Unkonventionelle Op: Ärzte nähten erfolgreich verbrannte Hand in Bauchdecke ein

Sebastian
Ungewöhnliche Operation zur Rettung der Hand eines 87-jähriger Texaners
In den USA haben Ärzte eine ungewöhnlichen Eingriff gestartet, um die verbrannte Hand eines 87-jährigen Mannes zu retten. Sie nähten diese in den Bauch des Patienten ein, damit sie dort heilen und mit Blut versorgt werden konnte. Eine Methode, die aus Expertensicht zwar nicht neu ist, aber nur selten in Fällen wie diesem eingesetzt wird. Dabei gilt der Eingriff als erfolgversprechend und birgt nur ein geringen Komplikationsrisiko. Der Texaner Frank Reyes hofft nun, seine Hand bald wieder ganz normal nutzen zu können.

Schwerste Verletzungen durch einen Unfall beim Reifenwechseln
Die Geschichte des 87-jährigen Frank Reyes aus Texas (USA) sorgt derzeit für viel Aufsehen und mediales Interesse. Wie die Nachrichtenagentur „AP“ berichtet, war die Hand des Mannes nach einem schweren Unfall stark verbrannt. Nachdem konventionelle Behandlungsmethoden keinen Erfolg brachten, schlug der behandelnde Arzt eine außergewöhnliche Therapie-Maßnahme vor: Er wollte die Hand des Mannes in dessen Bauchdecke einnähen, damit sie dort heilen kann.

Bild: BillionPhotos.com - Fotolia
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Reyes Enkelin erklärte dem Großvater das Vorhaben des Mediziners: „Sie werden deine Hand in Deinen Bauch legen, ein bisschen so wie bei einem Kapuzenpullover“, so Casay Reyes laut der AP. Der Patient stimmte dem Eingriff am Houston Methodist Hospital zu und verbrachte im Anschluss drei Wochen, in denen seine linke Hand unter einer Gewebetasche im Bauch versteckt war, um zu heilen und mit Blut versorgt zu werden.

Brandwunden mit Gewebe und Haut aus dem Bauch bedeckt
„Es ist ein seltsames Gefühl“, sagte er. „Aber ich tue alles, damit es besser wird.“ Am Donnerstag dieser Woche befreiten die Ärzte die Hand wieder und verdeckten die Brandwunden mit Gewebe und Haut aus seinem Bauch. Nun hoffe der Texaner, dass er seine Hand wieder so nutzen könne wie vor dem Unfall Ende Juni diesen Jahres. „Sobald es mir besser geht, will ich einen kleinen Ausflug unternehmen“, sagt er. „Hauptsächlich will ich Rinder züchten und Pferde reiten. Ich bin ein Freiluftmensch.“

Der Unfall hatte sich während des Reifenwechselns ereignet, als sich der Wagenheber löste und die Hand des Mannes gegen die Stoßstange des Autos presste. Es sei an dem Tag mehr 38 Grad heiß gewesen und bis die Rettung eintraf, sei eine halbe Stunde vergangen. Während dieser Zeit habe das Eisen „seine Hand einfach gekocht“, erklärt der behandelnde Arzt Dr. Anthony Echo vom Houston Methodist. Dabei habe es sich durch einen dicken Schutzhandschuh, die Haut, Sehnen und Gewebe gebrannt.

Konventionelle Behandlung reichte nicht aus
Die Verletzungen wurden zunächst konventionell behandelt, indem die Wunden gesäubert und bandagiert wurden. Doch es entwickelte sich eine Infektion, infolge derer der Zeigefinger des Mannes größtenteils amputiert werden musste. Zudem verschlechterte sich der Zustand der Hand immer mehr: „Seine Haut war fast vollständig abgestorben“, so die Enkelin über den Bericht der Ärzte. „Sie sagten, es sehe aus wie die Haut einer Mumie.“ Der Patient kam zu Dr. Anthony Echo, der erkannte, dass eine Transplantation von Haut oder Gewebe anderer Körperteile nicht funktionieren würde. Denn die Verletzung reichte bis zum Knochen und ohne eine gute Blutversorgung würden die Transplantate absterben, erklärt der Experte.

Eingriff erinnert an Science-Fiction-Film
Dr. Echo entschied, die Hand in den Bauch des Patienten einzunähen. „Die Haut des Bauches haftet dabei tatsächlich an der Hand“ und bilde neue Blutgefäße, so der Arzt. Offenbar der rettende Schritt, denn ohne diese Behandlung „hätte er wahrscheinlich all seine Finger verloren“, sagt Echo. Als der erfahrene Chirurg der Familie Reyes seine Idee schilderte, habe er zunächst jedoch eher verstörte Reaktionen erhalten. „Ich dachte, das käme aus einem Science-Fiction-Film“, so Casey Reyes. „Das klang verrückt“ und ihr Großvater, der nicht mehr gut hören könne, habe sie nach der Erklärung zwar „komisch angesehen“ – aber dennoch zugestimmt.

Eingriff in einer solchen Situation sehr erfolgversprechend
Laut dem plastischen Chirurgen Vijay Gorantla von der Universität von Pittsburgh, sei diese Operations-Methode jedoch nicht neu. Viele Ärzte wüssten jedoch heute nicht mehr, dass in einem Fall wie bei Reyes dieses Verfahren möglich sei. Dabei sei der Eingriff vor allem in einer solchen Situation sehr erfolgversprechend und führe nur selten zu Komplikationen. „Der Dank muss in diesem Fall den Chirurgen gelten“, so der Experte für Handtransplantationen laut der „AP“.

Die Methode werde auch eingesetzt, um einzelne Körperteile im Labor herzustellen, ergänzt Gorantla. Demnach habe eine Gruppe aus China Knorpelgewebe unter die Haut oder die Bauchwand gelegt, um Gewebe und die Blutversorgung für ein Ohr zu entwickeln. Ebenso würde das Verfahren eingesetzt, wenn z.B. die Fingerkuppe bei einem Unfall abgetrennt wird. „Man kann die Fingerspitze nehmen und sie in die Bauchwand einsetzen“. Anschließend werde diese gemeinsam mit weiterem Gewebe entnommen, um den Finger wieder aufzubauen, erklärt Vijay Gorantla. (nr)