Vogelgrippe klingt jetzt ab – Flamingos sehen die Sonne wieder

Dr. Utz Anhalt
Die Vogelgrippe klingt ab, und in Hagenbecks Tierpark in Hamburg können mehr als 600 Vögel wieder an die frische Luft – darunter 120 Flamingos, rosa Pelikane und Saruskraniche.

Vogelpark Walsrode öffnet mit vollem Programm
Der Weltogelpark Walsrode hat im Winter sowieso geschlossen, und Besuchern in der Zeit den Eintritt zu verwehren, als die Vogelgrippe umher ging, blieb ihm erspart. Als er am 18. März die Tore öffnete, konnten die Vögel bereits ins Freie.

Besucher kommen in Zoos wie hier im Weltvogelpark Walsrode in Kontakt zu den Vögeln und können so die Vogelgrippe übertragen (Somayeh Khaleseh Ranjbar)

Auch die große Freiflughalle steht offen, und die spektakulärste Flugschau Deutschland startet unter freiem Himmel und mit neuem Konzept.

Unersetzbare Tiere
Eine Infektion von Vögeln mit dem Virus im Weltvogelpark Walsrode wäre eine Katatastrophe. Er gehört von der Anzahl der dortigen Tierarten zu den zehn größten Zoologischen Gärten weltweit, züchtet diverse Spezies als einzige Institution in Europa, und manche Arten sind ausschließlich hier zu sehen.

Extrem bedrohte Spezies
In freier Natur fast ausgestorbene Arten wie der Zapfenguan aus Mexiko, der Blauaugenibis aus Madagaskar oder der Kagu Neukaledoniens haben hier ihren Platz. Der Blauaugenibis ist außerhalb Madagaskars sogar ausschließlich hier zu sehen, drei Seidenkuckusarten pflanzten sich hier das erste Mal außerhalb Madagaskars fort.

Dazu kommen diverse extrem bedrohte Kraniche, Kostbarkeiten wie Kolibris und Paradiesvögel, Palmkakadus oder südamerikanische Hokkos.

Internationale Zuchtprogramme
Der Weltvogelpark koordiniert internationale Zuchtprogramme und ist maßgeblich daran beteiligt, dem Aussterben nahe Arten in ihren ursprünglichen Lebensräumen wieder auszuwildern. Eine Infektion der hier lebenden Vögel wäre eine Katastrophe für den globalen Artenschutz.

Netzwerke der Erhaltungszucht
Um einem solchen Super-GAU vorzubeugen, sind die Erhaltungszuchtprogramme in Zoos global vernetzt. Eine Seuche in einer Zuchtstation würde deshalb nicht den gesamten Bestand einer bedrohten Art gefährden.

Vier Monate grassierte das Virus
Am 8. November 2016 stellten Experten erstmals das Vogelgrippe-Virus H5N8 bei toten Wildvögeln fest. Geflügelhalter mussten, zum Beispiel in Berlin-Lichtenberg, ihre Tiere in Ställen unterbringen, um Kontakte mit infizierten Wildvögeln zu vermeiden.

Desinfektion
In Hagenbecks Tierpark wurden Gänse getötet, nachdem einzelne Tiere im Zoo das Virus in sich trugen. Das Vogelhaus blieb geschlossen, Besucher mussten ihre Schuhe desinfizieren, bevor sie den Zoologischen Garten betraten.

Tiere kamen ins Winterquartier
Auch das gerade fertig gestellte Vogelhaus des Berliner Zoos an der Budapester Straße blieb für Besucher verschlossen, und in vielen Zoos kamen die Tiere vorzeitig in das Winterquartier. Dort blieben sie, bis das Virus sich nun bundesweit wieder zurückzog.

Tropenhalle für Besucher gesperrt
Auch die Tropenhalle im Alfred-Brehm-Haus im Tierpark Friedrichsfelde blieb im Winter den Besuchern versperrt, ebenso die dortige Krokodilhalle mit den seltenen Krähenstirnvögeln.

Einige Zoologische Gärten blieben ganz geschlossen
Der Zoo in Kronsberg, und die Tierparks in Ueckermünde wie Sassnitz waren über Monate sogar gänzlich für Besucher verschlossen, nachdem unter den dortigen Tieren die auch Geflügelpest genannte Krankheit grassierte.

Notfallprogramm
Zoologische Gärten haben ein Notfallprogramm für Seuchen wie die Vogelgrippe, allerdings ist dies von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich – je nachdem, welche Arten sie pflegen, wie und ob diese in Kontakt mit Wildvögeln kommen.

Zoos müssen nicht alle Tiere töten
Beim Nachweis einer Infektion müssen Zoobetreiber indessen nicht den gesamten Vogelbestand töten, wie es für Geflügelhalter sonst vorgeschrieben ist.

Geringere Ansteckung
Im Unterschied zu Mastanlagen leben die Tiere in Zoos nämlich in verschiedenen Bereichen, die nur begrenzt Kontakt miteinander haben – nämlich durch Besucher und Tierpfleger.

Ausbruch der Vogelgrippe-Was Sie jetzt wissen sollten
Eine gänzliche Entwarnung gibt es noch nicht. Manche Gebiete an der Alster und Elbe mit einer hohen Dichte an wilden Wasservögeln wie Möwen, Gänsen und Enten gelten nach wie vor als Risikogebiet.

Sondergenehmigung für Hagenbeck
Hagenbecks Tierpark bekam jedoch eine Sondergenehmigung vom Bezirksamt Eimsbüttel, da die Ansteckungsgefahr stark gesunken ist. Besucher müssen jetzt ihre Schuhe nicht mehr desinfizieren.

Viele Vögel werden aber voraussichtlich dieses Jahr nicht brüten, da sie zu spät an die Sonne kommen und so nicht mehr in Brutstimmung kommen.

Auch die Alsterschwäne in Hamburg kommen wieder ins Freie
Im ganzen Land heben immer mehr Landkreise und Städte die Stallpflicht auf. Im Emsland musste Geflügel seit dem 1. Februar in den Stall, zum 30. April endet diese Pflicht.

Fälle in ganz Mitteleuropa
Insgesamt gab es in Deutschland seit November 92 Ausbrüche der Geflügelpest, und auch Polen, Frankreich, die Niederlande und Ungarn waren betroffen.

Hochansteckende Vogelgrippe im Emsland
In den Gebieten wie der Altmark oder dem Emsland, wo die Geflügelpest auftrat, raten Experten indessen nach wie vor, dazu das Schuhwerk nach Aufenthalt im Freien zu reinigen, ebenso Geräte und Fahrzeuge und in den Ställen regelmäßig die Einstreu zu wechseln.

Stallpflicht in Mecklenburg
Die längste Stallpflicht in Deutschland besteht in Mecklenburg-Vorpommern. Hier gelten nach wie vor einige Regionen als Risikogebiet. Vorpommern-Rügen hob derweil die Stallpflicht auf, und Rostock lockerte sie.

Wie kam die Vogelgrippe nach Deutschland?
Wie die Vogelgrippe nach Deutschland kam, ist umstritten. Das Friedrich-Loeffler-Institut vertritt die These, dass Wildvögel das Virus verbreiteten.

Industrielle Geflügelzucht – ein Virenparadies?
Viele Ornithologen meinen im Gegenteil, dass sich die Grippe in den industriellen Tierhaltungen verbreitet hätte und sich die Wildvögel dort infiziert hätten. (Dr. Utz Anhalt / Somayeh Khaleseh Ranjbar)