Umfrage: Jeder Zweite will zu Hause sterben

Sebastian

Mehrheit der Deutschen wünscht sich Sterbebegleitung

19.02.2014

Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich laut einer aktuellen Umfrage, nicht alleine zu sterben, sondern dabei vom Lebenspartner oder Familienangehörigen begleitet zu werden. Für manche Menschen ist auch ein Hospiz eine Alternative.

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Lebenspartner und Familie als Sterbebegleiter
Etwa jeder zweite Deutsche (49 Prozent) wünscht sich, zu Hause zu sterben. Außerdem wollen 61 Prozent in ihrer letzten Stunden nicht alleine sein. Dies ergab eine repräsentative Umfrage der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Demnach wollen 82 Prozent der Befragten im letzten Augenblick ihres Lebens ihren Lebenspartner bei sich haben. 70 Prozent der Befragten gaben an, ihre Familie um sich haben zu wollen. Und jeder Fünfte (20 Prozent) sprach sich dafür aus, im Augenblock des Todes allein sein zu wollen. Nur drei beziehungsweise vier Prozent könnten sich vorstellen, im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim zu sterben. Laut ZQP sieht die Realität aber etwas anders aus und so sterben in Deutschland schätzungsweise 65 bis 75 Prozent der Menschen in stationären Einrichtungen.

Hospiz ist für manche Menschen eine Alternative
Mit 27 Prozent gab zudem fast jeder Dritte an, in einem Hospiz sterben zu wollen. Von denjenigen Befragten, die in ihrem Leben schon einmal selbst Erfahrung mit der Pflege oder Sterbebegleitung eines Angehörigen gemacht haben, wünschen sich 70 Prozent, begleitet zu sterben. Und von denjenigen, die diese Erfahrung noch nicht gemacht haben, möchten dies 56 Prozent. Jeder vierte Befragte (25 Prozent) hat angegeben, sich auch von einer professionellen Pflegekraft begleiten zu lassen. Jedoch würden nur 18 Prozent eine seelsorgerische oder spirituelle Begleitung, wie etwa einen Pfarrer, in Betracht ziehen.

Angst vor Schmerzen
Für die Mehrheit der Befragten (86 Prozent) ist das wichtigste für die Versorgung am Lebensende die maximal mögliche Linderung belastender Symptome wie beispielsweise Schmerzen, Luftnot oder Übelkeit. Und auch die Begleitung im Umgang mit Angst und Trauer halten zwei Drittel der Befragten für besonders relevant. Zudem misst mehr als jeder Zweite der Beratung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen eine hohe Bedeutung bei. Damit sie bis zuletzt zu Hause bleiben können, ist es 63 Prozent sehr wichtig, dass Hilfsmittel und Medizinprodukte verfügbar sind. Allgemein sind Schmerzen die größte Sorge, die mit dem Sterben einhergeht. So gaben 78 Prozent der Befragten an, große Befürchtungen zu haben, unter Schmerzen oder anderen sehr belastenden Symptomen zu sterben. Und 57 Prozent macht es Angst, Menschen alleine zurückzulassen.

Noch Dinge tun die Freude machen
Laut der Umfrage ist es außerdem 94 Prozent der Menschen wichtig, auch in der Phase des Sterbens noch Dinge tun zu können, die ihnen Freude machen. Und 92 Prozent wollen über die Maßnahmen in der Behandlung und Pflege selbst entscheiden können. Von denjenigen, die schon einmal einen Sterbenden gepflegt oder begleitet haben, schätzen 72 Prozent die Versorgung von Sterbenden etwa durch Ärzte, Pflegekräfte oder das soziale Umfeld als eher gut oder sogar sehr gut ein. Von den Befragten hatten 42 Prozent angegeben, bereits eine sterbende Person gepflegt beziehungsweise beim Sterben begleitet zu haben oder dass sie dies derzeit tun. Für die Umfrage befragte das Forsa-Institut im Oktober 1007 Menschen zu ihren Vorstellungen vom Sterben.

Leben bis zum Ende in Würde und Selbstbestimmtheit
Der Vorstandsvorsitzende des ZQP, Dr. Ralf Suhr, weist im Zusammenhang mit der Umfrage auf die Vorteile und Probleme der Palliativversorgung hierzulande hin: „Eine gute Palliativversorgung ermöglicht den Menschen auch mit schwerwiegenden Einschränkungen ihr Leben bis zu Ende in Würde und Selbstbestimmtheit leben zu können. Schwerstkranke, ältere Menschen haben jedoch oft keinen hinreichenden Zugang zu entsprechender Unterstützung. Zunehmende und typische Alterserkrankungen wie z. B. Demenz gelten immer noch zu selten als Einsatzfeld von Palliativversorgung oder sie wird in diesen Fällen oft zu spät in Betracht gezogen.“ Dabei trage eine gute, bedürfnisorientierte palliativmedizinische Versorgung unter anderem dazu bei, belastende Symptome zu lindern, Ängste zu verringern und Lebensqualität zu verbessern, meint Suhr. (sb)

Bild: Dieter Schütz / pixelio.de