Virtual Reality könnte eine effektive Therapie von psychischen Erkrankungen sein

Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass mit der Hilfe von sogenannten Virtual Reality Geräten psychische Erkrankungen wie beispeilsweise Paranoia effektiv behandelt werden können. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)
Alexander Stindt
Computerprogramme können bei der Behandlung von Paranoia und anderen Phobien helfen
Psychische Erkrankungen sind meist nur sehr schwer zu behandeln. Somit suchen Mediziner nach immer neuen zuverlässigen Behandlungsmethoden. Gerade eine auftretende Paranoia macht den Erkrankten eine Teilnahme am Alltag fast unmöglich. Jetzt fanden Forscher heraus, dass es mit der Hilfe von sogenannten Virtual Reality (VR) Geräten möglich ist, vielen Betroffenen ihre Ängste zu nehmen und somit ein normales Leben zu führen.

Wenn Menschen an Paranoia (oft auch als Verfolgungswahn bezeichnet) erkrankt sind, fällt es ihnen sehr schwer, am normalen Leben teilzunehmen. Betroffene leiden unter einem systematisierten Wahn, erleben ihre Umwelt als verzehrt und sind oft sehr misstrauisch. Nun stellten Forscher von der Universität Oxford bei einer Untersuchung fest, dass mit der Hilfe von Virtual-Reality-Geräten Patienten mit Paranoia effektiv behandelt werden können. Die Forscher veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The British Journal of Psychiatry“.

Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass mit der Hilfe von sogenannten Virtual-Reality-Geräten psychische Erkrankungen wie beispeilsweise Paranoia effektiv behandelt werden können. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)
Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass mit der Hilfe von sogenannten Virtual Reality Geräten psychische Erkrankungen wie beispeilsweise Paranoia effektiv behandelt werden können. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Neuer Test ermöglicht bessere Konfrontation mit bestehenden Ängsten
Bei ihrer Untersuchung analysierten die Forscher die Daten von dreißig Probanden, die normalerweise große Probleme damit hatten mit anderen Personen umzugehen. So fühlten sich die Testpersonen beispielsweise unsicher und unwohl, wenn sie in einem Aufzug stehen mussten und dabei von anderen Personen umgeben waren, erläutern die Experten. Innerhalb der neuen Studie wurden die Teilnehmer in der virtuellen Realität einer solchen Situation ausgesetzt, um einen richtigen Umgang zu erlernen und sich wieder sicherer zu fühlen.

Am Anfang des Tests waren nur wenige virtuelle Personen im Aufzug mit dem Probanden. Die Ärzte konnten dann immer mehr, durch den Computer generierte Personen in die Szene einfügen. So war es den Patienten möglich, sich immer weiter mit ihren Ängsten auseinanderzusetzen, erklären die Experten. Am Ende der Untersuchung hatten etwa zwanzig Prozent aller Teilnehmer keine Anzeichen mehr von einer schweren Paranoia. Dieser Wert stieg sogar auf etwa 50 Prozent an, wenn die Probanden dazu ermutigt wurden, ihre übliche defensive Verhaltensweise aufzugeben, fügen die Mediziner hinzu.

Virtuelle Realität könnte Hilfe bei verschiedenen Phobien bieten
Paranoia führt leider allzu oft zu Isolation, Misstrauen und tiefster Not. Die Betroffenen leiden an einer verzerrten Wahrnehmung ihrer Umwelt. Sie haben dann das Gefühl, dass andere Menschen eine extrem feindselige Haltung gegenüber ihrer Person einnehmen, erläutern die Forscher. Die Folgen reichen von einem aggressiven Misstrauen bis zur Einbildung einer Verschwörung gegen den Erkrankten.

Die außerordentlich positiven Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass es einen neuen Weg zur Behandlung dieser Erkrankung gibt, sagt der Hauptautor Professor Daniel Freeman vom Oxford University Department of Psychiatry. Die Mediziner vermuten, dass der Einsatz von VR-Geräten auch bei anderen Phobien helfen könnte.

Virtuelle Realität bietet sichere Umgebung zur Desensibilisierung
Menschen mit einer Phobie haben diese Verhaltensweise sozusagen Stück für Stück erlernt. Die Erkrankten verbinden eine auftretende Angstreaktion mit Situationen, die objektiv nicht gefährlich sind, erklären die Mediziner. Phobien können durch Vermittlung von bestimmten Entspannungstechniken behandelt werden, so werden dann allmählich die Ängste reduziert. Dies ist allerdings ein sehr langsamer Prozess, sagen die Autoren.

Mit der Hilfe von sogenannten Virtual-Reality-Geräten ist es nun möglich, Erkrankte tatsächlich Situationen auszusetzen, die für sie im Normalfall nicht zu ertragen wären. So geschieht diese Konfrontation aber in einer sicheren Umgebung, Patienten können sich also nach und nach allmählich desensibilisieren, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Virtual Reality Geräte werden den Tourismus und unser Gesundheitswesen stark verändern
In diesem Jahr werden einige weitere Virtual-Reality-Geräte auf den Markt kommen, darunter das Oculus Rift und das HTC Vive. Die meisten dieser Geräte werden hauptsächlich für Computerspiele genutzt werden, allerdings wirkt sich die Entwicklung solcher Geräte auch auf viele andere Teile unseres Lebens aus. So werden beispielsweise der Tourismus, unser Bildungs-System und das Gesundheitswesen in Zukunft stark von der Virtuellen Realität profitieren können, erklären die Experten. (as)

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