Viele Frauen haben Angst vor ihren eigenen Brüsten

Die Angst vor Brustkrebs: Immer mehr Frauen fürchten sich vor ihren eigenen Brüsten. Bild: Eskymaks- fotolia
Sebastian
Viele Frauen lassen aus Angst vor Krebs einen Gentest durchführen
Vor knapp drei Jahren ließ sich die US-amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie aufgrund eines stark erhöhten Risikos für genetisch bedingten Brustkrebs beide Brüste entfernen. Ein drastischer Schritt, welcher eine Welle an Nachfragen auch an deutschen Kliniken und Brustzentren auslöste. Der Beratungsbedarf ist auch heute noch groß und immer mehr Frauen lassen sich aus Angst vor Krebs genetisch untersuchen.
Brust-Amputation bei Angelina Jolie schlägt hohe Wellen
Brustkrebs stellt bei Frauen die häufigste Krebsart dar, an welcher rund 70.000 Menschen pro Jahr erkranken. In fünf bis zehn Prozent der Fälle spielt die genetische Veranlagung eine Rolle für die Entstehung, doch es gibt einen speziellen Test, der entsprechende Veränderungen des Erbguts nachweisen kann. Ein positives Ergebnis bedeutet ein deutlich erhöhtes Risiko und stellt die betroffene Frau vor die Entscheidung über eine mögliche Operation. Das bekannteste Beispiel ist die Schauspielerin Angelina Jolie, die sich aufgrund ihrer familiären Vorgeschichte vor knapp drei Jahren beide Brüste abnehmen und die Eierstöcke entfernen ließ.

Die Angst vor Brustkrebs: Immer mehr Frauen fürchten sich vor ihren eigenen Brüsten. Bild: Eskymaks- fotolia
Die Angst vor Brustkrebs: Immer mehr Frauen fürchten sich vor ihren eigenen Brüsten. Bild: Eskymaks- fotolia

Der Fall des bekannten Hollywood-Stars löste einen Ansturm an Anrufen und Nachfragen in den bundesweit 15 Zentren aus, die auf familiären Brust- und Eierstockkrebs spezialisiert sind. Viele Frauen erkundigten sich nach den Möglichkeiten einer Vorsorgeuntersuchung, erklärt Claus Bartram, Direktor des Instituts für Humangenetik am Universitätsklinikum Heidelberg, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Doch ein Großteil hätte sich demnach umsonst Sorgen gemacht, da bei ihnen kein familiäres Risiko für Brustkrebs bestand, so Bartram weiter. Denn dies trifft nur bei einem geringen Anteil zu.

Nur fünf bis zehn Prozent der Erkrankungen sind erblich bedingt
Jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, doch es gibt zwei Genmutationen, die das Risiko für eine Erkrankung bis zu 80 Prozent erhöhen können. Bezeichnet werden die Risikogene als „BRCA1“ und „BRCA2“, wobei der Begriff „BRCA“ für „BReast Cancer“ steht, was aus dem Englischen stammt und Brustkrebs bedeutet. Ist eines der beiden Gene verändert, steigt auch die Wahrscheinlichkeit für andere Tumore wie Eierstock- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Etwa ein Drittel der erblich bedingten Brusttumore würden laut Bartram durch die bereits 1994 und 1995 entdeckten Mutationen verursacht – doch nur ein geringer Anteil von etwa fünf bis zehn Prozent der Neuerkrankungen sei überhaupt erblich bedingt.

Brustkrebs stellt nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland dar. Laut dem Robert-Koch-Institut erkranken jährlich rund 70.000 Menschen neu daran, etwa 17.500 Frauen sterben jedes Jahr. Jede vierte Betroffene ist jünger als 55 Jahre, jede zehnte sogar unter 45. Eierstockkrebs wird jährlich bei rund 7800 Frauen diagnostiziert, doch Gesundheitsexperten weisen immer wieder darauf hin, dass Eierstockkrebs gefährlicher als Brustkrebs ist, da er weniger gut erkennbar ist. Für viele betroffene Frauen kommt daher jede Hilfe zu spät, etwa 5800 Frauen sterben jedes Jahr an den Tumoren.

Ausführliche Beratung vor dem Gentest wichtig
Ein Gen-Test kann daher sinnvoll sein, wenn in einer Familie beispielsweise schon die Mutter und Oma an Brustkrebs erkrankt sind und dadurch ein stark erhöhtes Krebsrisiko besteht. Die Untersuchung kostet jedoch 3.000 Euro und nicht alle Krankenkassen übernehmen die Kosten, da durch diesen im Endeffekt keine Erkrankung, sondern nur eine geschätzte Wahrscheinlichkeit erkannt wird. Für Bartram eine schwierige Situation, denn seiner Ansicht nach dürfe es niemandem vorenthalten werden, „präventiv und selbstbestimmt zu handeln“. Demnach seien standardisierte, kostengünstigere Verfahren nötig, mit denen weibliche Verwandte gezielter getestet werden können, wenn es bereits ein positives Ergebnis in der Familie gibt. Etwas anders sieht es bei den Ersatzkassen aus, denn diese würden die Kosten für den Test übernehmen, sofern ein Verdacht auf erblichen Brust- und Eierstockkrebs bestehe, erklärt Michaela Gottfried vom Verband der Ersatzkassen (vdek). „Die Analyse kann verbunden mit einer intensiven Beratung Klarheit für eine Familie bedeuten“, so die Pressesprecherin weiter.

Möchte eine Frau den Test durchführen lassen, sollte sie sich jedoch im Vorfeld ausführlich beraten lassen. Denn fällt das Ergebnis positiv aus, steht die Frau vor einer schweren Entscheidung. Um mit dem Testergebnis verantwortungsvoll umgehen zu können, sei es Bartram zufolge wichtig, die individuelle Situation der Betroffenen vor der Untersuchung genau zu analysieren. Auch der Umgang mit einem negativen Ergebnis müsse berücksichtigt werden, denn „manche Menschen reagieren auf das Testergebnis mit Schuldgefühlen. Beispielsweise, weil die eigene Schwester oder Mutter Trägerin der BRCA-Mutation, die Patientin selber aber verschont geblieben ist“, erläutert der Experte.

Entscheidung über nächsten Schritt fällt meist sehr schwer
Der BRCA-Test ergibt trotz tausender unterschiedlicher Mutationsvarianten normalerweise ein eindeutiges Ergebnis. Lediglich bei etwa fünf bis zehn Prozent der Untersuchungen könnten die gefundene Mutation laut Bartram nicht auf eine mögliche Gefährlichkeit hin abgeschätzt werden. Trägt eine Frau eine der Gen-Mutationen in ihrem Erbgut und hat dadurch ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko, kann sie sich für eine vorbeugende Operation entscheiden. Dies betrifft nicht nur die Amputation der Brust (Mastektomie), sondern auch Eileiter und Eierstöcke können entfernt werden. Angela Jolie hatte sich im Frühjahr 2015 zu diesem Schritt entschieden und sich vorsorglich auch die Eierstöcke entfernen lassen, nachdem bei ihr das Risiko für Eierstockkrebs auf 50 Prozent geschätzt worden war.

Frauen entscheiden sich nur selten für eine vorsorgliche Brust-Amputation
Doch die Entscheidung für oder gegen eine Amputation kann für die Betroffenen extrem schwer werden, denn niemand kann mit Sicherheit sagen, ob die Frau im Laufe ihres Lebens tatsächlich an Krebs erkrankt. Laut Ditsch würden sich letztendlich nur wenige der Frauen für eine präventive Abnahme der Brust entscheiden. „Eine Entfernung der Eierstöcke und Eileiter empfehlen wir dagegen generell Mutationsträgerinnen ab 40 Jahren“, erklärt die Münchner Krebsexpertin. Denn durch diesen Eingriff würde das Krebs-Risiko in diesem Bereich von 25 bis 55 Prozent auf etwa 2 Prozent sinken – ein wichtiger Schritt, gerade weil der Eierstockkrebs in vielen Fällen erst spät entdeckt und damit schwerer zu behandeln ist.

Neben dem könnten betroffene Frauen durch den Eingriff noch anderweitig profitieren, denn „die Entfernung der Eierstöcke bewirkt deutliche hormonelle Veränderungen im Körper, da die Menopause verfrüht ausgelöst wird“, erklärt Ditsch weiter. Dadurch sinke auch die Wahrscheinlichkeit für eine Brustkrebserkrankung deutlich, mögliche Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen könnten dann gut mithilfe künstlicher Hormone behandelt werden, so die Expertin. (nr)

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