Übelkeit bei Schwangerschaft oft ein gutes Zeichen

Sebastian

Brechreiz bei Schwangerschaftsübelkeit natürlich bekämpfen

01.05.2014

Brechreiz vermiest vielen Schwangeren schon früh am Morgen den Tag. Rund drei Viertel aller werdenden Mütter leiden unter Schwangerschaftsübelkeit. Ein paar einfache natürliche Methoden können helfen, mit dem Problem umzugehen. Doch bei starken Beschwerden kann ärztliche Hilfe nötig werden.

Drei Viertel aller werdenden Mütter betroffen
Viele Schwangere haben es nicht leicht. Trotz der großen Vorfreude auf den Nachwuchs wird ihr Tag oft getrübt durch Übelkeit, die mit Brechreiz verbunden ist. Bei manchen Frauen führt das sogar soweit, dass sie sich deshalb für Wochen krankschreiben lassen müssen. Doch auch wenn die Schwangerschaftsübelkeit, die bei rund drei Viertel aller werdenden Mütter auftritt, unangenehm und lästig ist, so ist sie doch ein gutes Zeichen. Laut Angaben der Nachrichtenagentur dpa, sagte die in Kiel niedergelassene Ärztin Doris Scharrel, Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Frauenärzte: „Sie zeigt an, dass sich das Immunsystem der Mutter mit dem Organismus des Kindes auseinandersetzt.“ In der Zeit lerne der Körper der Frau, das Kind, das im Grund ein Fremdkörper sei, für die nächsten Monate zu akzeptieren. „Bei Frauen, deren Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt endet, tritt die Schwangerschaftsübelkeit viel seltener auf“, so die Expertin. Auch wenn es nicht unbedingt ein Anzeichen dafür sein muss, könne Unwohlsein auch auf eine Mehrlingsgeburt hinweisen.

Übelkeit in der Schwangerschaft ist normal
Auch die Leiterin des Referats Familienplanung/Verhütung in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Anke Erath, erklärte: „Die Übelkeit in der Schwangerschaft ist normal und kein Anzeichen für eine Krankheit.“ Unklar sei, warum es bei manchen Schwangeren zu Übelkeit und Erbrechen kommt und bei anderen nicht. Als Grund werden unter anderem hormonelle Umstellungen im weiblichen Körper vermutet. Die Beschwerden verschwinden meist ab dem vierten Monat. Zudem könnten auch psychosoziale Faktoren wie Stress, Sorgen und Streit die Dauer und Schwere des Erbrechens beeinflussen. „Es heißt auch, dass die Wahrscheinlichkeit, unter starkem Erbrechen in der Schwangerschaft zu leiden, dreifach erhöht ist, wenn die eigene Mutter bereits betroffen war“, so Susanne Quell-Liedke vom Deutschen Hebammenverband in Karlsruhe.

In schweren Fällen kann Klinikaufenthalt nötig werden
Grundsätzlich gilt, dass die Übelkeit als normale Begleiterscheinung einer Schwangerschaft einzuordnen ist, solange sie nicht die Gesundheit der Frau beeinträchtigt. Wenn sich die Schwangere jedoch zwischen fünf- und zehnmal täglich übergibt und dabei mehr als fünf Prozent ihres Ausgangsgewichts verliert, muss sie medikamentös behandelt werden. „Häufiges Erbrechen kann zu Austrocknung führen und den Säuren-Basen-Haushalt des Körpers gefährlich aus dem Gleichgewicht bringen“, erklärte Scharrel. In besonders schweren Fällen kann auch ein Klinikaufenthalt nötig werden. Erath erläuterte: „Über Infusionen werden dann dem Körper wieder Minerale und Vitamine zugeführt.“ Allerdings sind solche Fälle extremer Übelkeit während der Schwangerschaft selten. Experten gehen davon aus, dass etwa zwei bis drei Prozent der Frauen davon betroffen seien. Zu den prominenten Fällen gehört die Ehefrau des britischen Prinzen William, Herzogin Kate, als sie mit Baby George schwanger war. „Die meisten betroffenen Frauen können auch ohne starke Arzneimittel und Infusionen etwas gegen ihre Unpässlichkeit tun“, so Quell-Liedke.

Ernährung auf fettarme und leichte Kost umstellen
Für manche Frauen empfiehlt es sich,frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Vitamin B6 einzunehmen. Kaffee, Zigaretten und Alkohol sind absolut tabu. „Manchen Frauen hilft es, morgens so lange nichts zu essen und nur zum Beispiel lauwarmes Wasser, Kräuter- oder Ingwertee zu trinken, bis die Übelkeit vorbei ist“, erläuterte Scharrel. Da der Brechreiz leichter durch große Mahlzeiten ausgelöst wird als durch kleine Portionen, sollte die Ernährung auf häufige, kleine, fettarme und leichte Mahlzeiten umgestellt werden. Manche Experten verweisen auch darauf, dass Betroffene generell viel trinken und dabei auf kohlensäurehaltige Getränke möglichst verzichten sollten. Außerdem sollten Frauen schon vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit essen, wie etwa einen Zwieback oder einen Keks. Dies deshalb, weil ein niedriger Blutzuckerspiegel Übelkeit begünstigt. „Allgemein gilt, dass die Frauen das essen sollten, worauf sie Appetit haben“, meint Quell-Liedke. Die ausgewogene Ernährung könne solange warten, bis es der Schwangeren wieder besser geht.

Akupunktur und Aromatherapie gegen Schwangerschaftsbeschwerden
Schwangere sollten auf viel frische Luft im eigenen Zuhause achten, da Übelkeit vielfach durch bestimmte Gerüche ausgelöst wird. Bei der Eindämmung der Schwangerschaftsübelkeit kann zudem die klassische Homöopathie eine Möglichkeit sein. Allerdings meint Ursula Hilpert-Mühlig vom Fachverband Deutscher Heilpraktiker in Bonn: „Ein Patentrezept gibt es aber hier nicht, da in der Naturheilkunde immer sehr individuell vorgegangen wird.“ Zudem bietet sich auch Akupressur gegen die Beschwerden an. Und mit Akupunktur können etwa die psychischen Spannungen, die häufig mit zu der Übelkeit beitragen, gelöst werden. Auch eine Aromatherapie, die das Unwohlsein mit ätherischen Ölen behandelt, empfiehlt sich manchmal. „Es ist eine uralte Methode, bei aufkommender Übelkeit das Riechfläschchen zu benutzen“, erklärte Quell-Liedke. Welcher Duft dabei der richtige ist, das weiß die eigene Nase. Manche Frauen mögen den Duft von Bergamotte oder Mandarine und andere favorisieren Pampelmuse oder Pfefferminze. (sb)

Advertising