die Lungenembolie sei nach dem Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste zum Tode führende Herz-Kreislauf-Erkrankung in Deutschland. Den Hauptrisikofaktor für eine Thrombose bildet dabei das Lebensalter, so der DGA-Experten Holger Lawall. Ab einem Alter von 60 Jahren steige die Wahrscheinlichkeit, einer Thrombose deutlich an. Darüber hinaus hätten Personen mit Krampfadern, einer Lungen- oder Herzkrankheit sowie Raucher und Übergewichtige ein erhöhtes Thromboserisiko. Bei Bewegungsmangel wie beispielsweise nach längerer Bettlägerigkeit sei die Gefahr einer Thrombose ebenfalls erhöht. Dies gelte gleichermaßen für Menschen, die kürzlich operiert wurden. Nicht zuletzt hätten auch hormonelle Veränderungen wie beispielsweise in der Schwangerschaft oder durch die Antibabypille eine verstärkte Blutgerinnung und somit ein erhöhtes Thromboserisiko zur Folge.

Lange Bus-, Bahn- und Flugreisen ein Risiko
Lange Flug-, Bahn- und Busreisen sind für Patienten mit ohnehin erhöhtem Thromboserisiko durchaus gefährlich, da im Sitzen mit angewinkelten Beinen der Blutfluss zusätzlich gebremst wird. Aus diesem Grund sollten Personen der Risikogruppen laut Aussage von Professor Tomas Jelinek, Medizinischer Direktor des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin (BCRT), vorher mit ihrem Arzt über eine sinnvolle Vorsorge sprechen. Allerdings sei das Thromboserisiko „ansonsten auf langen Flügen oder Fahrten nicht so hoch, wie wir noch vor einigen Jahren dachten“, wird der Experte weiter zitiert. Dennoch könne es nicht schaden, gelegentlich die Beine etwas zu bewegen, mit den Zehen zu wackeln oder die Wadenmuskulatur anzuspannen. Der Wechsel von Muskelanspannung und -entspannung helfe den Venen, das Blut gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen zu transportieren. Auch könnten „spezielle Reisestrümpfe, die aus einem dichteren Nylongewebe gefertigt sind, den Blutfluss unterstützen und sie haben zudem „den angenehmen Nebeneffekt, dass die Füße nicht anschwellen“, zitiert die „dpa“ Professor Jelinek.

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Prävention mit dem Arzt absprechen
Dem Experten zufolge ist auch eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme im Sinne einer Reduzierung des Thromboserisikos sinnvoll, da das Blut flüssig gehalten werde. Allerdings sei Alkohol kontraproduktiv, weil dieser die Gefäße weite und das Blut infolgedessen in den Beinvenen versacke. Für die Langstreckenreisen erhalten Patienten mit einem hohen Thromboserisiko zudem gegebenenfalls individuell angepasste Kompressionsstrümpfe oder vorbeugende Medikamenten. Von einer eigenmächtigen Prävention wie beispielsweise mit Aspirin raten die Experten allerdings dringend ab. Auch weil die blutverdünnende Wirkung des Schmerzmittels Aspirin auf die Venen fast keinen Effekt zeige und das Arzneimittel daher keine Hilfe bei der Thrombosevorbeugung biete, so Professor Jelinek.

Dicke Beine und Füße ein Warnsignal
Das Risiko einer Thrombose ist laut Aussage der Geschäftsführerin der Deutschen Venen-Liga, Petra Hager-Häusler, nach Verletzung oder Erkrankungen im Urlaub zusätzlich erhöht. „Wer im Urlaub einen Unfall hatte oder krank geworden ist, sollte vor dem Rückflug mit dem behandelnden Arzt über eine Thromboseprophylaxe sprechen“, sagt Hager-Häusler. Ansonsten unvorbelastete Menschen hätten beispielsweise nach einer Lungenentzündung oder einem Beinbruch ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Hinweise auf eine Thrombose können Symptome wie geschwollene Fußknöchel oder dicke Beine, Wadenschmerzen und eine rötliche oder bläuliche Verfärbung der Haut sein. Allerdings seien „die Anzeichen oft nicht eindeutig“, weshalb „viele Betroffene zunächst gar nichts“ merken, so Holger Lawall. Auch können anhalten Rückenschmerzen im Zusammenhang mit einer Thrombose stehen.

Bild: Christoph Burgstedt - fotolia
Bild: Christoph Burgstedt – fotolia

Kompressionsstrümpfe und Arzneien konsequent anwenden
Bei Hinweisen auf eine Thrombose sollte laut Aussage der Experten „umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden“, da eine frühzeitige Behandlung das Risiko schwerwiegender Komplikationen in Form der Embolie deutlich reduziert. „Rund ein Drittel der Patienten mit einer tiefen Beinvenenthrombose erleidet eine Lungenembolie“, berichtet Lawall gegenüber der „dpa“. Bei rechtzeitiger Diagnose könne das Gerinnsel mit Hilfe von Blutverdünnern am Wachstum gehindert und allmählich vom Organismus aufgelöst werden.

Eine Behandlung dauert meist mehrere Monate, da in der Zeit, während der Körper versucht, den Blutpfropfen wieder zu zerlegen, das Risiko einer erneuten Thrombose hoch bleibe. Angesichts der blutverdünnenden Wirkung der Arzneien muss zudem das Risiko unerwünschter und möglicherweise gefährlicher Blutungen im Körper berücksichtigt werden. Kompressionsstrümpfe und -verbände sind ebenfalls wichtiger Bestandteil der Therapie. Durch den ausgeübten Druck auf die Venen helfen sie den Venenklappen, welche den Rückfluss des Blutes in den Venen verhindern, bei ihrer Arbeit .Konsequent die Kompressionsstrümpfe zu tragen und die Tabletten einzunehmen, sei der beste Schutz vor einem Rückfall, so Holger Lawall.

100.000 Thrombose-Todesopfer jährlich
„Allein in Deutschland sterben jährlich rund 100.000 Menschen an einem Gefäßverschluss aufgrund von thrombotischen Erkrankungen“, berichtet die DGA anlässlich des Aktionstages zur Aufklärung und Prävention von Gefäßerkrankungen. Europaweit seien jährlich über 500.000 Todesopfer zu verzeichnen. „Das sind mehr als durch Verkehrsunfälle, AIDS, Brust- und Prostatakrebs zusammen“, so die Mitteilung der DGA. Mit der diesjährigen Kampagne solle eine breite Aufklärung der Ärzte und der Öffentlichkeit zum Thema Thrombose und Lungenembolie (VTE) erfolgen, „um das öffentliche Bewusstsein für Prävention, Diagnose und Therapie dieser Erkrankung zu schärfen.“ (sb)