Vitamin-D-Mangel erzeugt ein erhöhtes Sterberisiko

Heilpraxisnet

Mangel des Sonnenhormons führt zu erhöhter Mortalität

21.11.2014

Vitamin D spielt bei verschiedenen Prozessen im Organismus eine entscheidende Rolle und ein Mangel des sogenannten Sonnenhormons wird in Zusammenhang mit zahlreichen gesundheitlichen Beschwerden gebracht. Während die Auswirkungen des Vitamin-D-Mangels auf die Knochenbildung unumstritten sind, bleiben bei anderen Beschwerden, wie beispielsweise bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems jedoch Zweifel, inwiefern hier tatsächlich von einem Kausalzusammenhang auszugehen ist.

Zum ersten Mal konnten Wissenschaftler der Universität Kopenhagen nun im Rahmen einer aktuellen Studie einen kausalen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel und einer allgemein erhöhten Sterblichkeit nachweisen. Ihre Ergebnisse haben die Forscher um Shoaib Afzal vom Copenhagen University Hospital in dem „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlicht. Die neuen Erkenntnisse scheinen ein eindeutiges Argument für die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten bei drohendem Vitamin-D-Mangel, doch bleiben einige wichtige Fragen weiterhin offen.

Auswirkungen des Vitamin-D-Mangels auf das Sterberisiko
Vielfach wurden in der Vergangenheit bereits statistischen Zusammenhänge zwischen verschiedenen Erkrankungen und einem Mangel an Vitamin D festgestellt, doch blieb bislang meist unklar, ob hier tatsächlich eine kausale Beziehung vorliegt. Denn beispielsweise können sowohl Herz-Kreislauf-Leiden als auch der Vitamin-D-Mangel auf einen ungesunden Lebensstil zurückgehen, ohne dass der Vitamin-D-Mangel Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System hat. Die aktuelle dänische Studie hat derartige Schwächen bisheriger Analysen umgangen, indem die Forscher die Auswirkungen eines genetisch bedingten Vitamin-D-Mangels auf die allgemeine Lebenserwartung beziehungsweise das Sterberisiko untersuchten.

Genetisch bedingter Vitamin-D-Mangel
Die dänische Studie basiert auf den Daten von 96.000 Studienteilnehmern aus der „Copenhagen City Heart Study“ und der „Copenhagen General Population Study“. In den Untersuchungen wurde der Vitamin D-Spiegel der Probanden anhand von Blutproben gemessen und anschließend auf Zusammenhänge mit genetischen Defekten hin überprüft. In ihrer aktuellen Studie analysierten die dänischen Forscher nun den „Zusammenhang zwischen den Genen, die mit permanent niedrigen Vitamin-D-Spiegel einhergingen, und der Mortalität“, so die Mitteilung der Universität Kopenhagen. „Wir konnten beobachten, dass Gene, die mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel assoziiert sind, eine um 30 Prozent erhöhte Mortalitätsrate und ein 40 Prozent höheres Risiko für Krebs-Todesfälle bedingen“, erläutert Shoaib Afzal. Hier sei eindeutig eine kausale Beziehung festzustellen gewesen. Je ausgeprägter der Vitamin-D-Mangel war, umso höher lag das Sterberisiko.

Keine Auswirkungen auf das Risiko tödlicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Ein Zusammenhang zwischen dem genetisch bedingten Vitamin-D-Mangel und dem Sterberisiko infolge von Herz-Kreislauf-Leiden wurde in der aktuellen Analyse nicht festgestellt, berichten die dänischen Wissenschaftler im „BMJ“. „Genetisch bedingt niedrige 25-Hydroxyvitamin D-Konzentrationen wurden mit einer erhöhten Gesamtmortalität, Krebssterblichkeit und anderen Sterblichkeiten, aber nicht mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität assoziiert“, schreibt Co-Studienautor Børge Nordestgaard, Professor an der Universität von Kopenhagen und Chefarzt an der Universitätsklinik Kopenhagen. Hier sei der beobachtete Zusammenhang in früheren Studien vermutlich darauf zurückzuführen, dass bestimmte Risikofaktoren für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie beispielsweise ein zu hoher Cholesterinspiegel oder Fettleibigkeit (Adipositas) eine Verringerung des Vitamin-D-Spiegels im Blut bedingen. Demnach wäre der Vitamin-D-Mangel nicht Ursache der Herzleiden, sondern Folge der gemeinsamen Risikofaktoren.

Kausalzusammenhang eindeutig belegt
Zwar wurde in früheren Studien bereits „ein enger statistischer Zusammenhang zwischen niedrigem Vitamin D-Spiegel und erhöhter Sterblichkeit festgestellt“, doch könnten die Ergebnisse durch die Tatsache verfälscht worden sein, „dass Vitamin D-Mangel ein Marker für ungesunde Lebensweise und schlechte Gesundheit im Allgemeinen ist“, berichtet Professor Børge Nordestgaard. In der aktuellen Studie sei allerdings von einem Kausalzusammenhang auszugehen, da die Analyse „auf einer Untersuchung der Gene beruhte – Gene, die nicht durch ungesunde Lebensweise erklärt werden können“, so Nordestgaard weiter. Mit ihrer Untersuchung haben die dänischen Forscher nach eigener Einschätzung eindeutig belegt, dass ein niedriger Vitamin D-Spiegel eine erhöhte Sterblichkeit bedingt. Hier liegt daher der Schluss nahe, den Vitamin-D-Mangel gegebenenfalls durch die Einnahme entsprechender Präparate auszugleichen. Allerdings bleibt der beste Weg zur Erhöhung des Vitamin D-Spiegels weiterhin unklar, mahnen die Studienautoren.

Viele offene Fragen
Zunächst müsse zum Beispiel noch die Menge an Vitamin D bestimmt werden, die im Zweifelsfall aufgenommen werden soll, schreibt Professor Børge. Zudem gelte es zu ermitteln, wie und wann die Vitamin-D-Zufuhr am effektivsten ist. Der Körper produziert selbstständig Vitamin D, wenn die Sonne auf unserer Haut scheint. Auf diese Weise deckt der Mensch normalerweise rund 90 Prozent seines täglichen Vitamin-D-Bedarfs und die übrigen zehn Prozent können über die Nahrung aufgenommen werden. Allerdings braucht die Haut rund 30 Minuten Kontakt mit dem Sonnenlicht pro Tag, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Dies ist bei vielen Menschen nicht gewährleistet, so dass sie tendenziell einen Vitamin-D-Mangel entwickeln. Hier besteht die Option, diesem durch Vitamin-D-Präparate entgegenzuwirken. Allerdings würden auch verlängerte Aufenthalte im Freien das Defizit meist beheben. Welches der richtige Weg ist, bleibt dabei laut Aussage der dänischen Forscher bislang offen. Hier stelle sich die Frage, ob wir Vitamin D am besten mit Hilfe die Sonne bilden, über die Nahrung aufnehmen oder als Vitamin-Ergänzungen zuführen sollten, berichten die dänischen Forscher. Auch sei unklar, ob die Zufuhr am besten in der Kindheit oder im Erwachsenenalter erfolgen sollte.

Aufklärung durch weitere Studien
Genauere Aufklärung über die gesundheitlichen Effekte der Vitamin-D-Einnahme beziehungsweise den Nutzen bei chronischen Krankheiten erhoffen sich die britischen Herzspezialisten Paul Welsh und Naveed Sattar in einem Kommentar zu dem „BMJ“-Artikel von weiteren laufenden Studien mit Namen wie „Vital“ (USA, 20.000 Teilnehmer) oder „Find“ (Finnland, 18.000 Teilnehmer)“, berichtet die „Tageszeitung“. Im Jahr 2017 sei hier mit ersten Ergebnissen in Bezug auf die Auswirkungen des Vitamins auf das Risiko von Erkrankungen wie Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden zu rechnen. Damit werden auch die Risiken eines Vitamin-D-Mangels künftig deutlich besser einschätzbar (fp)

Bild: Klaus Bindernowski / pixelio.de