Vogelgrippe: Mutiertes Grippevirus gefährlich?

Astrid Goldmayer

Vogelgrippe: Mutiertes Grippevirus kann zur Gefahr für den Menschen werden

22.06.2012

Das als Vogelgrippe bekannte Virus H5N1 ist vor allem für Vögel gefährlich. Jedoch reichen bereits fünf Mutationen des Virus aus, um durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch weitergeben zu werden. Dann genügt ein Händedruck, um sich mit dem Virus anzustecken.

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Nach nur fünf Mutation wird der Vogelgrippe-Erreger für Menschen bedrohlich
Bisher waren in erster Linie Vögel vom H5N1-Virus betroffen. Laut einer Studie, die im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht wurde, ist es jedoch möglicherweise nur eine Frage der Zeit bis sich die Vogelgrippe auch unter Menschen verbreitet und zur Pandemie wird. Ein internationales Forscherteam um Sander Herfst vom Erasmus Medical Center in Rotterdam in den Niederlanden fanden heraus, dass bereits fünf Mutationen im Erbgut des Virus ausreichen, um sich als Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch zu übertragen. Die Mutationen könnten laut Studie innerhalb eines einzigen Virustyps stattfinden. Es seien keine Vermischungen unterschiedlicher Unterarten des Erregers erforderlich, so die Forscher. In ihrem Experiment konnte der Virus medikamentös bekämpft werden. Auch die derzeit in Europa zugelassenen Impfstoffe konnten erfolgreich eingesetzt werden.

Experten zeigen sich besorgt, da sie eine Pandemie, die sich weltweit ausbreitet, nicht für unwahrscheinlich halten. Die Forscher widmeten sich bei ihren Untersuchungen deshalb der Frage, welche Mutationen im Erbgut des Erregers stattfinden, um eine Tröpfcheninfektion, die eine rasche Ausbreitung der Vogelgrippe von Mensch zu Mensch fördern würde, zu ermöglichen. Zunächst wurde das Erbgut des Virus an drei bestimmten Stellen verändert, um zu gewährleisten, dass es sich leichter unter Säugetieren verbreiten kann. Im nächsten Schritt infizierten die Forscher Frettchen mit dem Erreger, da sich diese mit menschlichen Viren anstecken lassen und einen ähnlichen Verlauf der Krankheit zeigen. Mittels Abstrichen aus der Nase der infizierten Tiere wurden weitere Frettchen angesteckt. Die Forscher wiederholten diesen Vorgang mehrfach, um eine natürliche Infektionssituation zu simulieren. Bei der Untersuchung der Viren nachdem einige Zeit vergangen war, stellten die Forscher fest, dass neben den drei bewusst mutierten Erbgutspositionen zusätzliche Veränderungen aufgetreten waren, die dazu führten, dass sich das Virus besser ausbreiten konnte.

Tröpfcheninfektion bei Vogelgrippe möglich
Um zu prüfen, ob sich das mutierte Virus möglicherweise auch über die Luft überträgt, stellten die Forscher Käfige mit gesunden Frettchen neben die mit den infizierten Tieren. Das erschreckende Ergebnis: Die meisten der gesunden Tiere erkrankten ebenfalls. Bereits fünf Mutationen reichten demnach aus, um eine Tröpfcheninfektion zu ermöglichen. Besonders wichtig sei dabei, dass die fünf Mutationen innerhalb eines Wirts und eines einzigen Virustyps entstehen könnten. Die Pandemien des vergangenen Jahrhunderts wurden immer von Viren verursacht, die sich entwickelten, als sich unterschiedliche Virustypen in einem Wirtstier zu einem genetisch neuen Typus geformt hatten. Aufgrund der zahlreichen H5N1-Infektionen bei Vögeln, die weltweit auftreten, könne es scheinbar nur eine Frage von Zeit und Zufall sein, bis sich eine Übertragung von Mensch zu Mensch ereigne, so die Forscher.

Im Fachmagazin „Science“ werden weitere Studien zu diesem Thema vorgestellt. So berichten Forscher in einer anderen Studie davon, dass bereits zwei Viren mit den nötigen Mutationen für eine Übertragung von Mensch zu Mensch im Freiland gefunden worden seien. Mittels eines mathematischen Modells untersuchten sie, welche Faktoren weitere Mutationen wahrscheinlicher und welche sie unwahrscheinlicher machen.

Vogelgrippe forderte Todesopfer
In Hongkong infizierten sich 1997 erstmals auch Menschen mit dem Vogelgrippevirus. Es wurden gut 600 erkrankte Menschen bis heute registriert, von denen alle engen Kontakt zu Geflügel hatten. Etwa die Hälfte der Erkrankten starb an den Folgen der Infektion.

Als Vogelgrippe werden Infektionen mit Influenza A-Viren des Typs H5N1 bezeichnet. Die Buchstaben „H“ und „N“ weisen auf Eiweißstücke auf der Hülle der Viren hin. Die Varianten sind durchnummeriert. Nachdem das H5N1-Virus erstmals in den späten 1990er Jahren im asiatischen Raum registriert wurde, breitete er sich nach Europa, Afrika und in den nahen Osten aus. Besonders gefährlich ist der Erreger für Vögel, von den ein Großteil der betroffenen Tiere stirbt.

Welche Symptome zeigen Menschen bei Vogelgrippe?
Nach einer bislang nicht eindeutig festgelegten Inkubationszeit, die Experten mit zwei bis 17 Tagen angeben, treten in der Regel die üblichen Symptome einer Grippe auf. Neben sehr hohem Fieber leiden Betroffene unter Husten, Atemnot und Halsschmerzen. In einigen Fällen treten Durchfall, Bauchschmerzen und Erbrechen auf. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es häufig zu Lungenentzündungen sowie Magen- und Darmbeschwerden. Einige Patienten leiden zudem unter einer Nierenschwäche, die zum Nierenversagen führen kann. Bei tödlichem Ausgang der Infektion ist meist Lungen- oder Multiorganversagen die Ursache. (ag)