E-Zigaretten-Verbot für Jugendliche steht bevor

Heilpraxisnet

Experten kritisieren gezielte Vermarktung der E-Zigarette für Jugendliche

30.05.2014

E-Zigaretten bleiben umstritten. Während die einen die elektronischen Glimmstängel für eine sinnvolle und gesündere Alternative zu herkömmlichen Zigaretten halten, kritisieren andere die teilweise unbekannten Inhaltsstoffe der Liquids, die gesundheitsschädlich sein könnten. Vor allem Jugendlichen wird vom Konsum der E-Zigarette abgeraten. Einige Hersteller sprechen mit ihrer Werbung aber speziell diese Zielgruppe an.

Langzeitwirkung von E-Zigaretten auf Lunge noch unbekannt
E-Zigaretten sind in modernen Designs und mit Liquids in annähernd jeder gewünschten Geschmacksrichtung erhältlich. Die meisten Produkte werden als gesündere Alternative zur herkömmlichen Zigarette vermarktet. Dabei ist gar nicht bekannt, ob die elektronischen Glimmstängel tatsächlich gesundheitlich unbedenklich sind. Viele Inhaltsstoffe wurden noch nicht auf mögliche Gefahren hin untersucht. Experten gehen aber davon aus, dass E-Zigaretten keineswegs gesundheitlich unbedenklich sind. „Im E-Zigaretten-Dampf befinden sich viele Stoffe, die in der Lunge schlichtweg nichts zu suchen haben", erläuterte Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für biomedizinische und pharmazeutische Forschung (IBMP) in Nürnberg, im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel-Online“. Die Zusatzstoffe in den Liquids könnten allergisches Asthma auslösen, so der Pharmakologe weiter. Zudem fehlte es an Untersuchungen zur Langzeitwirkung auf die Lunge. So sei die Hauptsubstanz Propylenglykol bislang nicht dahin gehend untersucht worden. „Niemand war bisher auf die abwegige Idee gekommen, den Stoff zu inhalieren", mahnt Sörgel.

Ein weiteres Problem sei die aufgenommene Nikotinmenge, die bei E-Zigaretten nicht selbst dosiert werden könne. Eine zu hohe Konzentration führe schnell zu Vergiftungen. „Bis zu den ersten Todesfällen ist es nur eine Frage der Zeit", erklärte Sörgel. Die elektronischen Glimmstängel seien darüber hinaus ideal geeignet, um illegale Drogen mit ihnen zu konsumieren, da der Dampf die Stoffe schnell im Gehirn anliefere.

Der Experte kritisiert insbesondere, die Vermarktung von Zigaretten für Jugendliche. Wenn stinkender Qualm mit Kaugummi-Aroma versetzt werde, sei das ein gefährlicher Köder für junge Menschen. „Hier wird etwas Süchtigmachendes in einer appetitlichen Form verabreicht." Der Pharmakologe sieht Parallelen zu Alkopops, die ebenfalls insbesondere auf Jugendliche zugeschnitten sind, indem die Süße der Getränke die Hemmschwelle vor dem Alkoholkonsum herabsetzt.

Einige Hersteller von E-Zigaretten sprechen gezielt Jugendliche an
Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention Berlin, erläuterte im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin, wie insbesondere Jugendliche von E-Zigaretten angesprochen werden. So seien das Design und die vielen Geschmacksrichtungen wie Vanille, Schoko oder Erdbeere attraktiv für junge Menschen. Besonders problematisch: Es fühlten sich auch Menschen von E-Zigaretten angesprochen, die normalerweise keine Zigaretten rauchen würden. „Rauchen hat inzwischen ein Schmuddel-Image bekommen. Aber die elektronischen Zigaretten werden gar nicht mit Rauchen assoziiert", erläuterte die Expertin. Die elektronischen Glimmstängel würden von vielen als „cool“ oder „in“ wahrgenommen.

Während einige Experten davon ausgehen, dass die vermeintlich gesünderen E-Zigaretten die herkömmlichen Zigaretten ablösen und damit viele Menschen vor Lungenkrebs und anderen Rauchschäden bewahren, ist Jüngling ganz anderer Meinung. Die Suchtexpertin befürchtet, dass Jungendliche zunächst zur E-Zigarette und später auch zur „echten“ Zigarette greifen. E-Zigaretten wirkten harmloser und erleichterten deshalb den Einstieg für die Jugendlichen. „Viele dieser Produkte enthalten Nikotin, und das hat ein extrem hohes Suchtpotenzial. So werden die Raucher von morgen herangezüchtet", betonte Jüngling. „Der Schritt zur richtigen Zigarette liegt deshalb nahe." Eine Studie aus dem März, die im Fachjournal „Jama Pediatrics" veröffentlicht wurde, stützt die Einschätzung der Suchtexpertin. Die Studienautoren kamen zu dem Ergebnis, dass der Konsum von E-Zigaretten Jugendliche keineswegs vom Rauchen herkömmlicher Zigaretten abhält, sondern sie sogar dazu ermutigt.

E-Zigaretten werden häufig als harmlos von Jugendlichen eingeschätzt
E-Zigaretten werden in der Bevölkerung und insbesondere von Jugendlichen häufig als harmlos wahrgenommen. Jüngling sieht den Grund dafür in der Gesetzeslage, die E-Zigaretten-Werbung im Fernsehen zulässt, aber Spots für herkömmliche Zigaretten verbietet. Zudem dürften die elektronischen Glimmstängel theoretisch sogar an Jugendliche verkauft werden. „Viele Jugendliche denken sich: Wenn es gefährlich wäre, wäre es doch verboten", berichtete die Expertin.

Auch Sörgel kritisiert die Werbung von E-Zigaretten, die teilweise gezielt auf Heranwachsende zugeschnitten sei. „Da gilt es dringend einzuschreiten." So hat ein Trend aus den USA mittlerweile auch Deutschland erreicht: E-Zigaretten-Vermarkter sponsorn Sport-Events oder einzelne Sportler. So tritt der deutsche E-Zigaretten-Vermarkter Red Kiwi als Sponsor eines Piloten der Motorsportart Rallycross auf – inklusive großzügiger Werbebanner bei dessen Rennen, wie das Nachrichtenmagazin berichtet. Zudem werde mit Prominenten wie dem Teenie-Idol Robert Pattinson, die ebenfalls E-Zigaretten-Fans sein sollen, geworben.

Wie E-Zigaretten werden auch E-Shishas unter Jugendlichen immer beliebter. Die elektronischen Wasserpfeifen werden ebenfalls in sämtlichen Geschmacksrichtungen angeboten. Anfang des Jahres warnte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung davor, E-Shishas nicht zu verharmlosen. Es würden ähnliche Gesundheitsrisiken wie bei E-Zigaretten bestehen. So würde der Dampf teilweise auch krebserregende Stoffe wie Formaldehyd, Nickel oder Chrom enthalten, informierte das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Bild: Daniel Knußmann / pixelio.de