OECD: Übergewicht durch Wirtschaftskrisen

Heilpraxisnet

Immer mehr Übergewichtige und Fettleibige in Europa

04.12.2014

Übergewicht und Fettleibigkeit sind weltweit ein wachsendes Problem mit massiven Konsequenzen für die Gesundheit der Bevölkerung. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat in ihrem aktuellen Report „Gesundheit auf einen Blick: Europa 2014“ einen besorgniserregenden Anstieg des Anteils der Fettleibigen an der Gesamtbevölkerung in nahezu allen europäischen Staaten festgestellt. „Die Wirtschaftskrise dürfte dabei erheblich zum weiteren Wachstum der Fettleibigkeit beigetragen haben“, so die Mitteilung der OECD.

Die Studienautoren der OECD sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Wirtschaftskrisen, hiermit verbundenen sozialen Notlagen und dem wachsenden Anteil übergewichtiger beziehungsweise fettleibiger Menschen. So ist der Anteil der Fettleibigen an der Gesamtbevölkerung den Zahlen der OECD zufolge zum Beispiel in Griechenland auf 21 Prozent gestiegen. Auch in Spanien liege der Anteil der Fettleibigen mittlerweile ähnlich hoch wie beispielsweise in Deutschland, wo im Jahr 2013 rund 16 Prozent der Bevölkerung übergewichtig waren. Obwohl Deutschland deutlich besser durch die zurückliegende Wirtschaftskrise gekommen ist, als viele andere Staaten, war auch hierzulande in den vergangenen Jahren Übergewicht und Fettleibigkeit ein stark wachsendes Problem.

Anstieg der Fettleibigkeit in Deutschland
Den Zahlen der OECD zufolge stieg der Anteil der Fettleibigen an der Bevölkerung in Deutschland von 11,4 Prozent im Jahr 1999 auf 13 Prozent im Jahr 2003, 15 Prozent im Jahr 2009 und rund 16 Prozent im Jahr 2013. Damit zeigt sich zwar eine deutliche Abschwächung des Trends in den letzten Jahren, doch weiterhin nimmt der Anteil der Fettleibigen an der Bevölkerung zu. Insgesamt bewegt sich Deutschland heute etwa auf dem Niveau des Durchschnitts aller OECD-Staaten. Deutlich darüber liegen zum Beispiel die USA mit einem Anteil der Fettleibigen an der Gesamtbevölkerung von 28,6 Prozent im Jahr 2012.

Übergewicht und Fettleibigkeit ein ernstes Gesundheitsproblem
„Das Wachstum des Übergewichts und der Fettleibigkeit bei Erwachsenen ist ein ernstes Gesundheitsproblem“, warnt die OECD. Denn Fettleibigkeit sei „ein bekannter Risikofaktor für zahlreiche Gesundheitsprobleme, einschließlich Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einige Formen von Krebs.“ Aufgrund der Assoziation mit den chronischen Erkrankungen sei der steigende Anteil Fettleibiger mit erheblichen zusätzlichen Gesundheitskosten verbunden. Der OECD-Report kommt laut Mitteilung der Nachrichtenagentur „dpa“ jedoch an einigen Stellen auch zu positiven Ergebnissen. So habe sich beispielsweise die Sterblichkeitsrate bei klinisch versorgten Herzinfarkt-Patienten von 2000 bis 2011 um 40 Prozent reduziert und bei den Schlaganfall-Patienten sei im gleichen Zeitraum ein Rückgang um mehr als 20 Prozent zu verzeichnen gewesen. Hier habe die deutlich verbesserte Notfallversorgung beziehungsweise der Zugang von Kranken zu speziellen Betreuungseinrichtungen (zum Beispiel Stroke-Units bei Schlaganfällen) zu wesentlich besseren Überlebenschancen der Patienten beigetragen. Auch hätten sich die Heilungsaussichten bei Krebserkrankungen in zahlreichen europäischen Staaten deutlich verbessert. Die Lebenserwartung innerhalb der Europäischen Union (EU) sei insgesamt von durchschnittlich 74 Jahren 1990 auf 79,2 Jahre 2012 gestiegen. (fp)

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