Vererbte Depressionen: Mütter und Töchter haben beinahe identische Gehirnstrukturen

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Sebastian
Eltern können die Veranlagung für eine psychische Erkrankung an die nächste Generation weiter geben. Leidet der Vater oder die Mutter z.B. an einer Depression, haben folglich auch die Kinder ein höheres Risiko als andere Menschen, ebenfalls zu erkranken. Doch offenbar „vererben“ depressive Mütter ihr Leiden häufiger an ihre Töchter als an die Söhne. Wissenschaftler konnten diesen erstaunlichen Zusammenhang nun aufklären und veröffentlichten ihre Ergebnisse im „Journal of Neuroscience„.
Limbisches System reagiert bei weiblichen Mäusen anderes als bei männlichen
Bei dem so genannten „limbischen System“ handelt es sich um einen Teilabschnitt des Gehirns, welcher sich oberhalb des Hirnstamms befindet. Es besteht aus mehreren Strukturen, welche vor allem für die Verarbeitung von Emotionen und Gedächtnisprozesse zuständig sind. Hierzu zählen beispielsweise die auch als „Angstzentrum“ bezeichnete Amygdala, der Hippocampus, Gyrus parahippocampalis und der Corpus mamillare, welcher auch die Sexualfunktionen beeinflussen kann.

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Schon vor Jahren hatten Forscher in Tierstudien herausgefunden, dass das limbische System in den Gehirnen von weiblichen und männlichen Babymäusen offenbar unterschiedlich „tickt“. Denn die Wissenschaftler erkannten, dass eine erhöhte Stressbelastung der Mäusemutter in der Schwangerschaft eine stärkere Auswirkung auf die Gehirnstruktur der weiblichen Nachkommen hat. Teile des limbischen hatten bei ihnen stärker auf die Belastung reagiert als es bei den männlichen Baby-Mäusen der Fall war.

Gehirne von Müttern und Söhnen weniger ähnlich
Bekannt war zudem schon länger, dass Töchter von Müttern mit Depressionen ein höheres Risiko als die Söhne haben, selbst depressiv zu werden. Ein Team von Wissenschaftlern um Fumiko Hoeft von der University of California ging nun der Frage nach, ob sich dieser Zusammenhang möglicherweise auf Ähnlichkeiten der Gehirnstrukturen zwischen zwischen Müttern und Töchtern zurückführen ließe. Hoeft und ihre Kollegen untersuchten 35 Familien, bei denen keine Depressionen diagnostiziert wurden mithilfe der Magnetresonanztomografie und verglichen das Volumen der grauen Substanz im limbischen System der Eltern und ihrer Kinder. Es zeigte sich, dass die Gehirne von Müttern und Töchtern tatsächlich mehr Ähnlichkeiten aufwiesen als die von Müttern und Söhnen oder Vätern und ihren Kindern.

Diese Feststellung bedeute jedoch nicht, dass Mütter verantwortlich seien für eine Depression bei der Tochter, betonte Fumiko Hoeft laut einer Pressmitteilung der University of California. „Bei einer Depression spielen viele Faktoren eine Rolle: Gene, die nicht von der Mutter stammen, das soziale Umfeld und Lebenserfahrungen, um drei zu nennen. Die Mutter-Tochter-Übertragung ist nur ein Teil davon“, so die Wissenschaftlerin weiter.

Laut Hoeft sei davon auszugehen, dass durch den Einsatz von MRI-Scans zukünftig nicht nur Depressionen, sondern auch andere neuropsychiatrische Krankheiten (wie z.B. Alzheimer oder Schizophrenie), bei denen die Gene eine Rolle spielen, besser erforscht werden können. „Die Betrachtung generationsübergreifender Muster im menschlichen Gehirn öffnet die Tür zu einem ganz neuen Weg in der Forschung“, resümiert die Wissenschaftlerin. (nr)

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