Vereinigte IKK: Keine Fusion, jetzt Zusatzbeitrag?

Fabian Peters

Fusion geplatzt, was nun? Vereinigte IKK berät über die eigene Zukunft

02.04.2011

Die Fusion zwischen der angeschlagenen Vereinigten IKK und der IKK Classic ist geplatzt. Nun wird bei der aktuellen aktuellen Verwaltungsratssitzung der Vereinigten IKK nach einem neuen Kurs gesucht, um die eigene Position zu stärken und Zusatzbeiträge auch in Zukunft zu vermeiden.

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Zusatzbeiträge bei der Vereinigten IKK stehen – trotz der gescheiterten Fusion – nicht auf der Tagesordnung der heutigen turnusgemäßen Strategiesitzung des Verwaltungsrates, erklärte ein Sprecher der Versicherung. Allerdings würden strategische Optionen geprüft, um Zusatzbeiträge auch langfristig zu vermeiden. Die Fusion der beiden gesetzlichen Krankenversicherungen war an der schlechten finanziellen Lage der Vereinigten IKK gescheitert, berichtete ein Sprecher des Verwaltungsrates der IKK Classic.

Finanzielle Situation der Vereinigten IKK angespannt
Nachdem der Zusammenschluss von IKK Classic und Vereinigter IKK zu einer größten deutschen Krankenkassen gescheitert ist, standen auf der Verwaltungsratssitzung der Vereinigten IKK gestern und heute einige schwierige Entscheidungen bevor. Dabei galt es auch über ein Darlehensangebot in Höhe von 50 Millionen Euro zu entscheiden, das die IKK Classic laut Berichten des „Handelsbatt“ der angeschlagenen Vereinigten IKK gemacht hatte. Ob die Vereinigte IKK dieses Angebot überhaupt annehmen wird, ist bislang jedoch offen. Allerdings ist die finanzielle Situation der Vereinigten IKK mit einem Fehlbetrag von 140 Millionen Euro im vergangenen Jahr durchaus als angespannt zu bezeichnen. Die fünf Mitglieder der Dachorganisation IKK e.V. sollen laut Medienberichten bereits erste Gespräche über die Möglichkeiten zur Unterstützung der angeschlagenen Vereinigten IKK geführt haben. Ob langfristig möglicherweise doch Zusatzbeiträge für die Versicherten der Vereinigten IKK drohen, ist daher nicht auszuschließen. Die Vereinigte IKK war erst im Juli 2010 aus der Fusion zwischen der IKK Nordrhein und der Signal Iduna IKK hervorgegangen.

Positive Finanzlage bei der IKK Classic
Im Gegensatz zur relativ schwierigen finanziellen Situation der Vereinigten IKK ist die Finanzlage der IKK Classic bisher deutlich entspannter. Im Jahr 2010 konnte die IKK Classic einen Überschuss von 49 Millionen Euro erwirtschaften, wobei sie im Vergleich zur Vereinigten IKK von einer günstigeren Versichertenstruktur profitierte, erklärte der Sprecher der IKK Classic, Michael Förster. Der Versicherungssprecher schloss aufgrund der besseren strukturellen Ausgangsbedingungen die Erhebung von Zusatzbeitrag nicht nur für dieses Jahr, sondern auch für das Jahr 2012 kategorisch aus. Außerdem hoffe die IKK Classic ihre Versicherten über einen noch längeren Zeitraum als bis 2012 vor Zusatzbeiträgen zu bewahren. Im Januar 2010 waren die IKK Baden-Württemberg und Hessen, der IKK Hamburg sowie der IKK Sachsen und Thüringen zur IKK Classic fusioniert.

Ablehnung der Fusion betriebswirtschaftlich nachvollziehbar
Dass die IKK Classic sich nicht Hals über Kopf in eine Fusion mit der Vereinigten IKK gestürzt hat, ist bei den vorliegenden Zahlen aus betriebswirtschaftlicher Sicht nur zu verständlich und ein erstes Zeichen gegen den allgemeinen Fusionstrend unter den gesetzlichen Krankenversicherungen. Dieser Trend hat nach Einschätzung von kritischen Experten wie beispielsweise Rolf Stuppardt vom Bundesverband der Innungskassen ohnehin eher „wenig mit Gesundheits- ökonomischen Zielen zu tun“. Einige Krankenkassen hätten die Fusionen nur genutzt, um eine systemrelevante Größe zu erreichen und so im Falle einer möglichen Insolvenz von staatlicher Seite aus gerettet zu werden, kritisierte der Experte bereits im vergangenen Jahr. Die Vereinigte IKK als auch die IKK Classic haben eine solche Größe jedoch längst erreicht. Mehrere Millionen Mitglieder wären nicht ohne weiteres in den anderen Krankenversicherungen unterzubringen. Daher scheinen auch die aktuellen freiwilligen Hilfsangebote in Richtung der Vereinigten IKK eher als Pflichtleistungen, denn die finanzielle Schieflage der angeschlagenen Krankenkasse muss im Sinne der ganzen Branchen möglichst schnell überwunden werden. (fp)

Bild: Chris Beck / pixelio.de