Top Ten der gefährlichsten Umweltgift-Quellen

Fabian Peters

Umweltorganisationen ermitteln die 10 gefährlichsten Quellen von Umweltgiften

11.11.2011

Millionen Menschen weltweit sind erheblichen gesundheitlichen Risiken durch sogenannte Umweltgifte ausgesetzt. Die Umweltorganisationen Green Cross Schweiz und das Blacksmith Institute (USA) haben jetzt eine Liste der „gefährlichsten Umweltgiftquellen des Jahres 2011“ zusammengestellt.

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Den Aussagen des aktuellen „Umweltgiftbericht 2011“ zufolge sind Umweltgifte dafür verantwortlich, das die Lebenserwartung von Millionen Menschen weltweit um durchschnittlich 12,7 Jahre verkürzt wird. Unter den zehn schwerwiegendsten Quellen der Umweltgifte sind dabei zum Beispiel die Erzgewinnung, der Bergbau, aber auch die landwirtschaftliche Produktion. Der Bericht zeichnet ein erschreckendes Bild von der Verbreitung und den gesundheitlichen Folgen der Umweltgifte, bezieht sich jedoch lediglich auf „eindeutige, ortsfeste Verschmutzungsquelle“ und Stoffe die vom technischen Beratungsausschuss des Blacksmith Institute als „toxisch“ eingestuft wurden. Ausdrücklich ausgenommen sind „Verschmutzungsprobleme, deren Quelle unklar oder räumlich verteilt ist – wie beispielsweise Autoabgase, städtische Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung aus diffusen Quelle“ oder „allgemeine Haushalts- und Gewerbeabfälle“, welche in Bezug auf die gesundheitlichen Risiken jedoch ebenfalls eine wesentliche Rolle spielen dürften.

Bergbau, Metallindustrie und chemische Industrie Hauptumweltgiftquellen
Dem aktuellen Umweltgiftbericht 2011 des Green Cross Schweiz und des Blacksmith Institute zufolge gehen die gravierendsten Gesundheitsrisiken von Umweltgiften des Bergbaus aus. Durch die hier freigesetzten Umweltgifte werden nach Schätzungen der Umweltorganisationen sieben Millionen Menschen weltweit in ihrer Gesundheit geschädigt. Aber auch von der Metallverhüttung und -gewinnung gehen laut Aussage der Experten erheblichen gesundheitliche Beeinträchtigungen für rund fünf Millionen Menschen aus. Die Umweltgifte der chemischen Industrie gefährden ihrerseits ebenfalls fast fünf Millionen Menschen. Nicht zu unterschätzten sind zudem die Gesundheitsschäden durch die Pestizide der industriellen Landwirtschaft, denen über drei Millionen Menschen weltweit ausgesetzt sind. Durch die Umweltgifte, die in Gerbereien und in der Erdöl-Industrie zum Einsatz kommen, werden laut Aussage der Umweltschutzorganisationen ebenfalls jeweils rund 1,9 Millionen Menschen in ihrer Gesundheit beeinträchtigt. Insgesamt leiden mehr als 35 Millionen Menschen weltweit unter schweren gesundheitlichen Folgen durch die Top Ten der Umweltgifte, so die Schätzung der Experten im Umweltgiftbericht 2011. Die Geschäftsleiterin des Green Cross Schweiz, Nathalie Gysi, bemängelte in einer aktuellen Pressemitteilung, dass „obwohl mindestens so viel Menschen unter umweltgiftbedingten Krankheiten leiden wie an Malaria oder Tuberkulose, die internationale Weltgemeinschaft in vielen Ländern kaum Hilfsmaßnahmen“ unterstützt.

Verlust von fast 13 Lebensjahren durch Umweltgifte
Die Erhebungen der Umweltschutzorganisationen zu den Schadstoffbelastungen an mehr als 2.000 ortsfesten Verschmutzungsquellen wurde im Rahmen des aktuellen Umweltberichts 2011 (mit der Anzahl der schätzungsweise betroffenen Einwohner und den drohenden gesundheitlichen Risiken in Verbindung gesetzt. Die gesundheitlichen Folgen wurden dabei erstmals nicht nur durch eine zu erwartende Verkürzung der Lebensdauer, sondern auch durch die in Krankheit verbrachten Jahre berücksichtigt. Bisherige umweltmedizinische Untersuchungen zu den weltweit gefährlichsten Umweltgiften hatten sich vor allem auf die Todesfälle durch die Umweltgifte konzentriert. In den entsprechenden Statistiken wurden jedoch die „schweren Behinderungen ohne tödliche Folgen“ durch Umweltgift nicht erfasst, so dass die Forscher in dem Umweltgiftbericht 2011 nach einer Möglichkeit gesucht haben, um auch die in Krankheit verbrachten Lebensjahre zu berücksichtigen. Hierfür nutzten sie den sogenannten „Disability-Adjusted Life Year“ Index, der die verlorenen oder mit einer Behinderung verbrachten Lebensjahre widerspiegelt. Der von den Experten errechnete Verlust an Lebensjahren durch die Top Ten der Umweltgifte beläuft sich demnach auf durchschnittlich 12,7 Jahre für Personen, die regelmäßig in Kontakt mit den Schadstoffen kommen.

Internationale Staatengemeinschaft zum Handeln aufgefordert
Den Umweltschutzorganisationen zufolge verdeutlicht der aktuelle Umweltgiftbericht auch den Handlungsbedarf der auf Ebene der internationalen Staatengemeinschaft besteht, um die Menschen weltweit vor den gefährlichsten Umweltgiften zu schützen. Stephan Robinson vom Green Cross Schweiz betonte, dass „die internationale Weltgemeinschaft aufgefordert“ sei, „die nötigen Ressourcen und das Engagement aufzubringen, um die Umweltgiftquellen zu beseitigen und die schwerwiegendsten Probleme sofort anzugehen.“ Dabei müsse sich die Arbeit der Staatengemeinschaft auch auf die Probleme bei den Verschmutzungsquellen vor Ort konzentrieren, erklärte Robinson. Denn entgegen der weitverbreiteten Annahme seien „viele der gravierendsten Schadstoffquellen nicht direkt auf multinationale Unternehmen zurückzuführen, sondern auf ungenügend regulierte, kleinräumige Aktivitäten wie Bergbau mit handwerklichen Mitteln, Metallrecycling und stillgelegte Betriebe“, so die Aussage des Green Cross Schweiz und des Blacksmith Institute in dem Umweltbericht 2011. Damit seien die Industriestaaten jedoch nicht von ihrer Verantwortung entbunden, denn diese tragen laut Aussage der Umweltschutzorganisationen in erheblichem Masse zu den Umweltgiftproblemen in den Entwicklungsländern bei. Die Nachfrage nach Rohstoffen und Konsumgütern, bei deren Produktion die gefährlichen Umweltgifte zum Einsatz kommen, gehe hauptsächlich von den wirtschaftlich starken Ländern aus und entsprechend werde die Umweltbelastung vor Ort durch die Industriestaaten forciert, erklärten Green Cross Schweiz und das Blacksmith Institute. (fp)